23.09.
Um kurz vor 09:00 Uhr starteten wir in den Tag. Die Temperatur lag bereits bei 28 °C – und die sollte noch steigen. „36 Grad, und es wird noch heißer…“ *träller* – den Rest überlassen wir besser den Profis von 2raumwohnung!
Unser erster Weg führte uns direkt zum Safeway. Die Lachsröllchen und die gefüllten Pilze von gestern Abend waren so lecker, dass wir unbedingt Nachschub brauchten!
An der Theke, wo wir unsere Lachsröllchen kauften, sprach uns der Verkäufer Benjamin sofort auf Toms Schottland-T-Shirt an. Mit strahlenden Augen erzählte er, dass er Schottland über alles liebe, gerne Whisky trinke und in den USA regelmäßig an Highland Games teilnehme. Sogar den Haggis feiere er – und das will schon was heißen!
So waren wir innerhalb weniger Sekunden in ein Gespräch vertieft. Wir zeigten ihm ein paar Fotos von unseren Schottland-Reisen – und natürlich auch unsere Homepage. Zwar ist die auf Deutsch, aber er meinte nur lachend, das sei gar kein Problem, er würde sich das alles einfach übersetzen lassen.
Das war mal wieder eines dieser spontanen, richtig netten Erlebnisse – genau das, was wir an den Amerikanern so mögen: offen, interessiert und mit voller Begeisterung dabei.
Um 10:00 Uhr erreichten wir das kleine ehemalige Goldgräberstädtchen Oatman. Die Stadt entstand Anfang des 20. Jahrhunderts während des Goldrauschs, ist heute aber nur noch Heimat von rund hundert Einwohnern und lebt fast ausschließlich vom Tourismus.
Besonders berühmt ist Oatman für seine wilden Esel, die frei durch die Straßen laufen. Diese sogenannten Burros stammen ursprünglich von den Arbeitstieren der Goldminenarbeiter ab, die damals hier zurückgelassen wurden – und sie sind bis heute die eigentliche Attraktion des Ortes. Allerdings sollte man ein bisschen vorsichtig mit ihnen sein: Die süßen Vierbeiner haben es nämlich faustdick hinter den Ohren, treten gerne mal nach hinten aus und zwicken auch schon mal zu. Ich selbst bekam das zu spüren, als mir einer einen kleinen blauen Fleck am Oberschenkel verpasste. Aua!
Wir besuchten auch das Oatman Hotel Restaurant & Bar, wo wirklich jede Wand und sogar teilweise die Decke mit Dollarscheinen tapeziert ist – inzwischen sollen es mehrere Hunderttausend sein! Die Tradition geht noch auf alte Bergleute zurück, die ihre Geldscheine hier als eine Art „Notgroschen“ hinterließen. Wir fanden das richtig cool.
Neben den Eseln prägen kleine Souvenirshops, eine inszenierte Western-Atmosphäre mit hölzernen Gehsteigen und sogar Schießerei-Shows mit Platzpatronen das Bild. Alles wirkt ein bisschen wie ein Freizeitpark, ziemlich touristisch, und ohne die Esel hätte uns Oatman wohl nicht besonders gefallen. Aber gerade die Burros gaben dem Ort seinen ganz eigenen Charme, sodass wir unseren Besuch trotz allem sehr genossen.
Die Weiterfahrt über die historische Route 66 in Richtung Kingman führte uns über den sogenannten Oatman Highway, einen kurvigen, sehenswerten Abschnitt durch die Berge. Am Straßenrand tauchten neben Eseln auch immer wieder Kakteen auf, unter anderem die Teddy Chollas, die wir schon im Joshua Tree Nationalpark gesehen hatten.
Unterwegs hielten wir an einem kleinen Friedhof nahe dem Sitgreaves Pass, von dem aus man einen großartigen Ausblick über die umliegende Landschaft hatte. Dieser Ort war weniger ein klassischer Friedhof mit offiziellen Grabreihen, sondern eher eine Ansammlung von Kreuzen, kleinen Grabplatten und persönlichen Erinnerungsstücken.
Hier werden häufig die Aschen von Verstorbenen verstreut oder symbolische Gedenktafeln für Menschen – und manchmal auch Tiere – errichtet, die mit dieser Region oder der Route 66 verbunden waren. Solche Memorials gehören zur Kultur im Südwesten der USA: Sie sind oft von Angehörigen selbst angelegt und entstehen an Straßenrändern, Aussichtspunkten oder mitten in der Wüste. Uns hat dieser Ort sehr beeindruckt, weil er einerseits so schlicht war, andererseits aber eine ganz besondere, stille Würde ausstrahlte.
Weiter ging unsere Fahrt in Richtung Kingman, mit einem kurzen Zwischenstopp an der Cool Springs Station. Die kleine Station stammt noch aus den 1920er-Jahren – damals war sie eine wichtige Tankstelle und Rastmöglichkeit für all die Reisenden, die vor dem steilen Anstieg über die Black Mountains noch einmal verschnaufen wollten. Später verfiel das Gebäude, nachdem die Route 66 verlegt und der Verkehr abgenommen hatte, und in den 1960er-Jahren blieb nach einem Feuer nur noch eine Ruine zurück. Heute ist die Station liebevoll restauriert und dient als kleines Museum und Souvenirladen.
Während ich die dort ansässige Katze kraulte, kaufte Tom ein Messer mit einem Feuerwehraufdruck. O-Ton: „Kann man immer gebrauchen!“
In Kingman angekommen, steuerten wir direkt das kultige Diner Mr. D’s an. Schon von außen sprang uns die türkis-rosafarbene Fassade ins Auge – und innen war es dann mindestens genauso urig. Ein richtig cooles Diner!
Beim Essen fiel mir mal wieder meine chronische Entscheidungsschwäche auf. Ich blätterte gefühlt hundertmal in der Karte, bis ich mich endlich für ein Omelette mit Hash Browns entschied. Tom war wie immer schneller und bestellte ganz pragmatisch einen Burger. Beide Gerichte waren richtig lecker – so, wie man es sich in einem amerikanischen Diner wünscht.
Um kurz nach 15:00 Uhr machten wir uns satt und zufrieden auf den langen Weg Richtung Grand Canyon. Die Vorfreude stieg – endlich stand einer der großen Höhepunkte unserer Reise bevor!
Einen kurzen Zwischenstopp legten wir noch am Hackberry General Store ein. Auch hier ist wieder alles auf Route 66 getrimmt – von nostalgischen Zapfsäulen bis hin zu Souvenirs, die einen direkt in die 50er-Jahre zurückkatapultieren. Man merkt sofort, dass das Ganze natürlich auf Touristen ausgelegt ist, aber trotzdem macht es Spaß, durch den kleinen Laden zu schlendern und davor ein paar Fotos zu machen.
Auf der ruckeligen Weiterfahrt über die historische Route 66 fielen uns die vielen geschlossenen Tankstellen, verlassenen Motels und leerstehenden Cafés auf. Man kann sich nur schwer vorstellen, was hier früher einmal los gewesen sein muss – als die „Mother Road“ noch die große Hauptschlagader quer durch Amerika war und all diese Orte voller Leben, Stimmen und Motorengeräusche steckten.
Heute war es zwischen dieser endlosen Weite und der kilometerlangen, schnurgeraden Straße eher… sorry, langweilig! Die Strecke ab Hackberry bis Seligman war wenig spannend – da hätten wir auch gleich die Interstate 40 nehmen können.
Zwischen Seligman und dem Grand Canyon veränderte sich die Landschaft deutlich. Zunächst fuhren wir noch durch trockene Weiten, doch je weiter wir nach Osten kamen, desto hügeliger wurde es, und die Straße stieg spürbar an. Bald tauchten die ersten Wälder auf – überwiegend Kiefern – und es wurde merklich grüner. Auf über 2.000 Metern Höhe angekommen, erreichten wir schließlich das Colorado Plateau, wo uns weite Waldflächen umgaben und die Landschaft schon den Übergang zum Grand Canyon ankündigte.
Um 19:00 Uhr erreichten wir nach drei Fahrstunden endlich unseren Campingplatz für die nächsten zwei Tage. Rasch hatte mein Hase das Wohnmobil ausgerichtet und den Grill aufgebaut. Die Lachsröllchen, die gefüllten Pilze und Toms Würstchen schmeckten hervorragend! Zum Glück waren die Temperaturen mit nur noch frischen 19 °C deutlich angenehmer als am Vorabend.
Gegen 22:00 Uhr lagen wir im Bett und schlummerten zufrieden ein. Am nächsten Morgen hatten wir eine ganz besondere Verabredung! *hibbel*
Kilometer: 386
Wetter: Sonne, 34 °C
Campingplatz: Mather Campground (18 $; 16,70 € pro Nacht / 33,40 € für 2 Nächte)
Kein Strom, aber Wasser und Dumpstation