USA 2025 Tag 7

22.09.

Um 07:00 Uhr schellte der Wecker – da waren wir allerdings schon eine halbe Stunde wach. Die Nacht hatten wir richtig gut und vor allem lange geschlafen.

Nach einem leckeren Kaffee in der frischen Morgenluft machten wir uns auf zu unserem vorletzten Stopp im Joshua Tree Nationalpark, dem Hidden Valley. Dort drehten wir eine kleine Runde auf dem 1,8 km langen Rundweg. Das war total schön dort, denn die Felsen bilden ein natürliches „Amphitheater“, das früher angeblich einmal Viehdieben als Versteck diente. Heute wirkt die Landschaft fast wie eine abgeschlossene kleine Welt – mit bizarr geformten Steinen und typischer Wüstenvegetation.

Ein netter Ranger zeigte uns noch zwei interessante Felsen, die aussahen wie eine Kuh und wie das Logo der New England Patriots.

Nach einer Stunde waren wir wieder am Camper und fuhren anschließend noch zum Keys View. Dieser Aussichtspunkt hat uns wirklich umgehauen! Wir hatten einen großartigen Blick hinunter nach Palm Springs und konnten sogar bis zum Salton Sea schauen. Obwohl es etwas bedeckt war, war die Sicht traumhaft.

Besonders spannend: Direkt vor uns verlief die San-Andreas-Verwerfung. Diese riesige Bruchzone trennt die nordamerikanische (auf der wir standen) von der pazifischen Platte – und sie ist verantwortlich für viele der Erdbeben in Kalifornien. Verrückt!

Um 10:30 Uhr hieß es dann: „Tschüss, Joshua Tree Nationalpark!“ – und wir machten uns weiter auf den Weg Richtung Westen.

Zwischen Twentynine Palms und Amboy fährt man gefühlt durch ein Stück endloses Bilderbuch-Amerika – so, wie man es aus alten Roadmovies kennt.

Schon kurz hinter Twentynine Palms verlässt man die letzten Ausläufer der Stadt – und zack, man ist mitten in der Mojave-Wüste. Die Straße zieht sich schnurgerade vor einem her, als hätte jemand mit dem Lineal über die Karte gezogen. Links und rechts nichts als endlose Weite: graugrüne Kreosotbüsche, vereinzelt Joshua Trees und ab und zu ein paar alte, halb verfallene Ranchhäuser, die aussehen, als hätten sie ihre besten Zeiten schon vor Jahrzehnten gesehen.

Superinteressant, faszinierend – aber auch lebensfeindlich.

Als wir am Amboy Crater ausstiegen, schlugen uns knackige 33 °C ins Gesicht. Puh! Von der sechs Kilometer langen Wanderung um den Krater nahmen wir dann lieber Abstand. Selbst das Schild am Wegesanfang riet bei dieser Hitze davon ab.

Der Amboy Crater ist ein erloschener Schlackenkegel-Vulkan, der vor etwa 79.000 Jahren entstand. Mit rund 76 Metern Höhe und einem markanten Krater im Inneren gilt er heute als geologisches Wahrzeichen der Mojave-Wüste und ist seit 1973 sogar als National Natural Landmark geschützt.

Um 13:15 Uhr rollten wir weiter, und unser nächster Halt war das legendäre Roy’s Motel and Café in Amboy. Schon von Weitem sah man das riesige Neon-Sternschild am Straßenrand – ein echtes Kultmotiv auf der Route 66. Natürlich hielten wir an, machten gefühlt tausend Fotos und ließen die Atmosphäre dieses historischen Ortes auf uns wirken.

Roy’s wurde bereits 1938 gegründet und war in den 1950er- und 1960er-Jahren ein absoluter Klassiker auf der Route 66. Das große Schild gehört bis heute zu den meistfotografierten Relikten der „Mother Road“. Nach dem Bau der Interstate 40 wurde Amboy fast zur Geisterstadt, und das Motel verfiel. Heute gibt es hier keinen regulären Motelbetrieb mehr, aber im Shop kann man noch Getränke und Souvenirs kaufen – und an der Tanke zu sündhaft teuren Preisen Sprit zapfen.

Wir spazierten auch an den verlassenen Motelgebäuden entlang. Ein Blick in die alten Zimmer und Toiletten zeigte allerdings deutlich: Geruchstechnisch sollte man nicht unbedingt in jedes hineingehen! *urgh*

Leider war das weitere Stück der Route 66 gesperrt, und wir mussten links auf den Freeway abbiegen. Echt schade! Klar, wir kamen so nun deutlich zügiger voran, aber das ist ja nicht Sinn der Sache. Lieber wäre ich noch ein Stückchen weiter über die legendäre Route 66 geschaukelt – mit all ihrem Charme, den alten Schildern und dem Gefühl, auf einem Stück amerikanischer Geschichte unterwegs zu sein.

Na ja – aber so haben wir wenigstens noch etwas auf unserer Bucketlist, das wir irgendwann abarbeiten können. Ein Trip auf der gesamten Route 66 steht nämlich eh noch drauf. *lach*

Im kleinen Grenzstädtchen Needles verließen wir Kalifornien, überquerten den Colorado River und rollten direkt hinein nach Arizona. Und da staunten wir nicht schlecht: Links des Flusses hatte der Sprit noch stolze 6,20 $ (5,52 €) gekostet, auf der rechten Seite – keine fünf Minuten später – blinkte uns die Zapfsäule mit nur 2,97 $ (2,52 €) entgegen. Krass!
Zum Glück hatten wir das Tanken hinausgezögert und wurden dafür mit einem regelrechten Preiswunder belohnt. Bei unserer Tankfüllung machte das am Ende satte 111 $ Unterschied – quasi eine komplette Restaurantrechnung oder zwei Nächte auf dem Campingplatz, einfach mal nur durchs Über-die-Brücke-Fahren gespart. Geiler Scheiß!

Die gesparten 111 $ gaben wir dann direkt im Safeway wieder aus. So ist es halt: Der amerikanische Supermarkt verschlingt eben seine Opfer. *lach*

Da wir noch relativ gut in der Zeit lagen und es erst 16:00 Uhr war, schlenderten wir ganz in Ruhe durch wirklich jeden einzelnen Gang. Wir schauten uns alles an – von meterlangen Regalen voller Frühstücksflocken über endlose Reihen an BBQ-Soßen bis hin zu absurden Familienpackungen, die selbst in unserem Camper kaum Platz gefunden hätten.

Am meisten freute ich mich über die ganzen Pumpkin-Sachen. Ich liebe dieses Zeug einfach total – Pumpkin Spice Cheesecake, Pumpkin Spice Kaffee, Pumpkin Creamer, Pumpkin Spice M&M’s, Pumpkin alles! Da könnte ich mich jedes Jahr aufs Neue reinlegen. Schade nur, dass es das in Deutschland noch nicht in dieser Vielfalt gibt. Da sind die Amerikaner wirklich absolute Spitzenreiter und legen im Herbst jedes Jahr noch eine Schippe drauf. Love it!

Es war richtig schön, einfach mal Zeit zu haben – und nicht wie sonst schnell durchzurauschen, sondern alles ganz gemütlich in uns aufzusaugen. Der einzige Nachteil: Wir waren viel zu entspannt. Aus den ursprünglich geplanten acht Dingen auf unserer Einkaufsliste wurden am Ende stolze 67. Na ja, sei’s drum! Mit einem breiten Grinsen, einem randvollen Einkaufswagen und der Gewissheit, dass wir in den nächsten Tagen ganz sicher nicht verhungern würden, gingen wir glücklich zurück zum Camper.

Um kurz vor 18:00 Uhr erreichten wir den Campingplatz, der nur gute sechs Kilometer vom Safeway entfernt lag. An der Rezeption war niemand mehr – stattdessen wartete ein netter kleiner Umschlag auf uns. Darin steckten Platznummer und Lageplan, also bezogen wir ganz ohne Registrierung erst einmal die Site Nr. 10.

Tom kümmerte sich draußen um den Anschluss – Strom dran, Abwasserschlauch dran –, während ich drinnen schon mal alles herrichtete. Als ich dann die Klimaanlage einschaltete, passierte es: Klack! – draußen flog sofort die Sicherung raus. Kein Problem, dachte ich, mein Hase machte sie schnell wieder rein. Doch danach lief die Klimaanlage im Camper einfach nicht mehr.

Tom bekam einen regelrechten Tobsuchtsanfall, und das konnte ich absolut verstehen – mir war schließlich auch unerträglich heiß bei immer noch fast 34 °C Außentemperatur! Und man bedenke dabei die Uhrzeit: 19:00 Uhr!
Wir drückten, zogen, schalteten und klopften, doch nichts funktionierte. Die Klimaanlage blieb einfach stumm. Also begaben wir uns auf die Suche nach dem Sicherungskasten. Nur: Finden ließ er sich nicht so schnell – was der Stimmung natürlich auch nicht gerade förderlich war. Erst nach gut zehn Minuten entdeckte ich schließlich im hinteren Teil des Wohnmobils den Kasten. Und nachdem die Sicherung wieder drin war, funktionierte die Klimaanlage auch problemlos.

Und siehe da – plötzlich waren wir beide wieder ein bisschen friedlicher. *lach*

Während mein Hase draußen unser Abendessen grillte – die Pilze und der Lachs aus dem Safeway waren wirklich köstlich – verräumte ich drinnen unsere ganzen Einkäufe. Jetzt waren die Schränke wirklich bis zum letzten Winkel vollgestopft.

Und als wäre der Tag mit der Klimaanlage nicht schon aufregend genug gewesen, streikte dann auch noch zweimal der Grill – einmal, weil die Gaskartusche leer war, und einmal, weil Luft im System war. Was für ein Abend!

Gegen 20:00 Uhr saßen wir endlich am Tisch, genossen unser leckeres Essen und verschwanden danach hundemüde ins Bett. Die Hitze hatte uns völlig geschafft. Wohnen könnten wir hier auf keinen Fall – oder vielleicht gewöhnt man sich ja irgendwann daran… ich weiß es nicht.

Kilometer: 296
Wetter: Sonne-Wolken-Mix, 36 °C
Campingplatz: Moon River RV Resort (41,25 $; 35 €)
Full Hookup


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