26.09.
Als ich kurz nach 06:00 Uhr aufwachte und einen Blick aus dem Fenster warf, zeigte sich bereits die Sonne am Horizont. Zuerst machte ich nur schnell ein Foto – aber ein paar Minuten später entschied ich mich doch, noch einmal hinauszugehen. Tom schlief noch tief und fest. Es war zwar windig, doch mit dem Aufgang der Sonne legte sich der Wind ein wenig, und so konnte ich den Sonnenaufgang richtig genießen.
Um kurz vor 08:00 Uhr machten wir uns auf den Weg zu unserem ersten Tages-Highlight: der Lower Antelope Canyon Tour. Die Tickets hatte ich schon in Deutschland fix gebucht – Planungstrulla at its best –, sodass wir vor Ort nur noch kurz einchecken mussten und uns ganz auf die Vorfreude konzentrieren konnten.
Der Lower Antelope Canyon ist über Millionen Jahre durch Erosion entstanden. Vor allem Regenfälle haben sich immer wieder ihren Weg durch den weichen Navajo-Sandstein gebahnt und dabei die spektakulären, geschwungenen Formen herausgeschliffen. Wenn plötzliches Hochwasser durch den engen Canyon rauscht, wird er jedes Mal weiter geformt – deswegen darf man ihn auch nur mit Guide betreten.
Da es gestern im Wetterbericht noch hieß, dass heute Vormittag ebenfalls Regen möglich sei, war ich schon etwas nervös, ob die Tour überhaupt stattfinden würde. Zum Glück war aber alles freigegeben, und wir wurden der lilafarbenen Gruppe zugeteilt.
In jeweils 15er-Gruppen gingen wir im Abstand von zwei bis drei Minuten Richtung Canyon. Über steile Treppen stiegen wir hinab auf den Canyonboden – immerhin fast 37 Meter tief! Und dann begann das große Staunen und Fotografieren. Dieser Canyon ist wirklich atemberaubend. Wir konnten uns gar nicht sattsehen, und ich machte unzählige Fotos – jedes einzelne anders, jedes auf seine Art faszinierend.
Unser Tourguide war super gut drauf, mit trockenem Humor und dem perfekten Blick für die besten Perspektiven. Mit einem Augenzwinkern zeigte er uns die ultimativen Instagram-Positionen und drückte auch selbst immer wieder auf den Auslöser, sodass wir am Ende ein paar richtig coole Erinnerungsbilder hatten.
Nach 283 Bildern und gut einer Stunde im Canyon stiegen wir die Leitern wieder empor. Es war wirklich ein einzigartiges Erlebnis und hat uns richtig gut gefallen. Die beiden Deutschen, die wir dort kennengelernt hatten, waren auch total nett – gemeinsam gingen wir quatschend und bestens gelaunt zurück zum Visitor Center.
Am Wohnmobil gönnte sich Tom noch schnell eine Kleinigkeit zu essen, während ich unsere neu gekaufte Anti-Rutsch-Matte in den Kühlschrank legte – damit das Chaos bei jeder Kurvenfahrt endlich ein Ende hatte. Allerdings stellte sich schnell heraus, dass es sich dabei weniger um eine Anti-Rutsch-Matte als vielmehr um eine Badezimmermatte mit Noppen handelte. Hatten wir im Laden gar nicht gesehen. Nun ja, jetzt standen die Sachen im Kühlschrank halt ein wenig schief, aber wir hofften einfach mal, dass sie beim nächsten sportlichen Schlenker meines Hasen trotzdem besser an Ort und Stelle blieben.
Um 11:30 Uhr machten wir uns dann auf den Weg zum Treffpunkt für unsere nächste Tour – den Upper Antelope Canyon. Schnell waren wir eingecheckt, und um 12:15 Uhr stiegen wir in Bus Nr. 4, der uns die gut zwölf Kilometer hinaus zum Canyon brachte.
In einer ziemlich großen Gruppe liefen wir dann durch den Upper Antelope Canyon. Unser Guide Ro Rock war supernett, aber ich hatte das Gefühl, dass er ein bisschen das Standardprogramm runterspulte – mit weniger Herzblut als sein Kollege im Lower Antelope Canyon. Trotzdem war es toll gemacht. Er stellte uns am Handy sogar die Kameras ein und machte auch ein paar Fotos von uns, wenn auch nicht so viele wie unser Guide im Lower.
Schön war der Canyon allemal, keine Frage – aber nach einer halben Stunde waren wir bereits durch und wieder auf dem Rückweg zum Minibus.
Unser Fazit: Wenn man sich für einen entscheiden muss, dann ganz klar den Lower Antelope Canyon.
Unterschied zwischen Upper und Lower Antelope Canyon
Lower Antelope Canyon:
Schmaler, kurviger, abenteuerlicher; mit Treppen und Leitern; etwa eine Stunde im Canyon; kleinere Gruppen und günstiger.
Upper Antelope Canyon:
Breiter, mit ebenem Boden und einfacherem Zugang; berühmt für die spektakulären Lichtstrahlen (nur von Mai bis September); sehr beliebt, daher teurer und voller.
Nach den zwei schönen und aufregenden Touren knurrten uns beiden die Mägen, also steuerten wir Big John’s Texas BBQ an und gönnten uns ein richtig leckeres Mittagessen. Der Laden war früher einmal eine Tankstelle – und das sieht man ihm auch heute noch an. Vor der Tür standen zwei riesige BBQ-Smoker, aus denen es verheißungsvoll qualmte. Schon beim Hinsetzen stieg uns der Duft von langsam geräuchertem Fleisch in die Nase – und wir wussten sofort: Hier sind wir goldrichtig.
Um kurz vor 15:00 Uhr machten wir uns auf den Weg Richtung Monument Valley. Die Landschaft unterwegs war unglaublich weit – mal karg und staubig mit nur ein paar Sträuchern, dann wieder gesäumt von einzelnen Bäumen. Immer wieder tauchten beeindruckende Felsen und rote Tafelberge am Horizont auf, die wie Riesen mitten in der Wüste standen. Je näher wir unserem Tagesziel kamen, desto häufiger und spektakulärer wurden diese Felsformationen – ein echter Vorgeschmack auf das, was uns im Monument Valley erwartete.
Leider waren am Horizont immer wieder Regenschauer zu sehen, die aus dicken, dunklen Wolken auf die Erde fielen. Unsere Stimmung war dadurch erstmal nicht die beste – mit Regen hatten wir in Arizona wirklich nicht gerechnet. Die Temperatur sackte zwischendurch sogar auf 16 °C ab. Sechzehn Grad! In Arizona! In der Wüste! Das konnte doch echt nicht wahr sein.
Als wir am Campingplatz ankamen, mussten wir unsere Uhren eine Stunde vorstellen – statt 17:00 Uhr war es also plötzlich schon 18:00 Uhr. Außerdem wird für den Eintritt in den Monument Valley Navajo Tribal Park eine Gebühr von 8 USD pro Person und Tag fällig. Zum Glück bekamen wir aber einen richtig schönen Stellplatz mit direktem Blick ins Valley. Und wieder einmal zeigte sich, dass Wolken die schönste Leinwand für einen Sonnenuntergang sind.
Noch während die Sonne unterging, schmiss Tom den Grill an, und wir verbrachten einen wundervollen Abend draußen. Bei Kerzenschein saßen wir vor unserem Camper, ließen den Blick immer wieder ins Valley schweifen und genossen die besondere Stimmung. Und dann hatten wir auch noch Glück: Durch Zufall entdeckte ich im Sand gleich zwei kleine Glückscentstücke – eins für Tom und eins für mich. Das sollte uns auf dem weiteren Weg doch bestimmt Glück bringen.
Kilometer: 205
Wetter: Sonne-Wolken-Mix mit Schauern, 14 °C – 25 °C
Campingplatz: The View Campground (84,75 $ ≈ 78 €)
Kein Strom, kein Wasser und keine Dumpstation