USA 2025 Tag 10

25.09.

Bereits um 05:30 Uhr klingelte unser Handywecker, denn wir wollten unbedingt den Sonnenaufgang am Canyonrand erleben. Noch etwas verschlafen griff ich in den Kühlschrank, um Milch für meinen Kaffee zu holen – nur um festzustellen, dass sie sich inzwischen in eine Art Joghurt verwandelt hatte. Dickflüssig, sauer, einfach ungenießbar. Unser Kühlschrank und ich – wir standen weiterhin auf Kriegsfuß. Immerhin funktionierte das Gefrierfach mittlerweile ganz ordentlich, vermutlich dank der vielen eingefrorenen Wasserflaschen, die wie kleine Kühlakkus wirkten – selbst wenn es draußen heiß war. Wir mussten uns nur unbedingt wieder daran erinnern, tagsüber ein paar der gefrorenen Flaschen nach unten in den Kühlschrank zu legen. Da hatten wir die letzten Tage etwas geschlampt…

Eine schnelle Katzenwäsche und ein Kaffee später (ohne Milch) standen wir um kurz nach 06:00 Uhr mit gefühlt 10.000 anderen Menschen am Canyonrand. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass es so voll werden würde. Aber wir fanden trotzdem ein schönes Plätzchen und konnten den Moment genießen. Der Sonnenaufgang war zweifellos schön, kam aber nicht ganz an den auf La Réunion oder – unseren absoluten Spitzen-Top-Nummer-1-Favoriten – den auf Maui, oben auf dem Vulkan Haleakalā, heran.

Nach einer Dusche und einem gemütlichen Frühstück auf dem Parkplatz schauten wir noch kurz im Visitor Center vorbei.

Um 08:30 Uhr verabschiedeten wir uns schließlich vom Grand Canyon und machten uns auf den Weg Richtung Westen nach Page.
Natürlich hielten wir unterwegs immer wieder an verschiedenen Aussichtspunkten – jeder mit seinem eigenen Charme und alle wunderschön.

Moran Point:

Am Lipan Point gefiel uns der Blick noch einmal ganz besonders. Von hier oben hatten wir einen anderen Blickwinkel auf den Canyon – ähnlich wie schon am Hopi Point, der uns gestern so gut gefallen hatte. Diesmal reichte der Blick nicht nur nach Norden wie an vielen anderen Aussichtspunkten, sondern auch weiter nach Westen, wo man sogar dem Colorado River beim Eintauchen in die innere Schlucht folgen konnte. Während wir die Aussicht genossen, entdeckte ich ein kleines, pummeliges Eichhörnchen, das seelenruhig an seinem Frühstück knabberte.

Am Desert View Point war richtig viel los: zwei große Reisebusse, etliche Wohnmobile und PKWs drängten sich auf dem Parkplatz. Dominierend steht dort der Desert View Watchtower, ein 1932 von der Architektin Mary Colter entworfener Turm im Stil alter Pueblo-Bauten. Drinnen war es allerdings ebenfalls brechend voll, also warfen wir nur einen kurzen Blick hinein. Außerdem fanden wir, dass man die Aussicht von außen ohnehin viel besser genießen konnte als durch die Glasscheiben des Turms.

Mit einem heißen Pumpkin Spice Latte in der Hand vom dortigen Starbucks (die gibt’s ja wirklich überall) machten wir uns schließlich wieder auf den Weg. Gleich hinter Desert View verließen wir den Nationalpark. Tschüss, superschön war’s!

Am Little Colorado River Navajo Tribal Park legten wir einen kurzen Stopp ein. Wir spazierten den kleinen Weg bis zur Kante und dachten im ersten Moment nur: „Ja, okay, ganz nett.“ Eigentlich total bescheuert – immerhin geht es hier fast 500 Meter in die Tiefe. Aber nach dem Grand Canyon kann uns vermutlich so schnell keine Schlucht mehr wirklich beeindrucken. (Spoiler: Doch, da geht noch was!)

Trotzdem war der Blick in die schroffe Schlucht spannend, und an einem kleinen Navajo-Stand an der Zufahrtsstraße kauften wir noch eine Mini-Schildkröte für zu Hause. Die Navajos sind bekannt für ihr kunstvolles Handwerk, und so hatten wir nicht nur ein nettes Souvenir, sondern auch ein kleines Stück Kultur dieser Region im Gepäck.

Als sich über den Bergen das angekündigte Gewitter zusammenbraute, machten wir uns lieber schnell wieder auf den Weg. Was hatten wir gestern doch für ein Glück mit dem Wetter gehabt – am heutigen Tag wäre unsere Radtour wohl buchstäblich ins Wasser gefallen.

Am Horseshoe Bend, der bekannten Flussschleife des Colorado River, legten wir unseren letzten Stopp des Tages ein. Als wir dort ankamen, traf uns erstmal fast der Schlag: ein riesiger Parkplatz, dazu ein Kassenhäuschen, wo uns auf sehr freundliche Art 10 Dollar Eintritt abgenommen wurden. Danach ging es noch etwas mehr als einen Kilometer zu Fuß durch die staubige Wüstenluft bis zum eigentlichen Aussichtspunkt. Zum Glück hatte sich die Sonne hinter einer dicken, grauen Wolke versteckt – so war der Weg wirklich angenehm zu laufen.

Am Rand der Klippe angekommen, konnten wir wunderbare Fotos machen und waren tief beeindruckt, diese spektakuläre Flussschleife endlich einmal live zu sehen – bisher kannten wir sie ja nur von Postkarten und Bildern im Internet.

Bevor wir zum Campingplatz fuhren, legten wir noch einen Stopp beim Safeway ein, um Grillfleisch für den Abend zu kaufen. Klar, als ob es nur bei Fleisch geblieben wäre! Am Ende schoben wir wieder einen halbvollen Einkaufswagen nach draußen und waren um 250 Dollar (214 €) erleichtert. So ist das eben in Amerika: Überall lauern Dinge, die man noch nicht kennt oder die einfach zu verlockend aussehen, um sie im Regal stehen zu lassen.

Vollgepackt ging es dann zum Campingplatz. Der ist noch ziemlich neu (2023), und ich hatte im Vorfeld den für mich schönsten Stellplatz gebucht: die Nummer 201 – ganz am Ende gelegen, mit freiem Blick in die wunderschöne Umgebung. Direkt nach dem Ankommen schmissen wir erstmal eine Maschine Wäsche an, denn der Schmutzwäscheberg war mittlerweile beachtlich geworden.

Kaum hatten wir uns eingerichtet, fing ein heftiger Wind an. Nicht der Wind an sich war das Problem, sondern der Sand, den er in Massen mit sich trug. Draußen sitzen war unmöglich, also verzogen wir uns für eine Weile ins Wohnmobil. Eine Stunde später spazierten wir dann zurück zur Waschmaschine, um den Trockner anzuwerfen.

Vom Sand ordentlich eingepudert, kamen wir an den Maschinen an. Tom verschwand sofort unter die campingeigene Dusche und genoss sichtlich das warme Wasser. Ich dagegen warf den Trockner an und setzte mich drinnen hin, wo ich draußen den kleinen Sandsturm beobachtete.

Der Wind hatte mich auf dem Weg ebenfalls gut eingepudert, sodass ich schon kurz darüber nachdachte, auch unter die Dusche zu springen. Ich verschob das aber auf später im Camper – schließlich musste ich ja noch zurück und wollte nicht gleich wieder aussehen wie ein paniertes Schnitzel.

Zurück am Camper entschieden wir uns, eine Suppe zu kochen – bei dem Wind war ans Grillen einfach nicht zu denken. Nach dem Essen holte Tom noch die trockene Wäsche aus dem Trockner, und kurz darauf krochen wir hundemüde ins Bett. Das frühe Aufstehen hatte uns heute wirklich geschafft.

Kilometer: 228
Wetter: Sonne-Wolken-Mix, 30 °C
Campingplatz: Roam America Horseshoe Bend (119 $ plus 25 $Siteauswahl; 134 €)
Full Hookup


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