13.10.
4 – ganze 4 Grad! zeigte das Thermometer heute Morgen an. Zum Glück lief die Heizung über Nacht – ich glaube, sonst wären wir beide erfroren.
Unseren Kaffee genossen wir dann beim Muhen einer Kuh – oder gleich einer ganzen Herde –, die draußen auf der Wiese stand. Für einen Moment fühlten wir uns ein bisschen wie im Bayerischen Wald, mit Blick auf die Berge. *lach*
Zum Glück waren wir aber immer noch in Kalifornien und freuten uns nun auf die letzten zwei Tage, auch wenn das Regengebiet langsam, aber sicher näher rückte.
Um 09:30 Uhr machten wir uns auf den Weg in unseren Fahrtag. Heute wären wir ja eigentlich im Sequoia-Nationalpark gewesen. Der Himmel war aber bereits zugezogen, und so waren wir froh, Richtung Küste zu fahren.
Über – gefühlt – wieder tausend Kurven schlängelte sich die Straße hinunter aus der Sierra Nevada, jener gewaltigen Gebirgskette, die sich über mehrere Hundert Kilometer durch Kalifornien zieht. Irgendwann erreichten wir schließlich die tieferen Lagen – und damit auch die weite, landwirtschaftlich geprägte Ebene. Links und rechts der Straße reihten sich wieder endlose Obstplantagen aneinander: Mandarinen, Weintrauben, Zitronen und sogar Olivenbäume, soweit das Auge reichte.
Und mit rund 20 °C war es mittlerweile auch wieder angenehm warm, und Tom zog erst mal seinen Pulli aus. Meiner blieb mal schön noch eine Weile an meinem Körper!
So fuhren wir – also mein Pulli und ich, eng aneinander gekuschelt auf dem Beifahrersitz, und Hase daneben in seinem T-Shirt – Kilometer für Kilometer Richtung Küste. Die Strecke war recht eintönig und nur kurz unterbrochen durch einen Stopp, um unseren Gastank wieder aufzufüllen. Den mussten wir ja voll abgeben.
Bei ACE Hardware fanden wir schließlich eine Station, wo das problemlos ging. Wir ließen 7,2 Gallonen nachfüllen, zum Preis von 3,79 Dollar pro Gallone – also rund 30 Dollar (25 € inkl. Tax) insgesamt für die Gasfüllung.
Als wir an Hasley Canyon und Val Verde vorbeifuhren, bekam Tom plötzlich eine Warnmeldung auf sein Handy: eine Evakuierungswarnung vom Sheriff’s Department – wegen möglicher Schlammlawinen und Geröllabgänge im Gebiet eines alten Brandes. Der Boden kann dort instabil sein und bei den zu erwartenden Regenfällen abrutschen.
Wir waren ehrlich gesagt ziemlich erschrocken und vor allem froh, dass wir nur durch dieses Gebiet fahren mussten und nicht irgendwo dort standen.
Kurz dahinter hielten wir auf dem Parkplatz eines Supermarkts an und machten – ganz unromantisch – unsere Mittagspause. Nach all der Fahrerei hatten wir erst mal die Nase voll und mussten uns dringend ein bisschen die Beine vertreten. Über den Bergen hingen inzwischen schon dicke, dunkle Wolken, und es sah ganz so aus, als würde es bald ordentlich losregnen. Wobei das große Regengebiet erst in der Nacht eintreffen sollte.
Gegen 15:00 Uhr setzten wir unsere Fahrt fort – allerdings nicht ohne einen kleinen Zwischenstopp: bei Crumbl Cookies, dieser amerikanischen Keks-Kette, der man einfach nicht widerstehen kann. Natürlich konnte ich nicht anders, als mir einen dieser unfassbar köstlichen Cookies zu gönnen. Der dazu gekaufte Pumpkin-Kuchen war mir allerdings etwas zu süß. Ein Cookie reicht definitiv!
Tom ist ja nicht so der Süße. Er probierte nur – und schnitt sich dann lieber eine Salami auf, die eh vor der Abreise noch wegmusste.
Gegen 16:30 Uhr erreichten wir endlich – nach einem langen Fahrtag – unseren Campingplatz direkt am Meer. Und was für ein Platz! Das Wohnmobil stand quasi auf dem Sand, daneben eine kleine Bank, eine Feuerstelle – und nur ein paar Schritte weiter das Rauschen der Wellen. Einfach traumhaft.
Wäre da nicht diese dicke, dunkle Regenfront gewesen, die sich schon von rechts über dem Meer zusammenbraute. Wir hofften einfach, dass sie sich noch ein wenig Zeit ließ, damit wir wenigstens noch ein Weilchen am Feuer sitzen konnten, bevor der Regen loslegte.
Tom machte es sich schon mal gemütlich, setzte sich an den Strand und genoss sein wohlverdientes Feierabendbier. Ich dagegen brauchte nach all dem vielen Sitzen dringend etwas Bewegung und spazierte noch einmal den Strand hinauf und wieder hinunter. Ein frischer Wind wehte, die Wellen rauschten – und nach unserer langen USA-Inland-Tour tat es einfach unglaublich gut, das Meer wieder zu hören, zu sehen und zu riechen.
Als ich meinen Hasen wieder erreichte, hatte dieser bereits die Campingstühle rausgeholt und direkt vorne am Strand platziert. Ich gesellte mich zu ihm, und gemeinsam genossen wir es, dort zu sitzen. Zum Glück hielt die Wolkenfront den Regen noch zurück, und so bescherte uns der Himmel sogar einen richtig schönen Sonnenuntergang.
Später aßen wir die Reste aus dem Eisschrank – für Tom gab es Fisch, für mich eine Packung Ben-&-Jerry’s-Eis. Alles genossen wir draußen am kleinen Lagerfeuer, begleitet vom stetigen Rauschen des Meeres. Es war ein wirklich wunderschöner vorletzter Abend, und wir genossen jede Minute dieser friedlichen Stimmung.
Und während wir dort saßen, waren wir mehr als froh, dass wir den Platz im Sequoia storniert hatten – dort oben regnete beziehungsweise schneite es inzwischen tatsächlich, das konnte man schon den ganzen Nachmittag auf dem Wetterradar sehen. Da saßen wir eindeutig am besseren Fleck: mit Meerblick statt Schneefall.
Zu der romantischen Abendstimmung gab es dann noch einen kleinen Stunt im Sand – total unfreiwillig, versteht sich. Im Dunkeln war ich über einen der dicken Steine gestolpert, kam ins Straucheln und lag schließlich wie ein auf den Rücken gefallener Käfer im Sand. Aua! Mein Zeh pochte sofort beleidigt.
Der Hase hatte mich zunächst gar nicht rufen gehört, weil er mit dem Kopf tief in einer der hinteren Klappen des Wohnmobils steckte und dort eifrig die restlichen Getränke sortierte. Als er mich dann aber sah – noch immer im Sand liegend und sichtlich lädiert –, eilte er natürlich sofort zu mir. Und ich schwöre, in seinem Gesicht lag dieser kurze Moment zwischen Sorge und „Was machst du denn da schon wieder?“.
Als wäre das an diesem Abend noch nicht genug gewesen, trat ich bei meinem kleinen Strandspaziergang offenbar in irgendeine ölige Substanz. Natürlich bemerkte ich das erst später, als ich in der Dusche stand und meine Schuhe vom Sand befreien wollte. Kaum hatte ich das Wasser aufgedreht, verteilte sich die dunkle, klebrige Masse überall in der Duschtasse. Ich hätte ausflippen können! Das Zeug ließ sich keinen Millimeter entfernen – egal, womit ich es versuchte. Also verschob ich die Reinigungsaktion frustriert auf den nächsten Tag, wusch mir halbherzig die Hände und ging leicht genervt ins Bett.
Kilometer: 384
Wetter: Sonne-Wolken-Mix, 4°C – 23°C
Campingplatz: Thornhill Broome Campground (43,25 $; 37,50 €)
Kein Strom, kein Wasser, kein dumpen