14.10.
Um 07:00 Uhr schellte der Wecker. In der Nacht waren wir ein-, zweimal kurz wach geworden – der nahegelegene Highway machte sich doch ab und zu bemerkbar –, aber insgesamt hatten wir eigentlich ganz ordentlich geschlafen.
Beim Blick auf das Thermometer bekam ich allerdings kurz einen Schreck. Entweder war die Klimaerwärmung über Nacht explodiert – oder unser Wohnmobil brannte. Das Außenthermometer zeigte sage und schreibe 55 °C an! Na, das Ding hatte wohl den Geist aufgegeben?!
Ein kurzer Blick nach draußen zeigte links noch ein kleines Stück blauen Himmel und rechts bereits eine nahende, dunkle, dicke Regenfront.
Nach einem schnellen Foto zog ich mich wieder ins Innere zurück und begann mit der großen Kofferpackaktion. Es herrschte das reinste Chaos im Wohnmobil – wie immer bei solchen Unternehmungen. Überall flogen Dinge herum: Sachen, die mitmussten, Dinge, die wegkonnten, und solche, die wir verschenken wollten. Aber wie heißt es so schön? Nur ein Genie beherrscht das Chaos.
Nachdem sich auch das Außenthermometer wieder beruhigt hatte und endlich die echten 17 °C anzeigte, war ich so gut wie fertig mit dem Packen. Dann widmete ich mich noch einmal den hartnäckigen Flecken in der Duschtasse. Bewaffnet mit meinem Schmutzradierer ging ich ans Werk. Und siehe da: Das Ding ist wirklich Gold wert! Der ganze Schmier war im Nu verschwunden. Hervorragend! Vielen Dank an den Erfinder dieses Wundermittels!
Nicht, dass ihr euch wundert – der Hase war selbstverständlich auch anwesend. Nur eben eher mittendrin statt hilfreich dabei. Zwischen all dem Chaos frühstückte er seelenruhig und bot mir zwar alle paar Minuten seine Hilfe an, die ich aber irgendwie nicht gebrauchen konnte. Solche Packaktionen muss ich einfach allein machen – das hat System. Damit er mir nicht im Weg stand, schickte ich ihn kurzerhand aufs Bett – bewaffnet mit meinem Handy zur Ablenkung.
Gegen 11:00 Uhr war so ziemlich alles in die Koffer verpackt und das Wohnmobil halbwegs sauber. Den Rest wollte ich später am Abend oder notfalls morgen früh erledigen.
Unsere verbleibenden Getränkedosen – und ja, wir haben es tatsächlich nicht geschafft, alle auszutrinken; unmöglich bei der Menge – sowie ein paar andere Sachen wie Tee, Alufolie, Erbsen & Möhren und ähnlichen Kleinkram verschenkten wir an unseren netten Campingnachbarn. Der freute sich riesig über die kleine Überraschung. Nur den Grill wollte er leider nicht – dafür war in seinem Auto kein Platz mehr. Also fuhren wir das gute Stück erstmal weiter spazieren.
Dann machten wir uns entlang der Küste auf den Weg zum Albertsons-Supermarkt, wo ich noch ein, zwei letzte Mitbringsel besorgen wollte.
Als wir dann in Malibu auf der Straße direkt am Strand entlangfuhren, ploppte plötzlich auf beiden Handys gleichzeitig eine Warnmeldung auf: Flash Flood Warning! Wir waren kurz erschrocken – ausgerechnet jetzt, wo wir eigentlich links in die Berge abbiegen wollten. Nach einem schnellen Blick auf die Karte stellten wir aber erleichtert fest, dass der betroffene Bereich weiter Richtung Los Angeles lag. Trotzdem fuhren wir vorsichtig und mit Bedacht weiter, immer mit einem halben Auge auf die Hänge zu beiden Seiten gerichtet.
Am Straßenrand lagen bereits einige große Steine und Geröll, die der Regen nachts aus den Felsen gespült hatte, dazu seenartige Pfützen. Jedenfalls war uns klar: Hier sollten wir heute besser nicht mehr zu lange trödeln.
Sicher kamen wir beim Albertsons an und erledigten noch schnell die letzten Einkäufe – ein paar Mitbringsel, etwas Proviant für den letzten Abend und Kleinigkeiten, die uns unterwegs eingefallen waren. Der letzte Einkauf… *schnief*
Anschließend steuerten wir direkt unseren letzten Campingplatz an. Um 13:00 Uhr rollten wir auf den Platz – ein bisschen wehmütig, aber auch erleichtert, dass alles so gut geklappt hatte.
Am Platz angekommen, war gerade Mittagspause, also warteten wir ganz entspannt eine Viertelstunde im Wohnmobil. Dann kam – man glaubt es kaum – tatsächlich das erste Mal überhaupt in unserer gesamten Campinggeschichte ein Einweiser vorbei! Er zeigte uns freundlich den Weg zu unserem Stellplatz und lotste uns millimetergenau hinein.
Gut, wir konnten es verstehen: Der gesamte Platz war recht eng, und die Stellflächen boten nicht viel Spielraum. Dennoch hätten wir es locker auch alleine geschafft. Aber wer weiß schon, wie viele ungeübte Camper hier in der Vergangenheit schon ihre Stoßstangen in fremde Fahrzeuge gerammt haben.
Letztendlich standen wir um 13:30 Uhr und gönnten uns beide erst einmal eine wohlverdiente Dusche und ein kleines Mittagessen.
Als sich dann um kurz vor 15:00 Uhr endlich wieder die Sonne zeigte, machten wir uns auf, bestellten einen Uber und ließen uns direkt hinunter nach Venice Beach bringen. Dort am Strand entlangzulaufen, gemütlich durch die kleinen Läden zu bummeln und einfach noch einmal die Sonne auf der Haut zu spüren, war grandios.
Natürlich shoppten wir auch das ein oder andere Kleidungsstück – hüstel – was eigentlich überhaupt nicht nötig war, aber egal.
Ein bisschen erschrocken waren wir über den Abflusskanal, an dem wir vorbeikamen. Der war diesmal richtig gut gefüllt, und so wie die Umgebung aussah, war er sogar über die Ufer getreten. Da muss es in den Bergen ordentlich geregnet haben – deutlich mehr, als wir das unten an der Küste auf unserem Campingplatz überhaupt mitbekommen hatten. Na ja, die Sturzflut-Warnung war ja nicht umsonst gewesen!
Wir schlenderten gemütlich den Strand entlang bis zum Santa Monica Pier, über den wir natürlich auch einmal spazierten. Schön, wenn man schon mal vor Ort war und alles entspannt angehen kann. *smile*
Bei Pier Burger ließen wir uns einen richtig guten Burger schmecken – unbedingt probieren, der war köstlich!
Wir bummelten durch die paar Geschäfte, die es dort gab, und genossen am Ende des Piers den wunderschönen Sonnenuntergang. Es war dieses ganz besondere Licht, das alles in warmes Gold tauchte und uns perfekt in Sicherheit wiegte. Denn kaum war die Sonne hinter dem Horizont verschwunden – zack –, fiel die Temperatur gefühlt um zwanzig Grad. Eben noch Sommer, jetzt Polarnacht. Unglaublich!
Damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet – vor zwei Stunden war es in der Sonne so herrlich warm gewesen, dass wir fast geschwitzt hatten. Jetzt jedenfalls war ich heilfroh, dass ich mir vorher noch einen Pulli gekauft hatte. Den zog ich direkt über, und auch die Heizweste wurde angeworfen.
Tom hatte nur ein dünnes Longsleeve dabei und überlegte kurz, ob er sich nicht doch noch einen Pulli zulegen sollte. Doch die Idee erledigte sich schnell, denn der Laden war inzwischen dicht – sehr zu seinem Missfallen. Mit entsprechend missmutiger Miene stapfte er die Straße hinauf, während wir oben schließlich einen Uber bestellten und uns zu einem Barbecue-Restaurant bringen ließen.
Das Essen entschädigte dann voll und ganz für das verpatzte Einkaufserlebnis meines Hasen, und wir schlemmten uns quer durch die Karte.
Mit gut gefüllten Bäuchen ging es danach zurück zum Campingplatz. Dort wuselte ich noch ein wenig herum, sortierte ein paar Sachen und schließlich fielen wir gegen 22:30 Uhr hundemüde ins Bett.
Kilometer: 73
Wetter: Regen, später Sonne-Wolken-Mix, 14°C – 20°C
Campingplatz: Hollywood RV Park (90 $; 80 €)
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