12.10.
Nach einem wundervollen Abend gestern und einer richtig erholsamen Nacht ließen wir es an diesem Morgen ganz gemütlich angehen. Kein Wind, keine Hektik – nur Sonne, Vogelgezwitscher, ein paar geschäftige Eichhörnchen und ganz leise Musik vom Nachbarplatz. Es war einfach traumhaft. Wir saßen lange auf der Bank, genossen unseren Kaffee und blickten über den halbleeren See, der in der Morgensonne glitzerte. So ruhig, so friedlich – man hätte ewig sitzen bleiben können. Irgendwie wollten wir gar nicht losfahren.
Aber heute stand der Kings Canyon auf dem Plan, und den wollten wir uns unbedingt noch anschauen – zumal das Wetter traumhaft werden sollte. Praktisch war, dass wir direkt starten konnten; Dumpen fiel auf jeden Fall aus!
Also rollten wir gegen 09:00 Uhr vom Platz und machten uns auf den Weg. Jeder eine Dose Kaltgetränk am Start…
Wir fuhren rund um Fresno durch unglaublich viele Obstplantagen rechts und links der Straße. Die Region gehört zu den landwirtschaftlich reichsten Gegenden der gesamten USA. Angebaut wird hier wirklich alles, was Sonne und Wasser liebt: Mandeln, Pistazien, Weintrauben, Pfirsiche, Nektarinen und Pflaumen – so weit das Auge reicht.
Im Kings Canyon National Park angekommen, hielten wir zuerst am Fallen Monarch, diesem riesigen umgestürzten Baumstamm, durch den man sogar hindurchlaufen kann. Der Monarch fiel vor Jahrhunderten um und ist so gut erhalten, weil das Holz der Riesenmammutbäume kaum verrottet – es enthält natürliche Öle, die Insekten und Pilze fernhalten. Früher diente der hohle Stamm sogar kurzzeitig als Unterkunft für Kavalleristen und später als Stall.
Weiter gingen wir zum General Grant Tree – auch bekannt als der Nation’s Christmas Tree. Der mächtige Riesenmammutbaum ist nach dem US-General und späteren Präsidenten Ulysses S. Grant benannt und gilt als zweitgrößter Baum der Erde, direkt nach dem General Sherman Tree im Sequoia Nationalpark. Er ist etwa 1.650 Jahre alt, rund 82 Meter hoch und misst an der Basis über 10 Meter im Durchmesser – ein echtes Naturdenkmal mitten im Grant Grove.
Trotz der vielen Menschen um uns herum – es war Sonntag und dementsprechend gut besucht – standen wir fast andächtig vor diesem Riesen. Irgendwie hatte der General Grant Tree etwas Ehrfurchtgebietendes an sich. Still ragte er in den Himmel, und wir fragten uns, was er wohl schon alles erlebt hat.
Im Kings Canyon hielten wir an mehreren Aussichtspunkten und Wasserfällen – überall boten sich neue Perspektiven auf die tief eingeschnittenen Felsen, den rauschenden Fluss und die mächtigen Wälder.
Ganz am Ende des Canyons machten wir natürlich auch Halt am Muir Rock. Der große, flache Felsen liegt direkt am Flussufer und ist nach dem berühmten Naturforscher John Muir benannt, der hier einst Besucher mit seinen Naturvorträgen begeisterte. Heute ist der Fels ein beliebter Platz, um am Wasser zu sitzen, den Geräuschen des Flusses zu lauschen und einfach kurz durchzuatmen. Und genau das taten wir!
Auf dem Rückweg legten wir noch einen kurzen Stopp an einer alten Tankstelle aus dem Jahr 1928 ein. Die alten Zapfsäulen stehen noch da wie vor fast hundert Jahren – ein kleines Stück Geschichte mitten im Nirgendwo. Dort gibt es heute einen kleinen Eisstand, an dem wir uns eine Abkühlung gönnen wollten. Der Verkäufer war allerdings eher wortkarg und ziemlich mürrisch – das sind wir aus Amerika ja gar nicht gewohnt. Trotzdem: Das Eis war lecker, auch wenn die Kugel stolze 6 Dollar kostete.
Und dann war die Zeit gekommen für unseren letzten Nationalpark dieser großen Reise – den Sequoia Nationalpark. *schnief*
Eigentlich hatten wir ja gestern überlegt, den Besuch für das nächste Mal aufzuheben, aber irgendwie wollten wir uns den ältesten und größten Baum der Welt dann doch nicht entgehen lassen. Also beschlossen wir kurzerhand, den Sequoia heute doch noch wenigstens zu streifen – auch wenn der Tag schon gut gefüllt und die Zeit knapp war…
Der Weg zum General Sherman Tree führte uns noch einmal mitten hinein in diese eindrucksvolle Welt der Mammutbäume.
Und dann standen wir vor ihm – dem größten Baum der Welt, gemessen am Volumen! Krass!
Rund 83 Meter hoch, am Fuß über 11 Meter im Durchmesser und schätzungsweise 2.200 bis 2.700 Jahre alt – dieser Baum sprengt einfach jedes Maß. Zwischen all den Menschen, die staunend um ihn herumstanden, fühlte man sich winzig klein. Die Sonne stand schon tief und tauchte den Wald in ein warmes, goldenes Licht.
In diesem wunderschönen Abendlicht verließen wir um 18:00 Uhr den Sequoia-Nationalpark. Wir hoffen sehr, dass wir ihn irgendwann noch einmal ganz in Ruhe und ausgiebiger besuchen können – ohne Zeitdruck und vielleicht auch mit ein paar Wanderungen durch die beeindruckenden Wälder. Für heute aber machten wir uns zügig auf den Weg zu unserem Campingplatz.
Aber ein kurzer Stopp für den Sonnenuntergang musste natürlich noch sein! Wow – wie schön war bitte dieses Licht?
Ein würdiger Abschluss für unsere Tour durch die großen Nationalparks – und ein Moment, der uns sicher noch lange im Gedächtnis bleibt.
Für den Besuch am General Sherman Tree hatte ich bereits meine Heizweste angezogen – und sie vorsorglich auch gleich eingeschaltet. Ich Frostbeule! *lach*
Jetzt, im Camper auf dem Weg zum Campingplatz, schwöre ich: Es fühlte sich an wie eine eingebaute Sitzheizung. Das war richtig cool – also eigentlich… richtig hot.
Nach gefühlt 1.598 Kurven im Dunkeln kamen wir endlich um 19:40 Uhr am Campingplatz an. Dort war natürlich längst niemand mehr, also nahmen wir einfach unseren bereit hängenden Zettel entgegen und suchten unseren Platz. Es war – wie bereits erwähnt – stockdunkel, und so fuhren wir erst mal schön dran vorbei und landeten irgendwo im Nirgendwo vor einem „Road Closed“-Schild. Na super. Also alles wieder zurück.
Als wir dann endlich unseren – immerhin relativ schönen – Platz gefunden hatten, richteten wir uns schnell ein, und Tom warf draußen, bei nur noch knapp unter 10 °C, den Grill an. Dass die Heizung laufen würde, war euch klar, oder? Nur merkten wir diesmal, dass, wenn die Heizung lief und der Camper gleichzeitig am Strom hing, die Klimaanlage plötzlich aufdrehte, munter brummte und irgendwelche Geräusche von sich gab. Ziemlich nervig. Also zogen wir kurzerhand den Strom wieder raus und ließen alles über die Batterie laufen – das klappte hervorragend.
Mit einer zusätzlichen Fleecedecke und natürlich meiner Wärmflasche verkroch ich mich ins Bett. Selbst Tom war schon geneigt, seinen langen Schlafanzug anzuziehen – fand ihn aber nicht, denn den hatte ich nämlich schon vor ein paar Tagen in den Koffer geräumt. Ups…
Kilometer: 364
Wetter: Sonne, 9 °C – 20 °C
Campingplatz: Sequoia Resort & RV Park (50 $; 44 €)
Full Hookup