05.10.
In der Nacht hatten wir richtig gut geschlafen und genossen am Morgen unseren Kaffee draußen vor dem Camper. Dank des quasi eigenen Felsens direkt an unserem Platz lag alles noch komplett im Schatten – was bei etwa 15 °C zwar nicht zwingend nötig war, im Sommer aber sicher ein riesiger Vorteil ist. Wir können Platz Nr. 19 auf jeden Fall absolut empfehlen!
Nach der Ver- und Entsorgung erreichten wir bereits um 08:30 Uhr unseren ersten Stopp des Tages – die Petroglyphen, die sich praktischerweise direkt neben unserem Campingplatz befanden.
Die Petroglyphen im Valley of Fire sind über 4.000 Jahre alt. Diese uralten Felsritzungen stammen von den Ureinwohnern, die einst in dieser Region lebten. Auch wenn heute niemand mehr genau weiß, welche Bedeutung die einzelnen Symbole haben, spürt man beim Betrachten, dass sie Geschichten und Gedanken aus einer längst vergangenen Zeit erzählen.
Wir standen eine ganze Weile davor und versuchten zu erraten, was die eingeritzten Spiralen, Linien und Tierfiguren wohl bedeuten könnten. Es ist wirklich faszinierend, dass diese Kunstwerke Wind, Sonne und Regen über Jahrtausende überdauert haben.
Wir fuhren anschließend die kleine Scenic Loop Road, die im weitesten Sinne einmal um unseren Campingplatz herumführt und mitten durch die wunderschöne Felsenlandschaft des Valley of Fire State Parks verläuft – perfekt für eine gemütliche Erkundungsrunde am Vormittag.
Unterwegs hielten wir an mehreren markanten Felsformationen, unter anderem am Piano Rock, der seinem Namen alle Ehre macht.
Ab dort wurde die Straße allerdings zur Schotterpiste. Eigentlich hätten wir die gar nicht fahren dürfen… psst!… aber es waren nur noch knapp zwei Kilometer bis zurück zur asphaltierten Straße. Also fuhren wir ganz vorsichtig weiter, immer schön im Schneckentempo und es ging alles gut.
Die Scenic Loop Road ist insgesamt zwar kurz, aber sie lohnt sich: eindrucksvolle Felsen, kleine Bögen und eine Landschaft, die in der Sonne fast zu glühen scheint – ein herrlicher kleiner Abstecher direkt vor der Camper-Tür.
Eine kleine Wanderung stand auch noch auf dem Programm – die zum Fire Canyon Overlook. Der Name klang nach einem spektakulären Aussichtspunkt, und so stapften wir motiviert los. Der Weg führte uns zunächst über weichen, tiefen Sand, was schon nach wenigen Minuten ganz schön anstrengend wurde. Die mittlerweile hoch stehende Sonne tat ihr Übriges und ließ uns ordentlich schwitzen.
Unterwegs entdeckten wir unzählige Tierspuren im Sand – winzige Pfotenabdrücke, schmale Schlangenlinien und kleine Krater, vermutlich von Insekten oder Echsen. Und tatsächlich: Ein paar flinke Eidechsen huschten immer wieder über den Weg oder sonnten sich auf den warmen Steinen. Ansonsten war die Landschaft still und menschenleer.
Oben am Aussichtspunkt angekommen, waren wir allerdings etwas enttäuscht. Der Blick war nett, aber nicht wirklich spektakulär – vor allem, wenn man bedenkt, wie viel Sand wir dafür in den Schuhen gesammelt hatten. Fazit: einmal gesehen, aber kein Muss.
Um kurz vor 12:00 Uhr verließen wir den Valley of Fire State Park. Er hat uns wirklich gut gefallen, aber nach all den Highlights der letzten Tage war natürlich klar, dass uns so schnell nichts mehr vom Hocker hauen würde. Am besten hat uns tatsächlich der Seven Wonders Trail gefallen – diese Kombination aus roten Felsen, Sand und engen Schluchten war einfach richtig schön.
Über die North Shore Road machten wir uns anschließend auf den Weg in Richtung Hoover-Staudamm. Die Strecke zog sich ganz schön, und die Landschaft war eher karg und unspektakulär. Links und rechts der Straße reihten sich trockene Hügelketten und rötlich-beige Felsen aneinander; dazwischen blitzte ab und zu das tiefblaue Wasser des Lake Mead hervor – ein schöner Farbkontrast in der glühenden Mittagssonne. Nur ein paar vereinzelte Joshua Trees und ausgetrocknete Flussbetten sorgten für ein bisschen Abwechslung. Je näher wir dem Hoover Dam kamen, desto mehr nahm der Verkehr zu und plötzlich war sie wieder da: die Zivilisation.
Bevor wir uns dem Hoover-Staudamm überhaupt nähern konnten, gab es erst einmal eine Kontrolle. Mit dem Wohnmobil mussten wir an einem kleinen Häuschen anhalten, das ein bisschen an eine Grenzstation erinnerte. Ein Officer winkte uns heran, Tom musste alle Klappen öffnen, und der Beamte warf sogar einen kurzen Blick ins Innere des Campers. Alles in Ordnung – also durften wir weiterfahren.
Kurz darauf erreichten wir den großen Parkplatz unterhalb der imposanten Mike O’Callaghan–Pat Tillman Memorial Bridge. Diese Brücke wurde 2010 eröffnet und überspannt den Black Canyon über dem Colorado River – ganze 579 Meter lang und rund 270 Meter hoch. Sie entlastet den Verkehr, der früher direkt über den Damm rollte, und bietet heute einen fantastischen Aussichtspunkt auf den Hoover Dam selbst.
Dass es auf diesem Parkplatz nur eine begrenzte Anzahl an Wohnmobil-Stellplätzen gibt, wusste ich bereits vorher aus dem Internet. Dementsprechend nervös war ich mal wieder, ob wir auch wirklich einen ergattern würden. Aber wir hatten richtig Glück: Als wir gerade auf den Parkplatz einbogen, stand dort ein Police Officer, der einem Mann mit seinem liegen gebliebenen Pkw half. Und so traute sich tatsächlich niemand, auf den ausgewiesenen RV-Plätzen zu stehen. Wir hatten also freie Auswahl und konnten uns ganz entspannt einen der drei Plätze aussuchen – herrlich!
Kaum hatte der Officer den Parkplatz verlassen, rollten auch schon wieder die ersten Pkw auf die RV-Plätze. Timing ist eben alles.
Vom Parkplatz aus spazierten wir über die Mike O’Callaghan–Pat Tillman Memorial Bridge, die uns einen beeindruckenden Blick auf den Hoover-Staudamm bescherte. Von hier oben sieht man erst, wie gigantisch dieses Bauwerk wirklich ist – ein Stück Ingenieurskunst mitten in der Felswüste zwischen Nevada und Arizona.
Der Hoover-Staudamm wurde zwischen 1931 und 1936 erbaut, ist 221 Meter hoch, 379 Meter lang und besteht aus über 3 Millionen Kubikmetern Beton. Er versorgt bis heute große Teile von Nevada, Arizona und Kalifornien mit Strom und Wasser. Besonders spannend fanden wir den Blick auf den Lake Mead: Seit dem Jahr 2000 ist der Pegel um rund 45 Meter gesunken, was man an den hellen, kalkweißen Felsrändern gut erkennen kann. In besonders trockenen Jahren lag der Wasserstand zeitweise nur noch bei etwa 317 Metern über dem Meer, während er früher über 370 Meter erreichte.
In den letzten Jahren hat sich der See zwar etwas erholt, doch der Unterschied bleibt deutlich sichtbar.
Rund um den Aussichtspfad gab es jede Menge Infotafeln, die wirklich spannend gestaltet waren. Wir blieben natürlich immer wieder stehen und lasen uns fest – so viele Superlative auf einmal! Der Hoover-Staudamm war seinerzeit der höchste Damm der Welt, und der Lake Mead ist bis heute der größte Stausee der USA. Auch die Memorial Bridge kann da locker mithalten: Sie gilt als die höchste Betonbogenbrücke der Welt und hat mit ihren 323 Metern Spannweite immerhin den zehntlängsten Betonbogen weltweit.
Auch über die beiden Namensgeber erfuhren wir einiges: Mike O’Callaghan war Gouverneur von Nevada, und Pat Tillman ein Profi-Footballspieler, der nach den Anschlägen vom 11. September 2001 freiwillig zur Armee ging und 2004 in Afghanistan fiel.
Und dann war da noch diese hübsch formulierte Tafel mit dem Titel „Breaking the Bottleneck“: Früher rollten täglich bis zu 16.000 Fahrzeuge direkt über den Damm, was regelmäßig zu stundenlangen Staus führte. Erst durch die neue Brücke wurde die Strecke entlastet und auch die Luftqualität rund um den Damm verbesserte sich dadurch spürbar.
Von der Brücke aus konnten wir sehen, wie tatsächlich Wohnmobile über den Hoover-Staudamm fuhren. Ich war völlig überrascht – ich war nämlich fest davon ausgegangen, dass das gar nicht erlaubt ist. Umso größer war die Freude, als wir merkten, dass es anscheinend doch möglich war. Also nichts wie los! Vom Parkplatz aus fuhren wir direkt hinunter und rollten in Schrittgeschwindigkeit über den Damm. Ein richtig cooles Erlebnis – einmal mitten über dieses weltberühmte Bauwerk zu fahren, das man sonst nur aus Dokus oder Spielfilmen kennt!
Auf der anderen Seite parkten wir noch einmal und spazierten anschließend zu Fuß über den Damm zurück. Zu Fuß wirkte alles noch imposanter: die gewaltige Betonwand, der Blick in die Tiefe, das dunkelblaue Wasser und die unglaubliche Hitze, die zwischen den Felsen stand.
Fast ein wenig traurig schauten wir auf das große Überlaufbecken, das völlig leer und nutzlos dalag. Zum Überlaufen wird es wohl noch eine ganze Weile dauern – falls es überhaupt jemals wieder so weit kommt.
Wir blieben eine ganze Weile dort, machten Fotos, staunten und waren einfach nur begeistert, dass wir dieses Erlebnis so spontan noch mitnehmen konnten.
Um 15:00 Uhr machten wir uns auf den Weg Richtung Las Vegas. Kurz hinter Boulder City fuhren wir an unzähligen Solarparks vorbei – eine surreale Landschaft aus glänzenden Spiegeln und Solarpanels, soweit das Auge reichte. Hier in der Wüste von Nevada scheint die Sonne ja praktisch das ganze Jahr, und genau das wird genutzt: Die riesigen Anlagen gehören zu den größten des Landes.
Eine Stunde später erreichten wir das Oasis RV Resort, ein riesiges Campingplatzparadies mitten in Las Vegas. Schon bei der Einfahrt staunten wir nicht schlecht: Palmen, perfekt gepflegte Stellplätze, ein großzügiger Poolbereich und das alles nur ein paar Minuten vom berühmten Strip entfernt. Wir bekamen den wirklich schönen Platz Nr. 306 zugewiesen, direkt mit einem schattenspendenden Baum und nur ein paar Schritte vom Pool entfernt – besser hätte es kaum sein können.
Nachdem wir uns häuslich eingerichtet hatten – Markise raus, Strom angeschlossen, Klimaanlage an –, bestellten wir uns ein Uber, das uns zum berühmten „Welcome to Fabulous Las Vegas“-Schild brachte. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen! Das Schild steht am südlichen Ende des Las Vegas Boulevards und begrüßt seit 1959 alle, die aus Richtung Kalifornien in die Stadt der Lichter fahren.
Vor Ort war ganz schön was los. Eine kleine Menschenschlange hatte sich gebildet, und wir warteten geduldig fast eine Stunde, schwitzten ein bisschen in der Nachmittagssonne und machten schließlich unser obligatorisches Foto – natürlich mit breitem Grinsen. Vegas, Baby!
Anschließend bestellten wir den nächsten Uber und ließen uns ins Las Vegas South Premium Outlets fahren – Shoppingtime! Tom brauchte nämlich dringend neue Schuhe. Seine alten Turnschuhe hatten schon bessere Tage gesehen; die Sohle war so dünn, dass er wahrscheinlich sogar eine Ameise hätte fühlen können, die drunter durchläuft.
Bei Skechers wurde mein Hase schließlich fündig – drei Paar bequeme Sneaker, die hoffentlich etwas länger halten als die alten, durchgelatschten Exemplare. Ich wurde danach bei Vans und Converse schwach, denn irgendwie braucht man ja immer mal ein Paar Turnschuhe… oder zwei. Tom übrigens auch – der konnte dort ebenfalls nicht widerstehen. Und so standen wir am Ende, mit sage und schreibe sieben Paar Schuhen, bepackt vor dem Outlet und warteten zufrieden auf unseren Uber.
Carrie, unsere Uber-Fahrerin, war supernett und gab uns unterwegs noch ein paar Tipps zur Stadt – unter anderem, wo wir abends unbedingt hin sollten und was wir lieber tagsüber machen sollten.
Zurück am Camper luden wir erst mal unsere ganzen Einkaufstüten ab, sortierten unsere neuen Schuhe und machten uns ein bisschen frisch. Dann bestellten wir erneut ein Uber (diesmal leider nicht Carrie, schade!) und ließen uns gegen 20:00 Uhr zur Fremont Street bringen – der legendären Straße im alten Downtown Las Vegas, dort, wo alles begann.
Bevor der Strip mit seinen gigantischen Themenhotels zum Zentrum des Glitzers wurde, war hier das pulsierende Herz der Stadt. Schon 1905 entstanden rund um die Fremont Street die ersten Casinos, Bars und Hotels, und 1925 fuhr hier das erste Auto der Stadt. 1931, als Glücksspiel in Nevada legal wurde, explodierte das Viertel förmlich vor Leben.
Schon als wir dort ausstiegen, war klar – hier steppt der Bär! Heute ist die Fremont Street eine Art Freilicht-Showbühne. Über uns spannte sich das 450 Meter lange LED-Dach der sogenannten Viva Vision, auf dem ständig Lichter in wildesten Farben flackerten. Dazu dröhnten von mehreren Livebühnen Rocksongs – unter anderem von Michael Jackson oder The Killers.
Zu jeder vollen Stunde war die nächste Show auf dem LED-Dach angekündigt – bei uns um 21:00 Uhr: Shakira! Die Menge blieb stehen, die Köpfe nach oben gerichtet, die Handys gezückt – so geil!
Nach der Show spazierten wir weiter, vorbei am Heart Attack Grill, wo die Bedienungen als Krankenschwestern verkleidet sind und Kalorien offenbar keine Rolle spielen, und natürlich an unzähligen Souvenirläden. Irgendwo dudelte Elvis, ein älterer Herr verkleidet als Cowboy der Village People tanzte begeistert dazu, und wir grinsten nur – typisch Vegas.
Zwischen Straßenkünstlern, Musikern, fliegenden Zipline-Fahrern, verkleideten Superhelden und leicht bekleideten Cowgirls wuselte eine bunte Mischung aus Touristen, Junggesellenabschieden und Partypeople durcheinander. Wir ließen uns einfach treiben, beobachteten das Spektakel und waren total geflasht von dieser Atmosphäre aus Kirmes, Musikfestival und Irrenhaus.
Die alten Casinos – Golden Nugget, Binion’s und Four Queens – verströmten noch immer diesen leicht abgegriffenen, charmanten Retro-Glamour vergangener Vegas-Tage. Dazwischen spielten Livebands, Cheerleader tanzten auf den Theken, halbnackte Chippendales wollten die Mädels zu Fotos animieren, und völlig überdrehte Touristen kreischten dazwischen.
Wir schlenderten langsam durch die Menge, gönnten uns einen Drink und genossen das wilde Treiben. Bei der 322 Pizza Bar hockten wir uns hin und ließen uns ein Stück Pizza schmecken – kurze Verschnaufpause!
Bei Rum-Cola und Bier tanzten wir danach weiter durch die Straße, kauften noch etwas im Souvenirshop und besuchten auch das Golden Nugget. Die Teppiche und die Deko erinnerten an die alte Zeit, und an den Automaten ließen wir ein bisschen Kleingeld.
Irgendwann nach 00:00 Uhr beschlossen wir, dass unsere Sinne genug Reizüberflutung für einen Abend abbekommen hatten, und nahmen ein Taxi – mein Handyakku war leer und somit kein Uber rufbar. Zurück im Camper, noch leicht im Ohr das „Viva Las Vegas“ eines Straßenmusikers, waren wir uns einig: Die Fremont Street ist schrill, laut und völlig überdreht – und genau deswegen absolut sehenswert. We love it!
Kilometer: 171
Wetter: Sonne, 29 °C
Campingplatz: Oasis Las Vegas RV Resort (90 $; 79 € die Nacht; 158 € insgesamt für 2 Nächte)
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