USA 2025 Tag 19

04.10.

Eigentlich hatten wir vor, wieder um 07:00 Uhr aufzustehen und den Trail zu den Emerald Pools zu laufen. Aber irgendwie war ich noch müde, hab den Wecker kurzerhand wieder ausgemacht und so trödelten wir viel zu lange herum.

Am Ende war es dann schon zu spät, um auf dem Wohnmobilparkplatz noch einen Platz zu ergattern, denn auf dem Campingplatz konnten wir nicht weiter stehen bleiben, da wir bis 11:00 Uhr den Platz verlassen mussten.

Da es Samstag war, hätte uns das eigentlich klar sein müssen: Freie Parkplätze um 09:00 Uhr? Fehlanzeige! Wirklich alles war restlos voll, und die Leute standen schon wieder kreuz und quer – völlig chaotisch. Auf dem extra ausgewiesenen Wohnmobilparkplatz parkten dann auch noch jede Menge PKWs. Ehrlich, sowas bringt mich echt auf die Palme! Die sollten alle ein Ticket kriegen – das ist doch genau so, als würde man auf einem Behindertenparkplatz stehen. Kann man nicht einfach da parken, wo man auch stehen darf? Ach, egal. Keine Lust, mich aufzuregen!

So „müssen“ wir den Zion-Nationalpark dann wohl noch einmal besuchen – blöd! *lach*

Da wir an diesem Vormittag nun ungeplant etwas Luft hatten, beschlossen wir spontan, die kleine Ghost Town Grafton zu besuchen, nur ein paar Meilen vom Zion-Nationalpark entfernt. Wir lieben solche Orte, an denen die Zeit stillzustehen scheint.

Grafton wurde 1862 von Mormonen am Virgin River gegründet, die hier Baumwolle anbauen wollten. Doch Stürme, Überschwemmungen und der harte Boden machten den Siedlern das Leben schwer. Nach mehreren schlechten Ernten gaben sie schließlich auf und Grafton wurde zur Geisterstadt.

Heute stehen noch einige restaurierte Gebäude: das alte Schulhaus mit Kirche, die Russell-Farm, das Wood-Haus und der kleine Friedhof, auf dem wir die Grabsteine der damaligen Siedlerfamilien lesen konnten.

Gerade der Grafton Cemetery erzählt traurige Geschichten. Besonders schlimm war das Jahr 1866 – in nur wenigen Monaten starben zahlreiche Bewohner: Kinder, Jugendliche, Mütter und Väter, viele an Diphtherie, Scharlach oder Unfällen. Einige verloren auch bei Auseinandersetzungen mit Navajo-Indianern ihr Leben. Beim Anblick der alten Grabsteine wurde uns einmal mehr bewusst, wie hart und gefährlich das Leben damals in dieser Wüstenregion gewesen sein muss.

Mit dem Blick auf die rot-weißen Felsen des Zion Canyons im Hintergrund wirkt Grafton fast wie eine Filmkulisse. Kein Wunder, dass hier tatsächlich mehrere Western gedreht wurden – unter anderem Szenen aus „Butch Cassidy and the Sundance Kid“.

Ein kleiner, stiller Ort mit großer Geschichte – und definitiv ein Abstecher, der sich lohnt, wenn man ein bisschen „Geisterstadt-Romantik“ sucht.

Um kurz vor 12:00 Uhr machten wir uns dann auf die Weiterfahrt nach St. George, um dort mal wieder ein bisschen einzukaufen. *freu*

Irgendwie schmeckte mir mein Kaffee heute Morgen nicht so richtig. Also machten wir uns auf die Suche nach einer richtig guten Kaffeebude. Fündig wurden wir – wie so oft eher zufällig – in der River Rock Roasting Company in La Verkin, einem kleinen Ort direkt bei Hurricane.

Schon beim Betreten des Cafés stieg uns dieser herrliche Duft von frisch gebrühtem Kaffee, Zimt, Vanille und warmem Gebäck in die Nase. Ich war sofort im Himmel. Und als ich auf der Karte den Pumpkin Spice Latte entdeckte… Yiiiipiiieeehh!
Die Theke war eine einzige Verführung: Neben einem Pumpkin-Muffin und einem Banana-Bread-Muffin grinste uns eine gigantische Zimtschnecke an – und natürlich konnten wir da nicht widerstehen.

Als Krönung bestellten wir noch den Cinnamon Swirl Bread Pudding, serviert mit hausgemachter Caramel-Maple-Soße und frischer Schlagsahne. Leute, ehrlich: Das Teil kam direkt aus der Hölle! So sündhaft lecker, dass ich beim Schreiben schon wieder sabbere.

Wenn ihr irgendwo in der Nähe des Zion Nationalparks, Hurricane oder La Verkin unterwegs seid – haltet dort unbedingt an! Der Laden ist nicht nur eine Augenweide mit Blick über den Virgin River, sondern auch ein Paradies für alle, die Zimt, Kaffee und süßes Gebäck lieben.

In St. George angekommen, steuerten wir direkt unseren fast-Lieblingssupermarkt an: Albertsons. Der Safeway ist zwar meistens ein kleines bisschen günstiger, aber weit und breit war keiner in Sicht – also blieb es beim altbewährten Albertsons.

Kaum ausgestiegen, fiel mir ein Laden ins Auge, der direkt neben dem Supermarkt lag: Spirit Halloween! Ich liebe Halloween und wie praktisch, dass wir in diesem Jahr auch noch zu einer Motto-Party eingeladen waren. Also nix wie rein! Schon nach den ersten Metern im Laden war klar: Ich bin im Paradies! Die Auswahl war gigantisch, die Preise wirklich zivil und manche Kostüme einfach nur zum Schießen. *gröhl*

Es gab nicht nur horrormäßige Outfits, sondern auch die absolut skurrilsten Verkleidungen überhaupt – von Eiern mit Speck über Bob Ross bis hin zu einem kompletten Bierpong-Kostüm. Wir haben uns kaum eingekriegt vor Lachen – wer bitte denkt sich sowas aus?
Zwischendrin blitzten immer wieder Klassiker auf: Hexen, Skelette, Kürbisse und jede Menge blinkender Gruselkrams. Aber diese Food- und Party-Kostüme waren einfach der Knaller! Natürlich verließen wir den Laden nicht mit leeren Händen – Überraschung!

Nachdem wir im Albertsons dann noch unseren Einkauf erledigt und das Wohnmobil wieder ordentlich aufgefüllt hatten, ging’s weiter zur Tankstelle. Schließlich lohnt sich das Tanken hier in Utah, denn der Sprit ist deutlich günstiger als in Nevada – und erst recht im sündhaft teuren Kalifornien, wo die Gallone über einen Dollar mehr kostet.

Kaum hatten wir die Stadt hinter uns gelassen, überquerten wir die Grenze nach Arizona und freuten uns über eine Stunde Zeitgewinn.

Der Highway I-15 führte uns dabei mitten durch die beeindruckende Virgin River Gorge – ein spektakuläres Stück Gebirgslandschaft zwischen St. George (Utah) und Littlefield (Arizona). Die enge Schlucht schneidet sich tief in die Mojave-Wüste hinein, und die Straße windet sich mit unzähligen Kurven zwischen steilen, rötlich-gelb-braunen Felswänden hindurch. Der Virgin River selbst hat diese Schlucht über Jahrtausende in das Gestein gefräst – eine echte Meisterleistung der Natur.

Es war total cool, wie sich der Highway plötzlich in diese dramatische Bergkulisse hineinbohrt und gleich dahinter wieder ins flache Land übergeht. Verrückt, dieses Land! Von Gebirge zu Wüste in wenigen Minuten.

Nur gute 50 Kilometer verbrachten wir in Arizona, bevor wir die Grenze nach Nevada überquerten und kaum waren wir drüben, tauchte rechts schon das erste riesige Casino auf. Typisch Nevada! Glücksspiel ist hier nämlich völlig legal und gehört quasi zur Kultur. In kaum einem anderen Bundesstaat darf man so frei zocken wie hier – egal ob im Hotel, an der Tankstelle oder am Flughafen. In Utah oder Hawaii dagegen ist Glücksspiel komplett verboten, und in vielen anderen Staaten gibt es nur Lotterien oder wenige, streng kontrollierte Tribal Casinos.

Am Valley of Fire State Park angekommen, wollten wir natürlich auch dort ein Erinnerungsfoto am Eingangsschild schießen. Das Pärchen, das wir fragten, machte auch bereitwillig ein Foto von uns – leider ein absolutes Desaster. Wie kann man nur so unfassbar schlecht ein Foto machen? Ich kann es einfach nicht verstehen! Wie wenig Gehirnzellen muss man haben, dass man es nicht schafft, das Schild wenigstens halbwegs mittig ins Bild zu packen?

Ich gebe mir immer so viel Mühe, wenn ich Fotos für andere mache und selbst? Naja… ohne Worte. Also beschlossen wir, am nächsten Tag einfach noch einmal an dem Schild anzuhalten und es besser zu machen. Nachtrag: Wir haben es beim Selfie belassen!

Nachdem wir die Eintrittsgebühr von 9 Dollar bezahlt hatten, machten wir uns direkt auf den Weg zum Parkplatz des Seven Wonders Loop.

Die Runde ist rund drei Kilometer lang, führt über welliges, rötlich-weißes Gestein und verbindet einige der schönsten Punkte des Parks – darunter The Fire Wave, Pink Canyon und Crazy Hill. Der Trail wird meist im Uhrzeigersinn gelaufen, und obwohl er teilweise durch tiefen Sand führt, ist er gut machbar – vor allem am späten Nachmittag, wenn die Sonne die Felsen in goldenes Licht taucht.

Um 16:40 Uhr spazierten wir los. Tom hatte zwar wenig Lust, aber stapfte – wie immer bereitwillig – hinter mir her.

Dank der Uhrzeit war es nicht mehr so heiß, und die Sonne zauberte ein wundervolles Licht auf die Fire Wave. Der Kontrast zwischen den orange-roten und cremefarbenen Gesteinsschichten war einfach magisch.

Das Beste: Den Rest des Weges hatten wir – bis auf drei andere Personen – komplett für uns allein. Die Sonne stand schon tief und schien so nicht mehr direkt auf die Felsen, aber die Farben kamen trotzdem noch richtig gut heraus.

Gegen 18:00 Uhr waren wir wieder am Parkplatz zurück – glücklich über diesen stillen, goldenen Abend im Park.

Anschließend machten wir uns direkt auf den Weg zum Campingplatz, wo wir unsere wunderschöne Site Nr. 19 bezogen. Dort entzündeten wir das Lagerfeuer, warfen den Grill an und genossen einfach diesen lauen, warmen Herbstabend – mit funkelndem Sternenhimmel, leise knisterndem Feuer und absoluter Ruhe ringsum… bis auf einen Generator. *augenroll*

Als ich mich dann am Feuer mit den Armen auf meinen Oberschenkeln abstützen wollte, merkte ich erst, was für einen Muskelkater ich dort hatte. Vom vielen Natur-Treppensteigen waren meine Muskeln etwas defekt. *gg*

Als der fast Vollmond hinter unserem Felsen aufging, merkten wir erst, wie hell er war – wir brauchten keine Lampe. Krass!

Kilometer: 253
Wetter: Sonne, 28 °C
Campingplatz: Atlatl Rock Campground (30 $, 28 €)
Kein Strom, aber Wasser und Dumpstation


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