29.09.
Bereits um 08:00 Uhr saßen wir hinter der Windschutzscheibe und machten uns auf den Weg zum Parkplatz – dem Startpunkt der Wanderung zum Delicate Arch. Toms Freude hielt sich dabei in Grenzen; er hatte in der vergangenen Nacht wieder sehr schlecht geschlafen.
Um 08:30 Uhr schnappte er sich den Rucksack, prall gefüllt mit Getränken und Snacks und natürlich seine Wanderstöcke. Ich übernahm das Wichtigste: die Fotokamera und mein Handy. Gemeinsam spazierten wir los. Der Weg ging ganz schön steil bergauf, und wir kamen ordentlich ins Schwitzen – trotz frischer 14 Grad Außentemperatur.
Nach einer Dreiviertelstunde hatten wir die 2,6 Kilometer geschafft und standen endlich vor der berühmten Delicate Arch.
Die Delicate Arch ist das wohl bekannteste Wahrzeichen des Arches-Nationalparks und sogar auf den Autokennzeichen von Utah verewigt. Sie ragt rund 16 Meter in die Höhe und gilt damit als die größte freistehende natürliche Steinbrücke des Parks. Entstanden ist sie über Millionen von Jahren durch Erosion – Wind, Wasser und Frost haben das weiche Gestein langsam abgetragen, bis die heutige markante Form übrig blieb. Kein Wunder also, dass die Arch für viele Besucher das Highlight schlechthin ist – fast schon ein Nationalsymbol.
Was mir richtig gut gefiel: Trotz der vielen Besucher herrschte eine entspannte und respektvolle Stimmung. Alle warteten geduldig in einer kleinen Schlange, damit wirklich jeder die Chance auf ein Foto ohne fremde Leute im Bild bekam – das fanden wir richtig klasse. Nachdem auch wir unsere kleine Fotosession erledigt hatten, machten wir es uns gemütlich und legten eine Pause ein. Dabei hatten wir beste Unterhaltung, denn es war köstlich anzusehen, wie andere Besucher die verrücktesten Posen im Steinbogen ausprobierten.
Nach gut einer Stunde machten wir uns schließlich wieder auf den Rückweg – bergab natürlich deutlich entspannter und weniger schweißtreibend als der Aufstieg zuvor.
Kurz bevor wir den Parkplatz erreichten, hielten wir noch am Petroglyph Panel an. In den Felsen sind dort beeindruckende Zeichnungen der Ute-Indianer zu sehen – Reiter auf Pferden, Schafe und weitere Motive. Sie stammen vermutlich aus der Zeit nach 1600, als die Ute begonnen hatten, Pferde in ihre Kultur zu integrieren.
Direkt danach schauten wir uns die Wolfe Ranch an. John Wesley Wolfe und sein Sohn Fred hatten sich hier 1898 niedergelassen und trotz der kargen Bedingungen eine kleine Ranch mit über 1.000 Rindern sowie einem Garten betrieben. Die Familie lebte dort bis 1910; dann zogen John und Fred schließlich zurück nach Ohio, während Johns Tochter Flora mit ihrer Familie noch bis 1971 in der Umgebung blieb. Kaum vorstellbar, wie hart das Leben an diesem abgeschiedenen Ort gewesen sein muss.
Als wir nach insgesamt drei Stunden wieder am Camper ankamen, freuten wir uns riesig über eine eiskalte Cola – der Kühlschrank funktionierte mittlerweile dank meiner Wechselflaschentechnik ganz gut. Mindestens vier Wasserflaschen liegen immer im Eisfach. Sind sie durchgefroren, wandern sie in den Kühlschrank, und die noch flüssigen kommen dafür zurück ins Eisfach, bis auch sie wieder gefroren sind. Ein kleines Kreislaufsystem, das erstaunlich gut klappt.
Kurz hielten wir anschließend am Upper Delicate Arch Viewpoint.
Und weiter ging es durch den wunderschönen Arches-Nationalpark.
Als Nächstes erreichten wir den Balanced Rock und spazierten einmal komplett um den hohen, markanten Felsen herum. Er ist eine der eindrucksvollsten Formationen entlang der Parkstraße. Der Balanced Rock ragt insgesamt etwa 39 Meter in den Himmel – der obere, scheinbar „balancierende“ Teil allein misst 16,8 Meter.
Anders, als der Name suggeriert, balanciert der obere Block natürlich nicht wirklich, sondern ruht auf einem Sockel aus weicherem Gestein, während die obere Schicht aus hartem Entrada-Sandstein besteht. Mit der Zeit wird dieser Sockel immer weiter abgetragen – irgendwann wird der obere Teil also vermutlich zu Boden stürzen.
Auf dem Weg zum Devils Garden hielten wir noch kurz an der Sand Arch. Der kleine, halb versteckte Bogen liegt gut geschützt zwischen hohen Felsen und ist nur über einen schmalen Sandpfad erreichbar.
Um 14:15 Uhr starteten wir noch eine Wanderung – die Runde durch den Devils Garden, die gleich mehrere sehenswerte Arches bereithält. Eigentlich führt der Trail als Rundweg durch das Gebiet, aber wir entschieden uns, nur bis zur Double O Arch zu laufen und dann denselben Weg zurückzugehen.
Voller Tatendrang stapften wir los. Die Sonne brannte gnadenlos vom Himmel, doch wir waren gut vorbereitet und hatten ausreichend Proviant und Wasser im Rucksack.
Die ersten beiden Arches ließen nicht lange auf sich warten – sie lagen nur wenige hundert Meter vom Parkplatz entfernt. Zuerst sahen wir den Tunnel Arch, der sich wie ein Loch durch eine massive Sandsteinrippe gebohrt hat. Mit knapp sieben Metern Spannweite ist er zwar nicht besonders groß, aber für den Auftakt ganz nett.
Ein Stückchen weiter zweigte dann ein kurzer Pfad zum Pine Tree Arch ab. Der Bogen macht seinem Namen alle Ehre, denn direkt unter ihm wächst tatsächlich eine kleine Kiefer. Mit einer Spannweite von rund 45 Metern ist der Pine Tree Arch erstaunlich groß – viel größer, als er auf den ersten Blick wirkt. Wir standen eine Weile darunter und ließen den Blick durch das natürliche „Fenster“ schweifen.
Als Nächstes erreichten wir die Landscape Arch und die war echt beeindruckend. Schon von weitem wirkte sie wie eine schmale Linie am Horizont, die sich elegant über den Sandstein spannte.
Zum Glück stand die Sonne mittlerweile so, dass wir sie direkt hinter der Arch hatten. Dadurch entstand ein wunderbares Lichtspiel, und wir konnten richtig tolle Bilder machen – fast so, als würde der Bogen selbst leuchten.
Mit ihren rund 88 Metern Spannweite gehört die Landscape Arch zu den längsten natürlichen Steinbögen der Welt – sie ist die fünftlängste. An der dünnsten Stelle wirkt sie fast zerbrechlich, gerade einmal knapp zwei Meter stark. Kein Wunder, dass der Bereich unterhalb inzwischen gesperrt ist, nachdem in den 1990er-Jahren schon größere Brocken herabgestürzt waren.
Nach der Landscape Arch begann sich der Weg merklich zu verändern: Der Pfad führte uns über einen schmalen Sandsteinrücken, zwischen Felsenrippen hindurch. Der Anstieg war nicht extrem steil, aber deutlich spürbar – ein stetiges Klettern über glatte Gesteinsflächen und kleinere Kraxelpassagen. Hin und wieder musste man sich auf den Felsen abstützen.
Nach dieser Passage wollte Tom eigentlich nicht mehr weitergehen. Für ihn stand fest: „Das war jetzt mein letzter Anstieg, ich warte hier auf dich.“ Ich hingegen hatte mir fest vorgenommen, noch bis zur Double O Arch zu laufen. Also verabschiedeten wir uns kurz, und ich stapfte allein weiter.
Zunächst führte der Weg noch ein ganzes Stück geradeaus, doch dann kam ein wirklich spannender Abschnitt: Über einen glattgeschliffenen, rötlichen Felsen, der wie ein schmaler Laufsteg wirkte, ging es weiter – rechts und links fiel der Fels ab, und vor mir breitete sich die weite Landschaft in voller Pracht aus. Ich fand es so schade, dass Tom diesen Teil des Weges nicht sehen konnte.
Also machte ich ein paar Bilder, knipste noch schnell ein Selfie und sprach ein Pärchen an, ob sie wohl ein Foto von mir machen könnten. Kaum hatte ich mich dafür in Pose gestellt, drehte ich mich um – und traute meinen Augen kaum: Keine fünf Meter hinter mir stand mein Hase! Er hatte sich ganz heimlich, still und leise doch auf den Weg gemacht. Meine Freude darüber war riesig, und so konnten wir diesen besonderen Moment mit einem schönen Foto zusammen festhalten.
Die Aussicht war einfach gigantisch – dieser Mix aus schmalem Grat, weitem Blick und der Überraschung, dass Tom doch noch mitgekommen war, machte diesen Abschnitt für uns zu einem der schönsten Erlebnisse auf der gesamten Wanderung.
Danach war für Tom aber wirklich Schluss. Er setzte sich gemütlich auf einen Felsen, wollte einfach dort bleiben und die Landschaft genießen und ich machte mich auf die letzten 900 Meter bis zur Double O Arch.
Unterwegs kam ich noch an der Black Arch vorbei. Ehrlich gesagt: Ich fand sie total uninteressant. Gefühlt kilometerweit weg und kein Wow-Moment – die kann man sich durchaus sparen, dachte ich mir und lief schnell weiter.
Ein paar Minuten später erreichte ich schließlich die Double O Arch, rund zwei Stunden nachdem wir vom Parkplatz gestartet waren – natürlich inklusive all unserer Trink- und Fotopausen.
Nachdem ich ein paar Fotos gemacht hatte, machte ich mich wieder auf den Weg zu meinem Hasen.
Gemeinsam traten wir dann den Rückweg zum Parkplatz an – und der war deutlich angenehmer, weil es größtenteils bergab ging.
Um 17:45 Uhr erreichten wir endlich wieder unseren Camper und waren heilfroh, die Wanderschuhe ausziehen zu können – was für eine Wohltat nach diesem langen, heißen Tag! Am Campingplatz angekommen, kauften wir noch drei Bündel Feuerholz und bezogen anschließend erneut unsere Site Nummer 16.
Nach über 30.000 Schritten auf der Uhr hatten wir uns unser Abendessen wirklich redlich verdient. Es schmeckte gleich doppelt so gut, weil wir so geschafft waren. Und als Krönung gab es noch einen richtig guten Cheesecake zum Nachtisch. Wobei ich sagen muss, dass der von der Cheesecake Factory einfach am besten schmeckt!
Satt und rundum zufrieden saßen wir später am knisternden Feuer, ließen die Flammen tanzen und genossen diesen wundervollen Abend.
Kilometer: 37
Schritte: 31.149 (22,4 km)
Wetter: Sonne, 14 °C – 28 °C