USA 2025 Tag 13

28.09.

In der letzten Nacht hatten wir beide endlich mal richtig gut geschlafen und ließen den Morgen ganz entspannt angehen. Erst kurz vor 09:30 Uhr starteten wir Richtung Canyonlands. Der Himmel zeigte sich zwar eher grau als blau, aber das konnte unsere Vorfreude nicht trüben – wir hofften einfach, dass uns größere Regenschauer oder gar Gewitter verschonen würden.

Unterwegs hielten wir an ein paar Aussichtspunkten entlang der Straße.

Und steuerten dann als Erstes den Dead Horse Point State Park an. Schon beim Aussteigen blieb uns der Mund offen stehen: Vor uns lag ein atemberaubendes Panorama, in dem sich der Colorado River rund 600 Meter tiefer durch die rote Canyonlandschaft schlängelte. Die Felsen leuchteten in allen möglichen Rot- und Brauntönen, und man fühlte sich ein bisschen wie in einer Filmkulisse – was gar nicht so weit hergeholt ist, denn hier wurden tatsächlich Szenen aus „Thelma & Louise“ gedreht.

Wir standen eine ganze Weile einfach nur da, genossen den Ausblick und machten unzählige Fotos. Der State Park war ein richtig beeindruckender Auftakt und ein großartiger Vorgeschmack auf das, was uns an diesem Tag noch erwarten würde.

Der nächste Halt war am Shafer Canyon Overlook. Von hier oben bot sich uns ein fantastischer Blick auf die Shafer Trail Road, die sich in unzähligen Serpentinen wie ein Band die Felswände hinunterschlängelte. Unten wirkten die Autos winzig, fast wie kleine Spielzeugkarren. Wir überlegten kurz, wie es wohl wäre, dort selbst entlangzufahren – mit unserem Camper allerdings eher ein Abenteuer der Kategorie Mission Impossible. Aber allein das Zuschauen machte schon Laune – und der Ausblick über den Canyon war einfach grandios.

Dann folgte für uns der absolute Höhepunkt des Tages: der Green River Overlook. Was für ein fantastischer Blick! Wir standen einfach nur da und mussten erstmal tief durchatmen – so gewaltig, so endlos, dass einem fast schwindelig wurde. Von hier oben, auf etwa 1.800 Metern Höhe, blickten wir über eine weite, flache Ebene auf die tief eingeschnittenen Schluchten, die der Green River über Millionen von Jahren ins Colorado-Plateau gefräst hat. Rund 300 Meter tiefer fließt der Fluss durch eine beeindruckende Landschaft, die aussieht, als hätte sich die Erde selbst aufgeschlagen, um ihre uralten Schichten zu zeigen.

Besonders spannend war die Stimmung am Himmel: Von links und rechts zogen Gewitterwolken auf, und wir konnten den Regen schon ewig vorher am Horizont herunterfallen sehen – lange bevor er einen überhaupt erreichen konnte. Dieses Schauspiel machte die Szenerie noch dramatischer und spektakulärer.

Über 40 Minuten saßen wir einfach nur auf den Felsen, starrten in die Weite, staunten und verfolgten gebannt, wie sich die dunklen Wolken immer näher schoben. Zum Glück hatte Petrus ein Einsehen – der Regen zog knapp an uns vorbei, und wir konnten trocken und rechtzeitig weiterfahren.

Als vorletzten Stopp des Tages erreichten wir schließlich am Ende der Sackgasse den Grand View Overlook. Auch der Blick hier war wirklich atemberaubend. Von rund 1.830 Metern Höhe schaut man über endlose Schluchten, Felsplateaus und bizarre Formationen, die sich wie ein riesiges Puzzle des Colorado-Plateaus vor einem ausbreiten. Über Millionen von Jahren haben Wind und Wasser hier Schicht für Schicht aus dem Gestein gemeißelt, sodass man am Grand View quasi eine geologische Zeitreise vor sich liegen sieht. Trotzdem muss ich zugeben: Der Green River Overlook hat uns mehr beeindruckt – was aber sicher auch an den aufziehenden Gewittern und dieser ganz besonderen Stimmung dort lag.

Danach fuhren wir zurück zum Buck Canyon Overlook, wo wir erst einmal eine verspätete Mittagspause einlegten. Wobei Tom meinte, das sei inzwischen wohl eher schon Kaffeezeit. Egal – wir genossen den Moment und hatten damit den perfekten Abschluss für diesen großartigen Canyonlands-Tag.

Bevor uns die große Gewitterwolke erreichte, düsten wir dann lieber mal schnell weiter.

Nach einem kurzen Stopp am Shafer Trail Viewpoint verließen wir gegen 16:30 Uhr wieder den Nationalpark bzw. die Sackgassenstraße und fuhren zurück nach Moab.

Eigentlich wollten wir nur kurz tanken, ein paar Sachen einkaufen und dann direkt zum Campingplatz fahren. Der Plan war, gegen 17:30 Uhr dort einzutreffen. Also erst einmal schnell zur Tanke und in den Supermarkt – wobei „schnell“ bei mir wie immer relativ ist. Ich packte natürlich wieder viel zu viele Sachen in den Wagen, stand ewig an der Kasse und vertrödelte damit schon ordentlich Zeit. Als die Tüteneinpackerin unsere vielen Lachsburger sah, meinte sie: „Oh, mögt ihr Lachs?“ *lach*

Zurück am Camper und bereits auf dem Weg zum Campingplatz wollte ich unbedingt noch schnell meinen Status hochladen. Da es im Nationalpark vermutlich keinerlei Netz gab, wollte ich das vorher erledigen – also fuhren wir kurzerhand noch einmal zurück in die Stadt, bis der Upload endlich durch war. Aaaah!!! Tom nennt mich ja nicht umsonst seine Chaos-Queen.
Danach stand dann aber wirklich nur noch die Fahrt zum Campingplatz auf dem Programm – eigentlich… Denn unterwegs tauchten gefühlt 300 Aussichtspunkte auf, an denen ich unbedingt noch anhalten musste.

Jeder einzelne war irgendwie superschön – und so zog sich unsere Fahrt immer weiter in die Länge. Am Ende erreichten wir den Campingplatz dann nicht wie geplant um 17:30 Uhr, sondern erst gegen 19:00 Uhr.
Dort angekommen, machte Hase mal wieder ein schönes Feuerchen für uns, und gemütlich ließen wir den Tag ausklingen.

Kilometer: 216
Wetter: Sonne-Wolken-Mix, 20 °C
Campingplatz: Devils Garden Campground (25 $; 24 € die Nacht; 48 € insgesamt für 2 Nächte)
Kein Strom, kein Wasser und keine Dumpstation


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