20.09.
In der letzten Nacht hatten wir eigentlich ganz gut geschlafen. Und auch an dem Morgen klappte alles schon ein bisschen besser und eingespielter. Während Tom draußen frühstückte, prüfte ich noch einmal den Kühlschrank – beziehungsweise eher das Eisfach. Ich hatte gestern Abend viele Wasserflaschen hineingelegt, und mittlerweile waren sie zu etwa 80 % gefroren. Eis, Fisch und Bratwurst waren steinhart – immerhin. Nur der Kühlschrank machte mir immer noch etwas Sorgen. Vielleicht hatte ich ihn am Vortag einfach mit zu vielen warmen Sachen zu vollgestopft. Unsere ganzen Getränkedosen waren zwar leicht kühl, aber auch nicht so, wie man es sich nach einem heißen Tag erträumt.
Aber wir mussten irgendwie das Beste daraus machen. Sorgen bereiteten mir halt einfach die Tage – beziehungsweise Nächte –, an denen wir keinen Strom hatten. Und davon standen uns jetzt gleich zwei bevor. *seufz*
Um 09:45 Uhr hatten wir soweit alles gerichtet und starteten endlich in den Tag. Das war mir zwar eigentlich schon fast zu spät – am liebsten bin ich ja immer schon um 09:00 Uhr unterwegs –, aber immerhin besser als gestern. Hauptsache, wir kamen jetzt mal in die Puschen.
Wir waren ehrlich gesagt ganz froh, aus der Stadt rauszukommen. Irgendwie packt uns L.A. nicht so richtig. Klar, es ist interessant und es gibt viele schöne Ecken (z. B. Venice Beach), aber dieses besondere Feeling, das wir zum Beispiel in San Francisco vor zwei Jahren sofort gespürt haben, stellt sich hier einfach nicht ein.
Über den Highway düsten wir also Richtung Westen, und erfreulicherweise wurden die Häuser rechts und links mit jedem Kilometer weniger.
Unser erster Stopp war dann ein Dollar Tree. Dort kauften wir noch ein bisschen Kleinkram: eine Schüssel für die Spüle, eine Tischdecke, zwei Plastikboxen für mehr Ordnung im Kühlschrank, ein Feuerzeug, eine Handyhalterung und natürlich Haken. Es fehlen immer Haken! Ich hatte zwar schon vorausschauend vier Stück von Deutschland aus mitgenommen, aber die waren längst alle vergeben. Irgendwie hat man immer noch ein Handtuch, eine Tüte oder sonst was, das irgendwo hängen muss.
Die Spülschüssel hat sich bei uns übrigens schon oft bewährt – nicht zum Spülen, sondern um all die Sachen hineinzupacken, die trocken bleiben sollen: Seife, Kleinkram, Gedöns. Der Clou: Man kann die Schüssel einfach in die nasse Spüle stellen und trotzdem bleibt alles schön trocken. Und im Campingurlaub ist es sowieso Gold wert, wenn man Dinge einfach mal schnell irgendwo hineinschmeißen kann, weil man ja sonst ständig irgendwas wegräumen muss.
Nur eine Viertelstunde entfernt wartete schon die erste Sehenswürdigkeit auf uns: die Cabazon Dinosaurs – zwei gigantische Beton-Ungetüme, die man schon von der Autobahn aus sehen kann. Ursprünglich wurden sie in den 1960er- und 1970er-Jahren von einem findigen Restaurantbesitzer gebaut, um Gäste in seine Wheel Inn-Raststätte zu locken.
Ich weiß allerdings nicht so genau, was Tom mehr fasziniert hat: der riesige rote Brontosaurus oder das große rote Feuerwehrauto, das direkt auf der anderen Straßenseite stand. *lach*
Ob die in dem verlassenen Restaurant wohl gerade eine Übung machten?
Wir fuhren durch Palm Springs und erreichten kurz darauf den Palm Canyon.
Die Außentemperatur lag bei muckeligen 36 °C, und es war 13:00 Uhr – also volle Mittagshitze. Ob das jetzt wirklich die beste Idee für eine Wanderung war? Wir entschieden uns jedenfalls, den Canyon nicht komplett zu durchwandern, ihn uns aber wenigstens anzuschauen.
Leider mussten wir unser Wohnmobil gut einen Kilometer vor dem eigentlichen Canyon abstellen, da ein Felsvorsprung die Weiterfahrt für größere Fahrzeuge unmöglich machte. Also waren wir quasi schon nass geschwitzt, als wir überhaupt am Eingang ankamen.
Der Canyon selbst ist allerdings traumhaft schön und hat uns total beeindruckt. Diese Ruhe! Man hört wirklich nur das Zirpen der Grillen – sonst nichts. Keine Menschenseele weit und breit. Wir spazierten ein wenig umher, und im Schatten ließ es sich sogar einigermaßen gut aushalten.
Der Palm Canyon gehört zu den Indian Canyons und ist bekannt für seine Kalifornischen Fächerpalmen (Washingtonia filifera). Das sind die einzigen echten Palmen, die in Kalifornien heimisch sind. Sie können mehrere hundert Jahre alt werden – manche Exemplare hier sind über 200 Jahre alt – und sie brauchen ständig Wasser, weswegen man sie in dieser grünen Oase mitten in der Wüste findet.
Nach etwas über einer Stunde erreichten wir wieder unser Wohnmobil – mit hochrotem Kopf und natürlich klitschnass geschwitzt. *stöhn*
Unser nächster Halt war der Andreas Canyon. Wir wollten unser Wohnmobil strategisch parken – Kühlschrankseite in den Schatten, klar –, als plötzlich ein Ranger angefahren kam. Er hupte kurz und deutete uns zu einem perfekten Platz weiter hinten im Vollschatten unter den Palmen. Richtig nett!
Dem Ranger zeigten wir dann auch gleich die Fotos von der Schlange, die wir im Palm Canyon gesehen hatten. Erst meinte er, es sei eine Klapperschlange. Aber als wir sagten, dass hinten keine Klapper dran war, schaute er genauer hin und erklärte uns, dass es sich wohl um eine ungiftige Bullsnake handelte?! Außerdem sagte er noch, dass in der Wüste alles beißt oder sticht – außer Schmetterlinge! *ggg*
Gefallen hat uns der Andreas Canyon auch, allerdings fehlte ein bisschen das richtige „Canyon-Gefühl“, da man quasi gerade hineingeht und nicht, wie im Palm Canyon, von oben hineinschaut.
Um 15:00 Uhr machten wir uns dann auf den Weg zurück nach Palm Springs – ein bisschen Shoppen stand noch auf dem Plan.
Die Sonne brannte immer noch erbarmungslos vom Himmel, aber in der Stadt gab es diese wunderbaren Misting Fans, beziehungsweise Mist Sprayers. Auf Deutsch sagt man meist schlicht Wasservernebler oder Sprühnebelanlagen. Aus den Düsen kommt ein feiner Nebel, der in der trockenen Hitze sofort verdunstet und so die Luft angenehm abkühlt. Wenn wir an einem Restaurant mit so einer Anlage vorbeigingen, fühlte sich das jedes Mal wie eine kleine Wellness-Oase mitten in der Wüste an.
Ansonsten haben wir natürlich ein bisschen geshoppt – vorzugsweise, oder besser gesagt: hauptsächlich bei Crazy Shirts. Ich liebe diesen Laden einfach! Die haben so viele coole T-Shirts mit richtig ausgefallenen Designs, dass ich am liebsten den halben Shop leer kaufen würde.
Direkt daneben gönnten wir uns ein total leckeres Eis bei der hawaiianischen Kette Lappert’s Ice Cream – die stammen ursprünglich von Kauaʻi und sind mittlerweile auch auf dem Festland vertreten. Die Sorten sind ein Traum: viel Tropisches und Ungewöhnliches, genau das Richtige bei dieser Hitze.
Und weil es ja fast schon Pflichtprogramm in Palm Springs ist, schauten wir natürlich auch noch bei Marilyn Monroe vorbei – beziehungsweise bei ihrer überlebensgroßen Statue „Forever Marilyn“, die mitten in der Stadt steht.
Nach zwei Stunden Citytime machten wir uns auf den Weg zu unserem Campingplatz im Joshua Tree Nationalpark.
Da die Außentemperatur immer noch auf Höllenniveau lag, testete ich mal wieder das Eis im Eisfach. Eigentlich sollte es ja knüppelhart sein, sodass man sich beim Löffeln fast selbigen abbricht. Stattdessen war es eher halbweich, auf dem besten Weg Richtung Milchshake. Bevor mir mein Eis noch komplett davonschmolz, erbarmte ich mich also und löffelte auf der Fahrt zum Campingplatz einen Becher weg. *lach*
Unser reservierter Platz Nr. 1 war richtig schön gelegen – mit privatem Joshua Tree, Grillstelle und Bank-Tisch-Kombi.
Direkt fing Hase an, den Grill aufzubauen, während ich drinnen das Gemüse brutzelte. So richtig Hunger hatte ich nach dem Eisbecher zwar nicht mehr, aber das Zeug musste ja weg, bevor es uns in dem komischen Kühlschrank noch schlecht wurde.
Die Temperaturen sanken minütlich – auf fast kalte 20 °C – und wir mussten uns tatsächlich einen Pulli überziehen.
Noch eine ganze Weile betrachteten wir den unglaublichen Sternenhimmel, ehe wir zufrieden ins Bett gingen.
Kilometer: 195
Wetter: Sonne, 20 °C – 38 °C
Campingplatz: Ryan Campground (30 $; 28 € die Nacht; 55,19 € insgesamt für 2 Nächte)
Kein Strom, kein Wasser und keine Dumpstation
Dumpen und Wasser aber am Eingang des NP