09.10.
Nach einer guten Nacht starteten wir um 08:30 Uhr Richtung Yosemite-Nationalpark. Bevor wir uns allerdings an die Passstraße wagten, tankten wir noch einmal – für sündhaft teure 5,89 Dollar pro Gallone übrigens! Aber was soll’s, ohne Sprit kein Abenteuer.
Und dann ging es endlich los – hinauf über den Tioga Pass. Schon nach den ersten Kurven wurde klar: Diese Strecke ist nicht einfach irgendein Pass – das ist der höchste befahrbare Pass Kaliforniens! Ganze 3.031 Meter liegt er über dem Meeresspiegel, und das merkt man nicht nur an der Aussicht, sondern auch an den leicht ploppenden Ohren.
Die Straße schlängelt sich durch eine spektakuläre Berglandschaft, vorbei an grauen Granitfelsen, glasklaren Seen und dichten Kiefernwäldern.
Wir waren total begeistert und hielten immer wieder kurz an – einfach, um zu staunen. Dass diese Straße im Winter komplett gesperrt ist, können wir uns gut vorstellen. Bei der Höhe liegt hier oft meterhoch Schnee, und erst im späten Frühling wird der Pass wieder freigegeben. Jetzt, am 9. Oktober, konnten wir aber problemlos hinüberfahren. Das früheste bekannte Schließungsdatum des Tioga Passes war übrigens der 17. Oktober 2004.
Als wir dann auf der anderen Seite den Pass wieder hinunterfuhren und sich das Yosemite-Tal vor uns ausbreitete, waren wir echt beeindruckt. Ein wunderschöner Ort.
Unser erster markierter Punkt auf meiner Karte war der Tunnel View, von dem aus man wunderbar El Capitan und den Half Dome sehen kann.
Der El Capitan ragt stolze 2.307 Meter in die Höhe und gilt als eine der bekanntesten senkrechten Granitwände der Welt. Unzählige Kletterer versuchen sich Jahr für Jahr an dieser gigantischen Felswand, und manche verbringen dabei tatsächlich mehrere Tage in winzigen Hängezelten, die direkt an der Wand befestigt sind – völlig verrückt, aber total faszinierend!
Berühmt wurde El Capitan auch durch Alex Honnolds legendäre Free-Solo-Besteigung im Jahr 2017, bei der er die Route „Freerider“ komplett ohne Seil oder Sicherung meisterte. Diese waghalsige Aktion, die später im preisgekrönten Dokumentarfilm „Free Solo“ festgehalten wurde, gilt bis heute als eine der größten Leistungen in der Geschichte des Kletterns.
Der aktuelle Geschwindigkeitsrekord für die Besteigung der Route The Nose liegt übrigens bei gerade einmal 1 Stunde und 58 Minuten, aufgestellt 2018 ebenfalls von Alex Honnold zusammen mit Tommy Caldwell – normalerweise brauchen andere für dieselbe Route mehrere Tage!
Rechts davon erhebt sich der ebenso berühmte Half Dome, etwa 2.694 Meter hoch, dessen charakteristische, glatt abgeschliffene Form schon von Weitem ins Auge fällt. Kein Wunder, dass er als eines der Wahrzeichen des Yosemite-Nationalparks gilt.
Das Panorama dort war einfach atemberaubend!
Nächster Halt war dann der berühmte Glacier Point. Schon die Fahrt dorthin war mega – die Straße schlängelte sich durch dichte Wälder, und zwischendurch blitzten immer wieder die Berge zwischen den Bäumen hervor.
Doch plötzlich, nach ein paar Kilometern auf der Glacier Point Road, ertönte ein lautes Piepen aus dem Wohnmobil – unser Gaswarnmelder!
Wir schauten uns irritiert an, und Tom fuhr sofort rechts an den Straßenrand, während ich schon nach hinten sprintete. Die Ursache war schnell gefunden: Mein Hase hatte im Bad vergessen, die Flasche mit dem Desinfektionsmittel wegzuräumen. Sie war umgekippt, und der halbe Inhalt hatte sich über den Boden ergossen. Kein Wunder, dass die Alkoholdämpfe Alarm ausgelöst hatten!
Fenster auf, Tür auf, kräftig durchgelüftet – und nach ein paar Minuten war der Spuk vorbei. Zum Glück war es nur der überambitionierte Reiniger und kein echtes Gasleck.
Weiter ging die Fahrt hinauf bis zum Aussichtspunkt Glacier Point, der auf 7.214 Fuß (etwa 2.199 Meter) über dem Meeresspiegel liegt. Damit thront er rund 3.200 Fuß (ca. 975 Meter) über dem Talboden des Yosemite Valley.
Als wir ausstiegen und uns der frische Bergwind entgegenblies, eröffnete sich ein atemberaubender Panoramablick: Unter uns lag das Yosemite Valley, umrahmt von gewaltigen Granitwänden, und direkt gegenüber ragte der ikonische Half Dome empor. Außerdem konnten wir die „Überreste“ der Yosemite Falls erkennen und in der Ferne auch die Vernal Fall und Nevada Fall.
Über eine Stunde lang standen wir einfach nur da, schauten, staunten, fotografierten und kamen aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Der Blick auf das Yosemite Valley war einfach gigantisch.
Wir konnten uns kaum losreißen. Schließlich spazierten wir aber doch zurück zum Wohnmobil und machten uns ein schnelles Mittagessen. Ein bisschen wollten wir noch warten, bis die Sonne den Half Dome komplett ausgeleuchtet hatte.
Als Tom dann den Müll weggebracht hatte und beherzt zur Womo-Tür griff und diese öffnete, schaute er in zwei fremde Augen! Mein Hase stand am falschen Wohnmobil! *gröhl* Der andere Fahrer nahm es mit Humor, und beide Männer lachten sich scheckig.
Als die Sonne dann endlich im perfekten Winkel stand, gingen wir noch einmal zurück zum Aussichtspunkt. Natürlich machten wir noch ein paar letzte Fotos, bevor wir uns gegen 16:00 Uhr schweren Herzens von diesem grandiosen Ort verabschiedeten und die Serpentinenstraße hinunter ins Yosemite Valley fuhren.
Die Sonne schien wunderschön ins Tal und hatte mittlerweile auch die Bridalveil Fall erreicht, die aus rund 188 Metern Höhe in die Tiefe stürzt. Wir hielten spontan auf dem Parkplatz an, und als ich aus dem Camper ausstieg, sah ich sofort einen Regenbogen im Wasserschleier, den die Sonne darauf zauberte. Das sah sooo schön aus!
Wir spazierten noch kurz zur Aussichtsplattform und beobachteten, wie der Wind den Wasserschleier ständig von rechts nach links schob – als würde oben jemand mit einem Wasserschlauch stehen. Das sah total lustig aus.
Anschließend fuhren wir einfach noch eine gemütliche Runde durch das Yosemite Valley. Praktischerweise ist die Straße dort eine Einbahnstraße – man kann also wirklich ganz entspannt einmal im Kreis durch das Tal fahren und dabei ständig neue Perspektiven entdecken. Die Sonne stand inzwischen tief und tauchte die Felsen in ein warmes, goldenes Licht. Besonders schön leuchtete der El Capitan!
Natürlich mussten wir auch dort anhalten und ein paar Fotos machen – das war einfach zu beeindruckend, um vorbeizufahren. Gegen Ende unserer Runde schafften wir es tatsächlich, uns einmal kurz zu verfahren. Ich weiß bis heute nicht, wie das bei einer Einbahnstraße überhaupt möglich ist, aber wir haben’s geschafft. Egal, irgendwann fanden wir den richtigen Weg wieder und machten uns auf den Weg zu unserem Campingplatz. Leider hatte ich im Park selbst keinen Stellplatz mehr bekommen, und so mussten wir für die Nacht außerhalb schlafen.
Unser Campingplatz für die Nacht war der Indian Flat RV Park in El Portal, rund 20 Kilometer außerhalb des Yosemite-Nationalparks. Es war der nächstgelegene Platz außerhalb des Parks und ehrlich gesagt auch unsere einzige verbliebene Option. Schön war er allerdings wirklich nicht.
Die Camper standen dort dicht an dicht, kaum ein Meter Platz dazwischen, und von Privatsphäre konnte man wirklich nicht sprechen. Wir fühlten uns eher wie auf einem überfüllten Parkplatz als auf einem Campingplatz mitten in der Natur. Aber gut – besser so als gar kein Stellplatz.
Den Vogel abgeschossen hat dann allerdings die Zusatzgebühr: Fürs Dumpen mussten wir tatsächlich noch einmal 15 Dollar extra bezahlen! Wir fanden das wirklich eine Frechheit. Da steht man eng wie die Sardinen, zahlt ordentlich Geld, und dann kommt noch so ein Aufschlag obendrauf. Naja, was will man machen – die Alternative wäre gewesen, noch weiter zu fahren, und darauf hatten wir nach dem langen Tag wirklich keine Lust mehr.
Immerhin konnten wir am Abend draußen sitzen und in Ruhe grillen. Mit meiner Wärmflasche krabbelte ich gegen 21:30 Uhr ins Bett, und der Hase folgte nur wenig später.
Kilometer: 240
Wetter: Sonne, 11 °C – 24 °C
Campingplatz: Indian Flat RV Park (62,50 $; 58 € die Nacht; 116 € insgesamt für 2 Nächte)
Full Hookup