08.10.
Ich schlief eigentlich ganz gut, aber Tom war es viel zu warm. Gegen 01:00 Uhr wälzte er sich so unruhig hin und her, dass ich wach wurde. Also schalteten wir die Klimaanlage noch einmal kurz ein, aber an Schlaf war für mich nicht mehr zu denken. Schließlich öffneten wir alle Fenster, sodass wenigstens etwas Wind durchging. Das war dann relativ angenehm, und wir schliefen tatsächlich wieder ein – bis der Wecker um 06:00 Uhr klingelte.
Draußen waren es „kühle“ 19 °C, und wir machten uns für den Tag ready. Als Erstes standen die Dünen auf dem Programm, die ganz in der Nähe lagen. Es handelt sich um die Mesquite Flat Sand Dunes, die ihren Namen von den Mesquite-Bäumen haben, die hier und da zwischen dem Sand wachsen.
Entstanden sind sie, weil der Wind aus den umliegenden Tälern über Jahrtausende hinweg Sand aus den Gesteinsschichten der Berge herübergetragen hat. An dieser Stelle, mitten im Tal, wird der Sand durch die umgebenden Gebirgszüge regelrecht eingefangen – deshalb türmen sich hier diese wunderschönen Wellen aus feinem, hellem Sand auf.
Wir spazierten ein Stück hinein, denn um diese Uhrzeit war es wirklich noch total angenehm. Der Sand war richtig kalt unter den Füßen, was sich herrlich anfühlte, und die Sonne stand noch tief, sodass die Dünen in sanften Goldtönen schimmerten. Es war eine ganz tolle Stimmung – still, weit und friedlich, bevor die Hitze des Tages zurückkehrte.
Anschließend hatte ich eine kleine Wanderung im Mosaic Canyon rausgesucht. Wir fuhren über die Schotterpiste bis zum Parkplatz und starteten einfach mal los.
Unser Campingplatz:
Dass wir nicht den ganzen Trail gehen würden, war von Anfang an klar – das hätten wir zeitlich nicht geschafft. Der Canyon macht seinem Namen alle Ehre: Die engen, glattpolierten Felswände bestehen aus hellem Marmor und glitzerten im Sonnenlicht, während dazwischen bunte, mosaikartige Steinfragmente zu sehen sind. Entstanden ist diese beeindruckende Schlucht durch Wassererosion – bei seltenen Regenfällen rauscht hier das Wasser mit solcher Kraft hindurch, dass die Steine über Jahrtausende glattgeschliffen wurden.
Nach etwa der Hälfte merkten wir deutlich, dass die Temperaturen wieder anzogen.
Als wir um 09:30 Uhr zurück am Auto waren, zeigte das Thermometer bereits 28 °C. So waren wir ehrlich gesagt ganz froh, dass wir weiterfahren konnten, und verließen das Death Valley in westlicher Richtung. Die Straße schraubte sich langsam in die Höhe – immer weiter hinauf, bis auf 4.956 Fuß, also rund 1.511 Meter über dem Meeresspiegel. Ein beachtlicher Unterschied, wenn man bedenkt, dass wir am Morgen noch fast unter dem Meeresspiegel gestanden hatten.
Weiter ging die Fahrt auf dem Highway 190 in Richtung Westen. Die Landschaft wurde zunehmend karger und einsamer – endlose, graubraune Hügel, trockene Flussbetten und zwischendurch immer wieder ein paar verkrüppelte Sträucher, die tapfer gegen Wind und Sonne ankämpften. Links und rechts nichts als Geröll und staubige Hänge, die in der flirrenden Luft fast verschwammen.
Die Straße zog sich schnurgerade dahin, kilometerlang ohne jede Kurve, und es war kaum ein anderes Fahrzeug unterwegs. Wirklich spektakulär war die Strecke nicht… *gähn*
Unser nächster Halt war der Father Crowley Vista Point, ein Aussichtspunkt kurz hinter dem höchsten Punkt der Strecke. Hier oben, auf rund 1.300 Metern Höhe, hat man einen großartigen Blick in den Rainbow Canyon.
Bekannt ist dieser Punkt aus einem ganz besonderen Grund: Der Canyon unterhalb wurde jahrzehntelang von der U.S. Air Force als Trainingsgelände für Tiefflugmanöver genutzt. Mit etwas Glück konnte man hier Jets beobachten, die in atemberaubender Geschwindigkeit durch die enge Schlucht donnerten – so tief, dass man von oben direkt auf sie hinabblicken konnte. Kein Wunder, dass der Ort unter Spottern den Spitznamen „Star Wars Canyon“ bekam.
Heute ist es dort allerdings deutlich ruhiger geworden. Seit einem tragischen Unfall im Jahr 2019, bei dem ein Pilot bei einem Absturz ums Leben kam und mehrere Zuschauer verletzt wurden, wurden die Trainingsflüge über dem Canyon weitgehend eingestellt. Inzwischen werden die Tiefflugübungen in andere Gebiete verlegt – sehr zum Bedauern vieler Fotografen, aber verständlicherweise aus Sicherheitsgründen.
Und weiter ging es!
Weiter ging die lange Fahrt bis zu den Alabama Hills, die sich am Fuß der gewaltigen Sierra Nevada bei Lone Pine befinden.
Schon von weitem sahen wir die markanten, rundgeschliffenen Felsen, die wie wahllos verstreut in der Landschaft liegen – eine bizarre Mischung aus rötlichen Granitblöcken, hellem Sand, kleinen Sträuchern und im Hintergrund die schneebedeckten Gipfel des Mount Whitney (4.421 m), des höchsten Berges der USA außerhalb Alaskas.
Die Gegend ist nicht nur landschaftlich ein Traum, sondern auch ein echtes Stück Filmgeschichte. Hier wurden über 400 Filme und Serien gedreht – angefangen bei alten Western bis hin zu modernen Blockbustern. Besonders bekannt sind Gladiator, Iron Man, Django Unchained, The Lone Ranger, Star Trek V, How the West Was Won, Joe Kidd und Tremors. Wenn man dort steht, versteht man sofort, warum Hollywood diesen Ort liebt: das warme Licht, die runden Felsen und die schroffen, weißen Berge im Hintergrund sind einfach filmreif.
Da Tom von der letzten Nacht noch ziemlich müde war, beschloss ich, alleine den kleinen Arch Loop Trail in den Alabama Hills zu laufen. Tom legte sich derweil im Wohnmobil ein wenig aufs Ohr, und ich machte mich auf den Weg. Der Trail war total einfach zu laufen – ein gemütlicher Rundweg über sandigen Boden.
Unterwegs konnte ich gleich drei wunderschöne Arches entdecken. Der bekannteste ist natürlich der Mobius Arch, durch den man bei klarem Wetter einen perfekten Blick auf den Mount Whitney hat.
Daneben gibt es noch den etwas kleineren Lathe Arch, der sich flach zwischen zwei Felsen spannt, und den Heart Arch, der – wie der Name schon sagt – die Form eines kleinen Herzens hat, wenn man ihn aus dem richtigen Winkel betrachtet.
Ich machte einige Fotos, und vor allem der Blick durch den Mobius Arch auf die Berge war einfach atemberaubend. Dieses Zusammenspiel aus warmem Fels, tiefblauem Himmel und den schroffen Gipfeln dahinter sah aus, als hätte jemand die Landschaft extra für ein Postkartenmotiv arrangiert. Es war eine wirklich schöne Runde und nach etwa einer Stunde war ich zurück am Camper.
Ein Bild von „Miss Alabama“, auch bekannt als Nightmare Rock, musste natürlich auch noch sein. Wir fanden diesen Felsen einfach total witzig – er steht da mitten zwischen all den Granitblöcken und grinst einen regelrecht an.
Na, wie praktisch – genau zur Mittagszeit erreichten wir die kleine Häuseransammlung Independence, und Mittagessen stand auf dem Plan.
Es ging zu Glenn’s Taqueria, einem kleinen Taco-Foodtruck, der an einer alten, ausgedienten Tankstelle steht. Lustigerweise waren wir vor zwei Jahren schon einmal hier, aber da hatte Glenn’s geschlossen, und wir haben stattdessen ein Eis in der Eastern Sierra Ice Cream Company gegessen – einer kleinen Eisdiele, in der das Eis noch selbst gemacht wird und einfach himmlisch schmeckt.
Diesmal war’s genau umgekehrt: Die Eisdiele hatte zu, dafür war Glenn’s Taqueria geöffnet. Wir ließen uns superleckere Quesadillas und köstliche Tacos schmecken. Nur der Burrito war nicht ganz unser Fall – weniger wegen der Zubereitung, sondern schlicht, weil wir diese typische Bohnenfüllung einfach nicht so mögen.
Nach dem Mittagessen ging die Fahrt weiter in Richtung Bishop. Die Landschaft veränderte sich langsam: Links erhoben sich die schroffen Gipfel der Sierra Nevada, rechts dehnten sich weite, helle Ebenen aus, durchzogen von trockenem Buschland und vereinzelten Ranches. Besonders schön war das gelb blühende Gestrüpp, das sich rechts und links der Straße kilometerweit ausbreitete – vermutlich Rabbitbrush, ein typischer Wüstenstrauch, der im Herbst in kräftigem Gelb leuchtet und der sonst so trockenen Landschaft einen warmen, fast goldenen Ton verleiht.
Die Straße zog sich endlos dahin, einsam und ruhig, und es war kaum Verkehr unterwegs – nur dieses leise Summen der Reifen auf dem Asphalt. In Bishop hielten wir beim Vons-Supermarkt an, um ein paar Kleinigkeiten zu besorgen. Tom entdeckte an der Fleischtheke ein paar Rippchen, die er sich für den Abend aussuchte.
Nun mussten wir uns aber sputen, denn wir mussten bis 17:00 Uhr auf dem Campingplatz am Mono Lake eingecheckt haben. Das war vor zwei Jahren genauso – da waren wir nämlich schon einmal hier. Der Platz selbst ist wirklich wunderschön gelegen, mit Blick auf die umliegenden Berge. Genau aus diesem Grund hatte ich ihn auch wieder reserviert.
Allerdings mag ich diesen Zeitdruck am Nachmittag überhaupt nicht. Dieses „Bis 17 Uhr da sein!“ fühlt sich für mich irgendwie immer wie ein Termin an – und Termine am Nachmittag, das ist einfach nix für mich. Ich bin ja sowieso so eine kleine Trödelmaus und habe tierische Probleme mit meinem Zeitmanagement. Irgendwie komme ich immer später los, als ich eigentlich will – egal, wie früh ich anfange, mich fertig zu machen. Aber gut – was tut man nicht alles für einen schönen Stellplatz.
Blöderweise hatte ich mich aber irgendwie verlesen – oder vertan, wie auch immer. Das Büro hatte zwar tatsächlich nur bis 17:00 Uhr geöffnet, aber wir hätten auch später noch ankommen dürfen. Irgendwie war ich da völlig auf dem falschen Dampfer unterwegs. Ich war mir sicher, dass das vor zwei Jahren genauso war. Aber wahrscheinlich waren wir da auch umsonst zu früh dort?! *lach* Keine Ahnung. Egal.
Auf jeden Fall hatten wir uns völlig unnötig beeilt. So hatten wir auf dem Campingplatz plötzlich ungewohnt viel Zeit – was ja eigentlich schön ist, aber irgendwie war uns die Zeit diesmal zu lang. Ein kleines bisschen langweilten wir uns schon.
Um mich zu beschäftigen, packte ich einfach schon mal einen Koffer. Dreckwäsche und Mitbringsel hatten wir ja mittlerweile genug angesammelt, und so war der Koffer ruckzuck gefüllt. Anschließend kümmerte ich mich um meine viel zu lang gewordenen Fingernägel, während Tom seine Rippchen vorbereitete.
Dass die allerdings so lange dauerten und er letztlich erst gegen 20:00 Uhr, beziehungsweise kurz danach, seine fertigen Rippchen essen konnte, war so nicht geplant. Gedanklich schrieb er sich auf seine Nicht-mehr-machen-Liste: Rippchen. Sie waren zwar lecker, hätten aber gut und gerne noch eine Stunde länger auf dem Grill liegen können. Er meinte anschließend, dass es im restlichen Urlaub nur noch „kurz Gebratenes“ geben würde! *gg*
Nach der letzten schlechten Nacht verschwanden wir zeitig ins Bett!
Kilometer: 356
Wetter: Sonne, 15°C – 31°C
Campingplatz: Mono Vista RV Park (54,05 $; 49 €)
Full Hookup