03.06.
Was für eine miserable Nacht! Unter der Decke war es viel zu heiß, doch ohne sie fühlte es sich arschkalt an – in unserer kleinen Kabine herrschten gerade mal 9°C, richtig ungemütlich.
Schon um 5:00 Uhr lag ich hellwach im Bett, konnte einfach nicht mehr einschlafen und starrte die Decke an. Na super, so ein Start in den Tag!
Um 7:00 Uhr startete ich dann meine Morgenrunde, während mein Hase schon fleißig mit der Angel beschäftigt war.
Auch wenn immer mal wieder ein paar Regenschauer runterkamen, war der Weg entlang des Ufers einfach traumhaft. Die frische Luft, das Plätschern des Wassers und die wechselnden Wolken am Himmel machten den Spaziergang zu einem echten Erlebnis – trotz des nassen Wetters.
Zurück am Hausboot freute ich mich riesig über einen heißen Tee – genau das Richtige nach der kühlen, feuchten Morgenrunde. Noch besser: Meine neue Regenjacke hatte den Härtetest bestanden und mich tatsächlich schön trocken gehalten. Da hatte sich der Kauf definitiv gelohnt!
Bis 12:00 Uhr knöselten wir gemütlich vor uns hin – die Männer angelten, wir trödelten an Bord herum und ließen zwischendurch den Motor laufen, um warmes Wasser zum Duschen zu haben. Leider reichte die Zeit wohl nicht ganz aus, denn das Wasser war bestenfalls lauwarm… oder, wie ich es nenne: Pipiloi! Ich glaube, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so schnell geduscht. Unter 40°C läuft bei mir gar nichts – mindestens!
Als wir uns dann endlich auf den Weg machten, war es noch trocken – aber das sollte sich leider schnell ändern. Immer wieder zogen Schauer über uns hinweg und sorgten für nasse Kleidung und beschlagene Brillen.
An der ersten Schleuse trafen wir auf einen sehr freundlichen Schleusenwärter. Er half uns mit den Seilen und lobte Tom sogar ausdrücklich dafür, wie souverän und gerade er das Boot trotz des kräftigen Windes in die Schleuse manövriert hatte. Ausgezeichnet! meinte er – und Tom grinste nur.
Er erzählte uns noch, dass das Hausboot vor uns es nicht ganz so elegant geschafft hatte – es stand wohl fast quer vor der Schleuse und sorgte für ein ziemliches Durcheinander. Wir grinsten noch und dachten uns nichts weiter dabei… nicht ahnend, dass auch wir später noch mit einer kräftigen Windböe zu kämpfen haben würden. Na ja…
Die Fahrt war wieder wunderschön und erinnerte uns stellenweise an ein Stück der Ruhr in Hattingen – ruhiges Wasser, sattes Grün, keine nennenswerten Berge mehr… einfach herrlich idyllisch!
An der zweiten Schleuse hieß es dann erst mal: Warten! Rund eine Stunde standen wir da, denn die Schleuse war geschlossen und der Schleusenwärter wartete geduldig, bis auf der anderen Seite ein Boot auftauchte. Erst dann durften auch wir weiter – typisch schottische Gelassenheit.
Unsere Fahrt führte uns schließlich nach Fort Augustus – und dort wurde es nochmal richtig spannend. Der Wind blies kräftig und wir versuchten, seitlich anzulegen… keine gute Idee, wie sich schnell zeigte. Das Boot stellte sich quer zum Wind und driftete gefährlich nah an die anderen Boote, die bereits am Ponton lagen!
Zum Glück entdeckten wir noch vor der Schleuse einen sicheren Liegeplatz und nutzten diesen sofort. Mein Hase, heute unser Kapitän, meisterte die Situation mit Bravour – wirklich stark bei dem Wetter!
Nach dem nervenaufreibenden Manöver machte ich erst mal einen Spaziergang durch den kleinen Ort, schlenderte durch sämtliche Souvenirläden und besorgte im Spar-Markt Nachschub: Kaffee und Milch – beides war uns nämlich ausgegangen.
Nach dem Abendessen lümmelten wir alle gemütlich auf dem Sofa herum und beobachteten durch das Fenster eine Entenfamilie, die direkt vor unserem Boot vorbeiwatschelte – so süß!
Das Wetter war unbeständig – Regen und Sonne wechselten sich ab. Irgendwann hatte Tom die rettende Idee: Warum nicht einfach direkt vom Fenster aus angeln? So stand er im Trockenen, konnte gemütlich an seinem Gläschen Whisky nippen – und trotzdem seinem liebsten Hobby nachgehen.
Wetter: 11 °C, Sonne-Wolken-Mix mit Schauern