06.09.
Nach einer guten, wenn auch etwas zu kurzen Nacht gingen wir um 08:00 Uhr zum Frühstück runter. Jay und Henry hatten den Tisch für uns vier bereits gedeckt und gemeinsam ließen wir uns das Frühstück schmecken. Dabei plauderten wir über Gott und die Welt, schauten Fotos an und genossen den leichten warmen Wind. Jay „entschuldigte“ sich für die Musik am Vorabend. In ein paar Tagen würde das hinduistische Fest „Ganesh Chaturthi“ gefeiert, und das waren die Proben dafür…
Jay zeigte uns, wie er mit einer selbstgebauten Vorrichtung eine Papaya pflückt und wir durften einen exotischen Rahmapfel, auch Ochsenherz genannt, probieren. Die Frucht ist in den Tropen heimisch und ihr Fruchtfleisch ist cremig und schmeckt wie eine Mischung aus Banane, Mango, Birne und Honigmelone. Seltsam und nicht so recht unser Geschmack.
Die beiden sind so herzlich und Jay meinte: „Ihr seid nicht in einem Hotel, ihr seid bei Freunden.“ Genauso fühlte es sich auch an. Danke!
Erst um 11:20 Uhr fuhren Hase und ich los nach Port Louis. Tom war mit dem Wagen allerdings immer noch nicht so vertraut und betätigte ständig den Scheibenwischer, wenn er eigentlich blinken wollte. Ja ja, immer dieser plötzlich einsetzende Regen! Aua! Hau mich nicht!! *ggg* Hier ein paar Bilder von unterwegs – Mauritius Vibes!
Nach über einer Stunde kamen wir am Parkplatz an der Marina, direkt im Zentrum, an und spazierten los. Unser erster Weg führte uns in das berühmte Blue Penny Museum, um eines der größten Schätze der Philatelie zu sehen: die Blaue Mauritius.
Die kostbare Briefmarke, die 1847 in Mauritius gedruckt wurde, ist weltweit für ihre Seltenheit und ihren hohen Wert bekannt. Nur noch ein paar Exemplare der Blauen und der dazugehörigen Roten Mauritius existieren. Beide wurden damals in kleiner Auflage gedruckt und sollten die Postkarten einer bevorstehenden Ballveranstaltung zieren. Das Besondere: Auf den ersten Auflagen stand der Druckfehler „Post Office“ statt „Post Paid“ – ein Detail, das ihren Sammlerwert in astronomische Höhen getrieben hat.
Das Museum ist klein und zeigt im unteren Geschoss die Geschichte von Mauritius sowie deren koloniale Vergangenheit anhand von alten Karten, Drucken und Gemälden.
Im Obergeschoss angekommen, betraten wir schließlich einen abgedunkelten Raum, der durch mehrere Kameras überwacht wird. Als wir vor den streng gesicherten Glasvitrinen standen, in denen die Blaue und Rote Mauritius präsentiert werden, waren wir schon ziemlich beeindruckt!
Auch wenn wir „nur“ die Nachbildungen sahen, da die beiden echten Briefmarken nur wenige Minuten am Tag beleuchtet werden, um sie vor Lichtschäden zu schützen. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs konnten wir die Originale deshalb lediglich schemenhaft im Dunkeln erahnen. Trotz dieser Einschränkung war es ein besonderes Erlebnis, so nah an diesen symbolträchtigen Marken zu sein, die so viel von der Geschichte und dem kulturellen Erbe der Insel erzählen. Fotos sind übrigens leider verboten.
Wieder draußen knallte die Sonne vom Himmel, aber ein erfrischender Wind wehte uns um die Nase. Perfektes Wetter für einen ausgiebigen Stadtbummel! Gemütlich schlenderten wir durch die bunten Geschäfte und ließen uns im Café Lux einen köstlichen Coconut Divine und einen cremigen Affogato Latte schmecken.
Auf dem lokalen Markt herrschte ein buntes Treiben. Menschenmassen wuselten zwischen den Ständen hin und her, ein fröhliches Gemisch aus Touristen und Einheimischen. Die Luft war erfüllt von einem lebhaften Gemurmel, dem Geschrei der Verkäufer und den vielfältigen Düften der exotischen Waren.
Überall boten die Händler ihre Produkte an: Bunte Früchte, die ich hierzulande noch nie gesehen hatte, farbenfrohes Gemüse, duftende Blumensträuße und natürlich jede Menge lokale Spezialitäten. Besonders die Stände mit Gewürzen zogen uns magisch an. Der süße Duft von Vanille, das erdige Aroma von Kurkuma und der würzige Geruch von Zimt und Nelken verwirrten unsere Sinne auf eine angenehme Weise.
In der kleinen Food-Hall am Ende des Marktes ließen wir uns von der vielfältigen Küche der Insel verführen.
Zuerst probierten wir eine kleine Flasche Alouda. Das ist ein beliebtes erfrischendes Getränk, das aus Milch, Basilikumsamen, Agar-Agar und Sirup zubereitet wird. Es wird oft gekühlt serviert und ist ein fester Bestandteil lokaler Märkte. Köstlich und erfrischend – es ist mittlerweile sogar zum Nationalgetränk der Insel geworden. Uns hat es auch sehr gut geschmeckt. Eine glatte 10/10!
Danach probierten wir das klassische mauritische Streetfood Dholl Puri. Die dünnen Teigfladen, die ursprünglich aus der indischen Küche stammen, ähneln Crepes. Der Teig besteht aus pürierten gelben Linsen, Mehl und Öl und ist mit Kurkuma und Kreuzkümmel gewürzt.
Die fertigen Fladen werden dann mit Linsenpüree, einem würzigen Tomaten-Chutney oder verschiedenen vegetarischen und teilweise scharfen Saucen gefüllt. An beinahe jeder Straßenecke findet man Dholl Puri-Verkaufsstände, ähnlich wie bei uns im Ruhrgebiet die Pommesbuden! *lach*
Der Fladen waren in Ordnung, aber kein absolutes Highlight. Wir würden eine 7/10 vergeben. Trotzdem wollten wir sie irgendwann noch mal an einem anderen Stand probieren.
Als Nächstes gab es Roti Chaud, das sind Fladenbrote, die aus Mehl, Wasser und Öl zubereitet werden. Diese werden mit Rougaille (mauritische Tomatensauce), Masala Gros Pois (Limabohnencurry) und/oder pikanten Saucen und verschiedenen Chutneys gefüllt, zusammengerollt und serviert. Am besten nimmt man alles zusammen! Oh, die waren mal richtig lecker! 9/10!
Zum Abschluss unserer kleinen kulinarischen Reise aßen wir noch einen fluffigen chinesischen Cheesecake, irgendeinen rosa Keks und einen Mondkuchen.
Satt und zufrieden schlenderten wir durch die Straßen von Chinatown und erfreuten uns an den farbenfrohen Murals.
Das prächtige Government House in Port Louis wurde um 1738 während der französischen Kolonialherrschaft erbaut und zählt zu den ältesten erhaltenen Gebäuden der Insel. Ursprünglich als Residenz für Mahé de Labourdonnais gedacht, fungierte es später als Amtssitz für die offiziellen Geschäfte des Gouverneurs und als Veranstaltungsort für Empfänge.
Die Statue von Königin Victoria, die vor dem Gebäude steht, wurde während der britischen Kolonialzeit errichtet.
Heute dient das Gebäude als offizielle Residenz des Präsidenten der Republik Mauritius und ist ein Symbol für die koloniale Vergangenheit des Landes. Leider ist es für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.
Direkt daneben befindet sich der Park „Les Jardins De La Compagnie“, in dem viele mächtige Banyanbäume stehen. Sie sind bekannt für ihre riesigen, weit ausladenden Kronen und die charakteristischen Luftwurzeln, die von den Ästen herabhängen und mit der Zeit zu neuen Stämmen werden. So kann ein einziger Banyanbaum eine Fläche von mehreren Hektar einnehmen und sich wie ein kleines Waldstück anfühlen.
Unter den beeindruckenden Bäumen ließen wir unseren Hauptstadttrip ausklingen und genossen die Ruhe in der sonst lauten und wuseligen Stadt.
Um kurz nach 17:00 Uhr verließen wir Port Louis. Für das Parken mussten wir übrigens 160 MUR (3,12 €) bezahlen – und das für knapp fünf Stunden direkt an der Marina! Ein super Preis!
Unseren letzten Stopp legten wir am kunterbunten Hindutempel „Sockalingum Meenatchee Ammen Kovil“ ein. Er ist einer der wichtigsten religiösen Orte auf der Insel. Schuhe ausziehen und die Knie bedecken sind in der Anlage Pflicht. Da Tom leider eine kurze Hose anhatte, begab ich mich alleine auf eine kurze Entdeckungsreise in die hinduistische Kultur.
Eigentlich hatte ich einen Tisch fürs Abendessen in einer schicken Kolonialvilla reserviert. Der Verkehr rund um Port Louis war allerdings so chaotisch, und die Straßen waren so voll, dass wir unseren Tisch absagen mussten. Großen Hunger hatte ich zum Glück nicht, und Hase besorgte sich einfach noch ein paar Chickenwings bei KFC.
Zurück in unserer Unterkunft machten wir es uns auf dem Balkon gemütlich, tranken etwas und ließen den Tag Revue passieren. Irgendwann begann dann auch leider wieder die Musikgruppe mit ihrer Probe… Glücklicherweise jedoch nicht so lange wie am Vorabend, sodass wir gegen 23:00 Uhr ruhig einschlafen konnten.
Wetter: 27°C, Sonne-Wolken-Mix