USA 2025 Tag 25

10.10.

Was für eine katastrophale Nacht! Der Nachbar hatte die ganze Zeit über seine Heizung laufen, und die war so unfassbar laut. Um 01:38 Uhr meldete sich dann auch noch Toms Zuckeralarm. An Schlaf war da kaum zu denken.
Als uns um 07:00 Uhr schließlich der Handywecker aus dem Bett klingelte, blickten uns zwei müde Gesichter mit dicken, verquollenen Augen im Spiegel entgegen. Eines stand fest: Kaffee! Und zwar in rauen Mengen.

Um 08:40 Uhr machten wir uns schließlich auf den Weg in den Nationalpark. Die rund 20 Kilometer zogen sich allerdings wie Kaugummi – endlos lange Kurven, aber immerhin war die Straße noch schön frei.
Tipp: Versucht unbedingt, im Nationalpark selbst einen Stellplatz zu ergattern – das spart Zeit und Nerven am frühen Morgen.

Da der gestrige, abendliche Fotostopp so schön gewesen war, steuerten wir ihn an diesem Morgen noch einmal an. Die Sonne stand wunderbar auf dem El Capitan, und die Spiegelung im Wasser hätte nicht schöner sein können.

An diesem frühen Morgen fand direkt am Fluss eine kleine Hochzeit statt. Bei nur 9 °C beneidete ich den Fotografen, der mit Sandalen im Wasser stand, nicht wirklich. *zitter*

Tja, und dann war sie wieder da – meine Sorge, keinen Parkplatz für unser großes Schiff zu bekommen. Die RV-Plätze sind im Park nicht allzu zahlreich, und es war Freitag, also fast schon Wochenende.

Zuerst versuchten wir es auf dem Parkplatz im Curry Village – und hatten doch tatsächlich wieder großes Glück: Wir ergatterten den letzten Platz von insgesamt elf ausgewiesenen RV-Stellplätzen.
Noch mal rasch zur Toilette und den Rucksack gepackt, saßen wir um 10:40 Uhr im Shuttlebus, der uns zur Haltestelle „Happy Isles“ brachte.

Keine zwei Minuten später hatte er uns dort abgesetzt – und damit direkt am Startpunkt des Trails zum Vernal Fall. Toms Laune hielt sich natürlich in Grenzen, aber mir zuliebe war er bereit, die Wanderung auf sich zu nehmen. Auch wenn der Weg mit 2,6 Kilometern nicht besonders lang war – die 307 Höhenmeter hatten es durchaus in sich.
Am Anfang des Trails stand ein Schild, das darauf hinwies, dass der Mist Trail von Montag bis Donnerstag geschlossen ist, weil dort Renovierungsarbeiten stattfinden. Die Steine und Treppenstufen werden in dieser Zeit ausgebessert und neu bearbeitet, um den Weg sicherer zu machen. Zum Glück war an diesem Tag Freitag, und damit konnten wir den Trail ganz regulär laufen – ohne Umweg über den John Muir Trail.

Es ging auch direkt ordentlich bergauf, und wir waren schneller aus der Puste, als uns lieb war. Der Weg schlängelte sich auf einem asphaltierten Stück stetig bergauf. Nach kurzer Zeit brannten die Waden, und die Jacken waren längst im Rucksack verschwunden.

Nach etwa 45 Minuten hatten wir die kleine Brücke erreicht, die über den Merced River führt. Von dort aus konnten wir bereits den Vernal Fall sehen.

Ich fand es total klasse, dass es direkt hinter der Brücke eine Trinkwasserstation gab – inklusive des deutlichen Hinweises, dass danach keine weitere Möglichkeit mehr zum Auffüllen besteht.

Nach vielen Fotos, unzähligen Schritten und einigen Begegnungen mit putzmunteren Eichhörnchen erreichten wir schließlich einen Aussichtspunkt mit fantastischem Blick auf den Vernal Fall. Der Wasserfall stürzt hier etwa 97 Meter in die Tiefe!

Nachdem auch dort die obligatorischen Fotos erledigt waren, standen wir vor der großen Frage: Tun wir uns das wirklich noch an? Die restlichen Höhenmeter bis zu den Emerald Pools versprachen noch einmal ordentlich Anstrengung, und meine Motivation kämpfte gerade ziemlich mit meiner Bequemlichkeit. Aber wie so oft siegte am Ende mein Ehrgeiz – nach einer kurzen Pause entschieden wir uns, die verbleibenden Treppenstufen und Serpentinen doch noch in Angriff zu nehmen.

So schleppten wir uns also die restlichen Höhenmeter und zahllosen Steinstufen nach oben. Die Stufen waren teilweise so hoch – ich würde sagen bestimmt 40 Zentimeter –, dass es ordentlich in die Oberschenkel ging. Richtig krass, wie anstrengend das wurde, vor allem, weil die Luft hier oben schon spürbar dünner wirkte.

Nach ziemlich genau zwei Stunden, unzähligen Fotostopps (natürlich nur wegen der Aussicht – keinesfalls wegen der schnellen Herzfrequenz oder der keuchenden Atmung *smile*), erreichten wir schließlich die Kante vom Vernal Fall und die Emerald Pools. Das Gefühl, dort oben zu stehen, den tosenden Wasserfall direkt neben sich und das Tal tief unten zu sehen – das war einfach grandios!

Und ja, ich war auch richtig stolz auf mich. Früher, als ich noch deutlich übergewichtiger war, hätte ich diesen Aufstieg niemals geschafft. Aber nun stand ich da oben – zwar leicht außer Atem, aber glücklich bis in die Zehenspitzen!
Auf den warmen Steinen gönnten wir uns erst einmal eine wohlverdiente Pause. Rund eine halbe Stunde lagen wir in der Sonne, ließen die Seele baumeln, aßen und tranken etwas und genossen einfach diesen Moment. Der Blick auf die Emerald Pools und das stetige Rauschen des Wassers waren die perfekte Belohnung für den anstrengenden Aufstieg – und ehrlich gesagt wollten wir da so schnell gar nicht wieder weg.

Aber ein bisschen Schiss vor dem Abstieg hatten wir trotzdem. So viele Stufen – das ging ordentlich in die Knie! Als wir schließlich aufbrachen, kam ich auf die glorreiche Idee, die Stufen einfach mal zu zählen. Keine besonders clevere Idee, wie sich herausstellte, denn es hörte einfach nicht auf. Unten angekommen – und vorausgesetzt, ich hatte mich nicht verzählt – waren es tatsächlich 651 Stufen!

Wow! Wir waren wirklich gespannt, ob wir am nächsten Tag einen ordentlichen Muskelkater haben würden… (Spoiler: Hatten wir nicht!)

Für den Rückweg brauchten wir dann nur rund 70 Minuten – deutlich schneller als hinauf, kein Wunder! *lach*
Unten angekommen, nahmen wir den Shuttlebus zurück zum Parkplatz, wo unser Camper brav auf uns wartete. Kaum wieder an Bord, starteten wir den Motor und düsten weiter – unser nächstes Ziel: die Yosemite Falls.

Die Yosemite Falls sind mit ihren insgesamt 739 Metern Fallhöhe (Upper 437 m + Middle 206 m + Lower 97 m) die höchsten Wasserfälle Nordamerikas – an diesem Tag erinnerten sie jedoch eher an ein Rinnsal als an ein tosendes Naturspektakel. Die Schneeschmelze war längst vorbei, und so tröpfelte das Wasser nur noch gemütlich die Felsen hinab. Wirklich beeindruckend war das also nicht mehr – aber immerhin konnten wir sagen: Wir waren da!

Bevor wir uns dann auf den Weg zum Campingplatz machten, legten wir noch einen Stopp am El Capitan ein. Wir spazierten über die Wiese und konnten in der steilen Felswand tatsächlich mehrere Kletterer entdecken, die sich – winzig klein aus unserer Perspektive – langsam nach oben arbeiteten. Wahnsinn, was die da machen! Die verbrachten die Nacht wohl tatsächlich in der Wand, in ihren Hängematten. Schon verrückt – ich könnte da oben garantiert kein Auge zumachen.

Einen allerletzten Halt legten wir noch am Valley View ein. Dort tummelten sich allerdings so viele Fotografen mit Stativen, dass ich nur schnell ein Bild machte, bevor wir weiterfuhren.

Aber Moment – ein Stopp ging natürlich noch! Am Nationalpark-Eingangsschild mussten wir selbstverständlich auch diesmal ein Foto schießen – das gehört schließlich schon fast zur Tradition.

Zurück auf unserem wunderschönen Campingplatz (Ironie off!) richteten wir uns rasch ein und aßen im Wohnmobil, da wir uns sonst von unserer Bank aus direkt ans Nachbarwohnmobil hätten anlehnen können. Gegen 21:00 Uhr verschwanden wir todmüde im Bett – ich natürlich wieder mit meiner heißgeliebten Wärmflasche.

Kilometer: 65
Wetter: Sonne, 9°C – 24°C


Tag 24 / Übersicht / Tag 26