03.10.
Die Sonne schien wieder von einem wolkenlosen Himmel, und bestens gelaunt starteten wir in den Tag. Bereits um 08:30 Uhr hatten wir den Camper startklar und verließen den Bryce Canyon National Park. Er hat uns wirklich gut gefallen!
Schon eine halbe Stunde später erreichten wir den ersten Stopp unseres Tages: den Red Canyon. Allein die Durchfahrt durch die markanten Felsentore entlang des Highway 12 ist ein echtes Highlight, denn die knallroten Sandsteinformationen bilden einen großartigen Kontrast zum tiefblauen Himmel.
Der Canyon gilt ein wenig als „kleiner Bruder“ des Bryce, wird aber oft übersehen – dabei ist er mit seinen Hoodoos und Felsnadeln mindestens genauso fotogen.
Die kurze Wanderung auf dem Pink Ledges Trail (rund 0,7 Kilometer) brachte uns noch näher an die leuchtend roten Steinformationen heran. Mit jeder Kurve des Weges hatten wir das Gefühl, mitten in einer Filmkulisse zu stehen – so intensiv glühten die Farben im klaren Morgenlicht. Und da wir die Pfade fast für uns allein hatten, konnten wir die Szenerie in aller Ruhe genießen – ein perfekter Auftakt in den Tag.
Spannend fanden wir auch die Infos zu den Hoodoos: Für die Paiute-Indianer waren es „Legend People“, verzauberte Gestalten aus alten Geschichten. Später erinnerten die Siedler die Formen an ihre eigenen Mythen und tauften die steinernen Türme „Fairy Chimneys“ – Feenkamine. So kam es, dass diese hoodoo-reiche Landschaft bis heute auch als „Utah’s Fairyland“ bekannt ist.
Nach einem zweiten kurzen Kaffee im Wohnmobil machten wir uns auf den Weg Richtung Zion Canyon. Die Landschaft änderte sich dabei ständig: erst noch rote Felsen und Hoodoos, dann weitläufige Ebenen mit Nadelbäumen und Sträuchern, bevor sich die Straße durch engere Täler mit Wäldern und schließlich immer steileren Felswänden schlängelte. Je näher wir Zion kamen, desto monumentaler wurden die Felsen, bis schließlich die markanten Wände des Canyons vor uns auftauchten.
Als wir am Eingang des Nationalparks ankamen, hielten wir brav unsere Jahrespässe in die Höhe – die Rangerin nickte freundlich, aber für die Durchfahrt durch den engen Zion–Mt.-Carmel-Tunnel mussten wir mit unserem Wohnmobil trotzdem noch einmal 15 Dollar extra bezahlen. Der knapp 1,8 Kilometer lange Tunnel ist so schmal und niedrig, dass für große Fahrzeuge der Verkehr komplett gesperrt wird und man dann einspurig hindurchfahren darf. Cool, ein Tunnel nur für uns! *ggg*
Allerdings wird es diesen Service nicht mehr lange geben: Ab Mitte 2026 dürfen Fahrzeuge, die höher als 11 Fuß 4 Zoll (3,45 Meter), breiter als 7 Fuß 10 Zoll (2,40 Meter) oder länger als 35 Fuß 9 Zoll (10,9 Meter) sind, den Tunnel bzw. die Historic Route nicht mehr nutzen. Wer diese Grenzen überschreitet, muss dann eine große Umleitung fahren. Wir hatten also in diesem Jahr wirklich Glück, dass wir noch hindurchfahren konnten.
Bevor wir die Tunneldurchfahrt überhaupt antraten, wollte ich aber unbedingt noch den Canyon Overlook besuchen. Allerdings ist die Parkplatzsituation dort mehr als schwierig: winzige Buchten direkt an der Straße, und im Vorfeld hatte ich schon gelesen, dass man da kaum eine Chance hat. Entsprechend nervös war ich, als wir uns näherten. An den ersten Ausbuchtungen war alles belegt, mein Herz klopfte immer schneller, und ich malte mir schon aus, dass wir unverrichteter Dinge weiterfahren müssten. Doch wirklich auf den allerletzten Metern vor der Tunneldurchfahrt, am letzten Mini-Parkplatz, schaffte es Tom, unser Wohnmobil noch hinter ein anderes zu quetschen. Hut ab vor seiner Park- und Fahrweise – ich könnte das nicht!
Der anschließende Weg zum Aussichtspunkt ließ sich übrigens ganz gut laufen – im Grunde ein einfacher Trail, klar, mit ein paar Steigungen und etwas unebenem Untergrund, aber insgesamt absolut problemlos zu meistern.
Vom Canyon Overlook selbst eröffnet sich ein fantastischer Blick in die Lower Pine Creek Schlucht, die sich unterhalb des Aussichtspunktes tief eingeschnitten durch die Felsen zieht und weiter unten in den Pine Creek Canyon übergeht. Dahinter sieht man im Panorama bereits die mächtigen Formationen des Zion Canyon mit den „Towers of the Virgin“.
Vom Aussichtspunkt waren wir völlig geflasht – dieser Blick in die Schlucht und hinüber zu den markanten Felsformationen war einfach atemberaubend. Natürlich wollten wir den Moment festhalten und baten einen netten Koreaner, ein Foto von uns zu machen. Dass wir dabei plötzlich die Hand in die Höhe strecken mussten, war allerdings nicht unsere Idee – aber wir machten brav mit und lachten uns anschließend schlapp über diese etwas ungewöhnliche Pose.
Anschließend fuhren wir durch den Tunnel und steuerten unseren Campingplatz an, wo wir erst einmal eine kurze Mittagspause einlegten.
Ich war ziemlich stolz, denn ich hatte im Vorfeld einen richtig klasse Stellplatz ergattert – die Nr. 3. Von dort waren es tatsächlich nur ein paar Hundert Meter bis zur Haltestelle des Shuttlebus, der uns direkt hinein in den Zion Canyon brachte. Bequemer hätte es wirklich kaum sein können, und so starteten wir bestens gestärkt und voller Vorfreude in den Nachmittag.
Mit dem Shuttlebus tuckerten wir ganz gemütlich in den Canyon hinein. Der Zion Canyon selbst ist rund 24 Kilometer lang und bis zu 800 Meter tief, entstanden durch die gewaltige Erosionskraft des Virgin River, der sich über Millionen von Jahren in den roten Navajo-Sandstein hineingefressen hat. Schließlich stiegen wir an der letzten Haltestelle aus – dem Temple of Sinawava.
Weiter ging’s nun zu Fuß – wir schlenderten auf dem Riverside Walk Trail los. Der Weg folgt sanft dem Virgin River, ist gut befestigt und wirklich leicht zu laufen. Links und rechts türmen sich die hohen Felswände auf, während immer wieder kleine Oasen aus Farnen und Moosen für grüne Tupfer im roten Gestein sorgen. Das Plätschern des Flusses begleitete uns auf jedem Schritt und verlieh dem Spaziergang eine fast friedliche Stimmung. Wären da nicht die unzähligen anderen Besucher gewesen – so viele Menschen waren unterwegs, dass wir uns zeitweise eher wie auf einer Autobahn fühlten. Schade!
Am Ende des Weges standen wir schließlich vor der Stelle, wo es nur noch durch den Fluss selbst weitergeht – dem Einstieg in die berühmten Narrows. Hier zwängt sich der Virgin River durch eine bis zu 600 Meter tiefe Schlucht, die an manchen Stellen kaum mehr als 6 bis 9 Meter breit ist. Ein klassischer Wanderweg existiert dort nicht mehr: Man watet direkt durch das Wasser – mal knöcheltief, mal hüfthoch, je nach Jahreszeit und Wasserstand.
Da wir nicht das passende Schuhwerk dabeihatten und auch keine Lust auf nasse Füße verspürten, beließen wir es dabei, dem Spektakel am Einstieg in die Narrows eine Weile zuzuschauen. Und das war fast genauso unterhaltsam wie selbst hineinzuwaten: Was die Leute dort so an den Füßen trugen, war wirklich unglaublich. Von dünnen Schlappen über quietschbunte Crocs bis hin zu komplett barfuß war alles vertreten – allein der Gedanke, so durch diese eiskalte Schlucht zu wandern, ließ uns schaudern. Zum Glück hatten die meisten Wanderer dann doch vernünftige Ausrüstung an – mit wasserdichten Wanderschuhen oder speziellen Canyoningschuhen. Die sahen nicht nur richtig cool aus, sondern waren wohl auch deutlich angenehmer als Crocs im Flussbett.
Mit dem Shuttlebus ging es dann zurück – allerdings nur eine Haltestelle bis zum Big Bend Viewpoint. Von dort aus hatten wir einen fantastischen Blick auf den mächtigen Felsrücken von Angels Landing, der wohl bekanntesten und spektakulärsten Wanderung im Zion Nationalpark. Der Trail führt auf knapp 7,6 Kilometern (Hin- und Rückweg) in schwindelerregende Höhen und über einen schmalen Grat, der stellenweise kaum breiter ist als ein Gehweg – links und rechts geht es mehrere Hundert Meter senkrecht in die Tiefe.
Seit 2022 benötigt man für die Besteigung eine Permit, die per Lotterie vergeben wird, da der Andrang riesig ist und die Sicherheit gewährleistet werden soll. Von unten betrachtet wirkte dieser Felsriese absolut beeindruckend – und auch ein bisschen furchteinflößend.
An der Haltestelle „Grotto“ stiegen wir schließlich wieder aus und überlegten kurz, ob wir noch die Wanderung zu den Emerald Pools machen sollten. Letztlich entschieden wir uns dagegen – es war inzwischen schon 16:30 Uhr, und wir wollten lieber gemütlich zurück zum Visitor Center fahren. Also ab in den Shuttlebus… doch kaum hatten wir Platz genommen, kam auch schon die Durchsage, dass weiter vorne ein Unfall passiert sei und der Bus deshalb nicht weiterfahren könne. Man empfahl uns, entweder bis zur nächsten Station (mit Gift Shop *freu*) zu laufen oder zu warten. Wir entschieden uns fürs Laufen – etwa einen Kilometer – und so kam ich dann doch noch zu meiner kleinen Wanderung, wenn auch eher unfreiwillig.
Auf genau diesem Streckenabschnitt war der Unfall passiert, und er blieb für die Shuttlebusse komplett gesperrt. Unterwegs begegneten wir bereits der Ambulanz und hofften inständig, dass dem verunglückten Fahrradfahrer nichts wirklich Schlimmes passiert war. Am Gift Shop angekommen, schlenderten wir noch kurz hindurch, fanden aber nichts wirklich Spannendes und stiegen dort schließlich in den nächsten Shuttlebus, der uns wieder zurück zum Visitor Center brachte.
Dort angekommen, entschieden wir uns kurzerhand gegen einen Grillabend am Wohnmobil und schlenderten stattdessen lieber in den Zion Canyon Brew Pub. Dort ließen wir uns zwei saftige Burger, ein kühles Bier und ein Glas Wein schmecken – genau das Richtige nach diesem schönen Tag. Ein Musiker sorgte mit seiner Livemusik für richtig gute Stimmung, und wir saßen draußen in der lauen Abendluft. Es war angenehm warm, über uns ragten die schroffen Felswände in den Himmel, und wir genossen einfach diesen wundervollen Abend – leckeres Essen, gute Musik und eine traumhafte Kulisse.
Kilometer: 138
Wetter: Sonne-Wolken-Mix, 12°C – 28°C
Campingplatz: Watchman Campground (45 $; 43 €)
Strom, Wasser und Dumpstation