01.10.
Hach, was war das herrlich! Im Bett liegen und vom Fenster aus die Rehe draußen beobachten – so kann gerne jeder Morgen starten.
Da an der Dumpstation gerade niemand war, füllten wir noch rasch Frischwasser nach und entleerten die Tanks. Um kurz nach 09:00 Uhr machten wir uns auf in den Tag!
Sehr zur Nichtfreude von Tom stand auch heute eine kleine Wanderung auf meinem Plan – die zur Hickman Bridge. Ich hatte extra mein neues T-Shirt angezogen, das meinem Hasen nur noch mehr Angstschweiß auf die Stirn trieb. Ich weiß gar nicht, warum? *gg*
Der Weg ist zwar offiziell nur knapp 0,9 Meilen pro Strecke (also rund 1,4 km), aber es ging ordentlich bergauf, insgesamt fast 120 Höhenmeter. Zum Glück war es am Morgen noch nicht so heiß, und so hielten sich die Schweißausbrüche in Grenzen.
Der Pfad führte uns zunächst ein Stück am Fremont River entlang, bevor er abbog und sich stetig nach oben schlängelte.
Nach einer guten halben Stunde erreichten wir schließlich die Hickman Bridge – und wow, die war wirklich beeindruckend! Die Naturbrücke misst stolze 38 Meter in der Höhe und überspannt etwa 40 Meter in der Breite. Sie besteht aus hellem Sandstein der Kayenta-Formation, entstanden durch Erosion, die weichere Schichten abgetragen hat, bis ein riesiger Durchbruch entstand. Wenn man unter dieser Brücke steht, fühlt man sich winzig klein – faszinierend, was die Natur im Laufe von Jahrtausenden formen kann.
Natürlich machten wir etliche Fotos und bestaunten das Ganze noch eine Weile, bevor wir uns wieder auf den Rückweg machten. Nach insgesamt knapp zwei Stunden waren wir wieder am Camper und starteten frisch motiviert in Richtung unseres nächsten Ziels.
Und das war der Scenic Drive im Capitol Reef National Park. Wir fuhren die komplette Strecke bis dorthin, wo der Asphalt endete. Ab diesem Punkt war für uns Schluss, denn Wohnmobile dürfen nicht weiterfahren – dahinter wartet nur noch eine Schotterpiste, die sich tief in die Canyons hineinschlängelt. Die roten Schluchten dort gehören zur sogenannten Waterpocket Fold, einer fast 160 Kilometer langen geologischen Verwerfung, die das Herzstück des Parks bildet und über Millionen Jahre durch tektonische Kräfte und Erosion entstanden ist.
Auf dem Hinweg fand ich die Strecke noch gar nicht so spektakulär – ich saß auf der Beifahrerseite, und durch den Camper-Überhang konnte ich nach links einfach kaum etwas sehen. Aber der Rückweg war wirklich traumhaft! Jetzt strahlte die Sonne frontal auf die Felswände und brachte die unterschiedlichen Gesteinsschichten so richtig zum Leuchten: Ganz unten die rötlichbraune Moenkopi-Formation (ca. 245 Mio. Jahre alt), darüber die graugrüne Chinle-Formation (ca. 225 Mio. Jahre alt) und obenauf der orange-rote Wingate-Sandstein (ca. 200 Mio. Jahre alt). Wenn man bedenkt, dass diese Schichten älter sind als die Dinosaurier, fühlt man sich fast winzig und ehrfürchtig.
Dieses Farbspiel wirkte fast unnatürlich – als hätte jemand mit einem gigantischen Pinsel die Felsen bemalt. Wir waren total geflasht von diesem Anblick und konnten uns kaum sattsehen!
Mit etlichen neuen Fotos mehr auf der Speicherkarte setzten wir unsere Fahrt fort. Unterwegs hielten wir noch an ein paar Aussichtspunkten, bevor wir schließlich die kleine Häusersammlung von Torrey erreichten.
Dort bogen wir ab auf den Highway 12, der nicht umsonst auch als Scenic Byway 12 bekannt ist. Zuerst waren wir ein wenig skeptisch und ließen das Ganze einfach mal auf uns zukommen. Doch je höher wir fuhren und je mehr Bäume auftauchten, desto begeisterter waren wir. Zwischendurch fühlten wir uns fast wie in Kanada – vor allem, als dann auch noch die Birken auftauchten, die bereits ihr Herbstkleid trugen und goldgelb in der Sonne leuchteten. Wir waren völlig fasziniert, und hätte plötzlich ein Grizzly aus dem Wald geschaut, wir hätten nur genickt und gesagt: „Ja klar, der gehört hier dazu.“
Der Highway schlängelt sich auf weiten Teilen bis auf fast 3.000 Meter Höhe hinauf und gilt als eine der schönsten Panoramastraßen der USA. Auf rund 200 Kilometern Länge verbindet er die Orte Torrey und Panguitch und führt durch den Grand Staircase–Escalante National Monument und den Dixie National Forest. Dabei verbindet er gleichzeitig die Nationalparks Capitol Reef und Bryce Canyon miteinander – zwei echte Highlights im Süden Utahs. Kein Wunder also, dass er zu den offiziell ausgezeichneten All-American Roads zählt – Straßen, die nicht nur besonders schön, sondern selbst schon ein Reiseziel sind.
Wir hielten an unzähligen Aussichtspunkten, konnten uns gar nicht sattsehen und waren völlig beeindruckt, wie schnell sich die Landschaft auf dieser Strecke verändert. Erst rote Felsen, dann endlose Wälder, Birken in Herbstfarben und schließlich die weiten Hochflächen – eine echte Traumstraße eben.
Um 15:45 Uhr erreichten wir das Kiva Koffeehouse und hatten gerade noch 15 Minuten Zeit, um uns dort einen Kaffee zu schnappen. Glücklicherweise hat alles geklappt – das braune Heißgetränk war richtig lecker. Noch besser war aber die Aussicht: das Café thront am Rand des Escalante River Canyon, und von oben hatten wir einen grandiosen Blick auf die roten Felsformationen und die weitläufige Landschaft.
Mit dem leckeren Kaffee im Bauch stoppten wir noch an ein paar Aussichtspunkten und erreichten dann schließlich gegen 18:00 Uhr den Bryce Canyon National Park.
Der Park liegt auf einer Höhe von rund 2.400 bis 2.700 Metern und ist vor allem für seine außergewöhnlichen Hoodoos bekannt – das sind turmartige Felsnadeln, die durch Wind, Wasser und Frost über Millionen von Jahren aus Kalk- und Sandstein geformt wurden. Obwohl er „Canyon“ heißt, handelt es sich eigentlich nicht um eine klassische Schlucht, sondern um eine Reihe von natürlichen Amphitheatern am Rand des Paunsaugunt-Plateaus.
Auf dem Campingplatz angekommen, richteten wir uns erst mal gemütlich auf unserem Stellplatz Nummer 5 ein, der wirklich nett gelegen war und sogar einen kleinen, leicht erhöhten Sitzbereich hatte. Mein Hase warf selbstverständlich wieder den Grill an, und natürlich durfte auch das obligatorische Lagerfeuer nicht fehlen. The same procedure as every evening – das ist genau das, was wir am Camperleben in den USA so lieben!
Der einzige Unterschied an diesem Abend: Wir aßen tatsächlich endlich einmal – ich glaube sogar zum ersten Mal in diesem Urlaub – im Hellen. *freu* Ich konnte mein Essen sehen!
Der Abend oben in dieser Höhe – wir reden ja vom North Campground auf etwa 8.000 Fuß (ca. 2.438 m) – war ganz schön frisch. Also hielten wir es nicht allzu lange draußen aus: Bereits kurz nach 20:00 Uhr verschwanden wir in den Camper, warfen die Heizung an, und ich machte mir tatsächlich das erste Mal in diesem Urlaub meine Wärmflasche. Gegen 21:00 Uhr krochen wir dann zufrieden (und warm eingepackt) ins Bett, denn für den nächsten Morgen hatten wir uns fest vorgenommen, rechtzeitig zum Sonnenaufgang am Canyonrand zu sein.
Kilometer: 234
Wetter: Sonne, 10 °C – 26 °C
Campingplatz: North Campground (60 $; 56 € insgesamt für 2 Nächte)
Kein Strom, aber Wasser und Dumpstation