USA 2025 Tag 4

19.09.

Die erste Nacht im Camper war eher durchwachsen. Irgendwie ließ mich mein Schnupfen nicht so richtig schlafen, die Matratze war hart und es war unfassbar warm. Kurz gesagt: Wir konnten beide nicht wirklich gut schlafen. Gegen 05:00 Uhr lag ich dann auch eine ganze Weile wach, bin zum Glück irgendwann noch einmal weggedöst, und letztendlich sind wir dann gegen 08:30 Uhr aufgestanden.

An diesem Morgen waren wir noch überhaupt nicht eingegroovt. Ständig standen wir uns gegenseitig im Weg, und dazu mussten auch noch ein paar Sachen vom Vorabend verräumt werden – das hatte ich einfach nicht mehr geschafft. Ein kompletter Koffer wurde noch ausgepackt, und dann hatten wir uns so halbwegs häuslich eingerichtet.

Die Hitze machte das Ganze nicht leichter. Bereits um 10:00 Uhr war es draußen knapp 31 °C heiß, sodass wir tatsächlich den Generator anschmeißen mussten, um die Klimaanlage laufen zu lassen. Ohne wäre es einfach nicht auszuhalten gewesen.

Ein kritischer Blick ins Eisfach und ein Fühlen am Eiscremebecher machten mich dann doch etwas zufriedener. Der Ben & Jerry’s-Eisbecher war über Nacht wieder richtig hart geworden – puh, immerhin! Gestern Abend war er nämlich leicht angetaut gewesen. Vielleicht war der Kühlschrank ja doch nicht ganz so schlimm, wie ich zunächst befürchtet hatte. Zumindest schien er sich über Nacht zusammenzureißen. Mal sehen, wie lange das gutging …

Um 11:20 Uhr verließen wir schließlich unseren Stellplatz, hielten am Ausgang noch kurz zum Dumpen an und machten uns dann auf den Weg Richtung Santa Monica.

Am Meer angekommen, fuhren wir an den vielen abgebrannten Häusern vorbei – oder besser gesagt an den leeren Flächen, auf denen sie einst gestanden hatten. Hier hatte im Januar 2025 das Palisades Fire gewütet, eines der verheerendsten Wald- und Buschfeuer in den Santa Monica Mountains der vergangenen Jahre. Angetrieben von starken Santa-Ana-Winden fraßen sich die Flammen innerhalb kürzester Zeit durch die Hänge oberhalb von Malibu und Pacific Palisades, zerstörten über 6.800 Gebäude und zwangen Zehntausende Menschen zur Flucht. Wir waren wirklich geschockt über diesen Anblick… Teilweise standen sogar noch ausgebrannte Autos am Straßenrand – ein richtig beklemmendes Bild.

Den eigentlichen Parkplatz, den ich direkt am Muscle Beach Venice herausgesucht hatte, konnten wir dann leider nicht nutzen, denn dort waren Fahrzeuge über 20 Fuß verboten. Also standen wir etwas ratlos mit der Karte in der Hand da. Eine schnelle Alternative fand sich nicht wirklich, und so kamen wir auf die Idee, etwas weiter rauszufahren, das Wohnmobil auf einem Supermarktparkplatz abzustellen und uns mit einem Uber in die Stadt bringen zu lassen. Genau das haben wir dann auch gemacht: Unseren Camper stellten wir auf dem Pavilions-Parkplatz ab und düsten bequem mit Uber direkt zum Muscle Beach.

Bei strahlend blauem Himmel und einer warmen Brise vom Meer bestaunten wir die schwitzenden Körper am Muscle Beach – diesem legendären Outdoor-Fitnessplatz, an dem schon Arnold Schwarzenegger und andere Bodybuilder trainierten und der bis heute als Mekka für Kraftsportler gilt.

Anschließend schlenderten wir am Strand entlang und genossen es einfach, dort zu sein.
Überall in der Luft lag dieser typische Geruch – es roch an gefühlt jeder Ecke nach Cannabis, was dem Ganzen einen sehr entspannten Vibe verlieh.

Danach trieben wir uns noch durch die bunten Läden und Stände am Venice Beach, wo es von Souvenirs bis hin zu ziemlich skurrilen Dingen wirklich alles gibt. Das war einfach herrlich zum Gucken, Staunen und ein bisschen Schmunzeln.

Zum Abschluss zog es uns dann noch auf den Abbot Kinney Boulevard, eine der angesagtesten Straßen von Venice. Hier reiht sich ein stylischer Concept Store an die nächste Boutique, dazwischen hippe Cafés, kleine Galerien und nette Restaurants.

Als sich bei Hase langsam ein leichtes Hungergefühl breit machte, kehrten wir in die kleine Brauerei Southern California Vibes Corporation ein. Das stylische Lokal hat zwar nur eine kleine Speisekarte, dafür aber eine umso größere Bierkarte – perfekt für alle, die neben einem Snack auch ein besonderes Craft Beer probieren möchten.

Wir ließen uns einen Burger und einen Wassermelonen-Salat schmecken. Beides war wirklich lecker, keine Frage – aber die Portionen waren recht überschaubar. Und dafür, dass wir am Ende mit zwei Cola 39 $ (33 €) bezahlt haben, fanden wir das Preis-Leistungs-Verhältnis eher mau.

Nach dem Snack schauten wir uns den Venice Canal Historic District an und waren wirklich beeindruckt, wie ruhig es dort im Vergleich zum trubeligen Venice Beach zuging. Kaum zu glauben, dass man nur ein paar Straßen weiter plötzlich fast nur noch Enten hört!

Die Kanäle wurden übrigens um 1905 von einem gewissen Abbot Kinney angelegt. Der Mann hatte die verrückte Idee, aus Venice ein „Klein-Venedig“ in Kalifornien zu machen – mit Gondeln, Brücken und allem Drum und Dran. Von den ursprünglich mehreren Kilometern Kanälen sind heute zwar nur noch ein paar übrig, aber genau die sind liebevoll restauriert und richtig idyllisch.

Als wir uns zurück am Womo schließlich auf den Weg zum Campingplatz machen wollten und ich bei Google Maps nachschaute, wie lange wir dafür brauchen würden, fiel mir fast das Handy aus der Hand: Aus etwas über einer Stunde Fahrzeit waren plötzlich knapp drei Stunden geworden. In L.A. war natürlich gerade Rushhour – und wir mittendrin.
Trotzdem hielten wir vorher noch kurz am Supermarkt und kauften eine Kleinigkeit fürs Abendessen ein. Dann machten wir uns tapfer auf die lange Fahrt zum Campingplatz. Der Verkehr wollte einfach kein Ende nehmen, und wir waren heilfroh, als wir um 20:20 Uhr endlich ankamen.

Die freundliche Mitarbeiterin am Eingang begrüßte uns direkt mit den Worten, ob wir schon einmal da gewesen wären – wir hätten nämlich Stellplatz 12 gebucht, und das sei der schönste auf dem ganzen Platz. Tja, da fühlte ich mich doch ein kleines bisschen gebauchpinselt. Die stundenlange – beziehungsweise wochenlange – Vorarbeit, die schönsten Plätze vorab rauszusuchen, lohnte sich also doch.

Von der Umgebung sahen wir allerdings nicht mehr viel, es war mittlerweile stockdunkel. Den Sonnenuntergang hatten wir auf der Fahrt nur noch im Rückspiegel erhaschen können. Dennoch baute Tom stolz seinen neu erworbenen Grill auf – sehr zur Unterhaltung einiger putziger Waschbären, die immer wieder neugierig aus dem Gebüsch lugten und wohl wissen wollten, was Hase da so trieb.

Ich begnügte mich zum Abendessen mit einem sündhaft leckeren Cheesecake von der Cheesecake Factory, während Tom sich gegen 22:00 Uhr noch zwei Steaks auf seinen neuen Grill legte. Einbrennen und so … ja nee, is klar! *lach*

Hundemüde, aber frisch geduscht, fielen wir schließlich um kurz vor 00:00 Uhr ins Bett und schliefen auch recht schnell ein.

Kilometer: 162
Wetter: Sonne, 31 °C
Campingplatz: Rancho Jurupa Park (63 $; 58 €)
Full Hookup


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