11.10.
An diesem Tag stand ein ganz besonderes Highlight im südlichen Teil des Yosemite-Nationalparks auf dem Plan: der Mariposa Grove of Giant Sequoias.
Und da heute Samstag war, wollte ich entsprechend früh los – meine altbekannte Parkplatzsorge meldete sich nämlich mal wieder. Kurz nach 08:00 Uhr hatten wir alles startklar und rollten los. Auf der Fahrt unterhielten wir uns darüber, dass wir dieses Jahr erstaunlich wenig große Tiere gesehen hatten. Klar, die Tarantel war cool, Waschbären sowieso, und auch die Schlange war ein Erlebnis – aber so ein richtiger Bär fehlte uns noch.
Wir hatten es kaum ausgesprochen – ihr glaubt es nicht: Auf dem Gegenfahrstreifen stand ein Auto mit Warnblinkanlage, ein todsicheres Zeichen für eine besondere Tiersichtung. Und tatsächlich! Ein kleiner Schwarzbär saß gemütlich am Straßenrand und vertilgte genüsslich sein Frühstück – was auch immer es war. Ich war völlig hin und weg und habe vor Aufregung richtig gezittert. Was für ein unglaubliches Erlebnis, doch noch einen Bären zu sehen!
Am Mariposa Grove angekommen, stellte sich meine Sorge mal wieder als unbegründet heraus. Von den 14 ausgewiesenen RV-Plätzen waren noch sechs frei! *freu*
Mit dem Shuttlebus konnten wir vom Besucherparkplatz bequem bis zum Startpunkt der Wanderwege fahren. Die Luft war frisch, das Licht fiel golden durch die hohen Baumwipfel – eine magische Stimmung.
Im Mariposa Grove stehen über 500 ausgewachsene Riesenmammutbäume, majestätische Baumriesen, von denen viele mehrere Tausend Jahre alt sind.
Da für den Tag sonst keine Aktivität auf meinem Plan stand, hatten wir ausreichend Zeit für eine entspannte Wanderung. Mein Hase freute sich auch ganz besonders … *gg*
Vor zwei Jahren hatten wir ja die Redwoods im Norden Kaliforniens besucht – diese hochgewachsenen Riesen an der nebligen Pazifikküste, wo die Bäume wie Kathedralen in den Himmel ragen und man sich winzig darunter fühlt.
Heute dagegen stehen wir im Mariposa Grove, also in der Welt der Riesenmammutbäume – und die sind, obwohl verwandt, doch ganz anders.
Die Redwoods an der Küste sind die Hochhaus-Version unter den Bäumen – schlank, elegant und mit teils über 110 Metern die höchsten Bäume der Welt. Sie lieben das feuchte Küstenklima, den ständigen Nebel und den milden Wind vom Pazifik. Ihre Rinde ist rötlich und glatt, sie wachsen dicht an dicht – fast wie eine grüne Wand.
Die Sequoias hier in der Sierra Nevada dagegen sind eher die Bodybuilder unter den Bäumen. Sie werden zwar „nur“ rund 80 bis 90 Meter hoch, dafür aber unglaublich breit und massiv. Ihr Stamm kann über zehn Meter Durchmesser haben, und manche Exemplare bringen geschätzte 1000 Tonnen auf die Waage. Ihre Rinde ist dick, schwammig und schützt sie perfekt vor Feuer – man sieht das auch an den vielen Brandnarben, die sie mit stolzer Ruhe tragen.
Ohne Feuer könnten sie übrigens gar nicht überleben, denn erst die Hitze öffnet ihre Zapfen und sorgt dafür, dass sich neue Bäumchen bilden.
Beide gehören zur Familie der Zypressengewächse und zur uralten Unterfamilie der Sequoioideae.
Küstenmammutbaum (Coast Redwood)
Neblige Küsten Nordkaliforniens & Süd-Oregon
Höchster Baum der Erde (bis 116 m), liebt feuchtes, kühles Klima
Riesenmammutbaum (Giant Sequoia)
Westhang der Sierra Nevada (z. B. Yosemite, Sequoia NP)
Massivster Baum der Erde, extrem feuerresistent
Ihre gemeinsamen Vorfahren standen schon vor Millionen von Jahren auf der ganzen Nordhalbkugel. Mit dem sich wandelnden Klima zog es die einen an die Küste, wo Nebel sie nährt – und die anderen in die Berge, wo sie Schnee, Sonne und Feuer trotzen.
Kurz gesagt:
Während die Redwoods im Norden schlank in den Nebel wachsen, stehen die Sequoias hier unten in der Sonne – breit, uralt und völlig unbeeindruckt von der Zeit.
Zwei Baumarten, so unterschiedlich und beide auf ihre Art absolut beeindruckend.
So, genug Infos! *lach*
Auf unserer kleinen Runde (das sah Tom allerdings anders) kamen wir an den unterschiedlichsten, sehenswerten Bäumen vorbei. Gleich zu Beginn lag der Fallen Monarch – ein umgestürzter Riese, der schon seit Jahrhunderten dort liegt und trotzdem kaum verfault ist. Das Holz der Sequoias ist so harzreich, dass selbst die Zeit daran verzweifelt. Früher diente der Baum als beliebtes Fotomotiv: Ganze Kavallerieeinheiten stellten sich auf seinem hohlen Stamm auf – heute kaum vorstellbar.
Kurz darauf erreichten wir den Clothespin Tree, dessen Stamm durch mehrere Brände so weit aufgespalten wurde, dass man wie durch eine überdimensionale Wäscheklammer hindurchlaufen kann. Wenn man direkt davorsteht, sieht man erst, wie viele Feuer dieser Baum überlebt hat – ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie anpassungsfähig diese Giganten sind.
Etwas weiter lag das Faithful Couple – zwei gewaltige Stämme, die an der Basis zu einem einzigen Baum verschmolzen sind und sich weiter oben wieder trennen. Kein Wunder, dass sie als Symbol für ewige Verbundenheit gelten. Sie stehen da wie ein uraltes Ehepaar, das schon alles miteinander erlebt hat – fast so wie wir! *gg*
Ein Stück weiter kamen wir dann zum California Tunnel Tree, durch den Ende des 19. Jahrhunderts tatsächlich noch Kutschen gefahren sind. Heute darf man immerhin zu Fuß hindurch – und natürlich muss man da durch, sonst zählt es ja nicht!
Das unbestrittene Highlight im Grove ist aber der Grizzly Giant, der wohl berühmteste Baum von allen. Mit rund 64 Metern Höhe, einem Stammdurchmesser von fast acht Metern und einem Alter von über 2000 Jahren ist er einfach überwältigend. Einer seiner Äste ist so dick wie ein Eichenstamm – und das ist nur einer von vielen. Wenn man davorsteht, fühlt man sich winzig und irgendwie ehrfürchtig. Uns hat er an die Bäume aus „Herr der Ringe“ erinnert! Ihn ordentlich aufs Foto zu bekommen, war gar nicht so einfach…
Zum Abschluss kamen wir noch zu den Bachelor and Three Graces, einer Gruppe von vier dicht beieinanderstehenden Sequoias. Der „Junggeselle“ und seine drei „Grazien“ stehen so eng zusammen, dass sich ihre Wurzeln gegenseitig Halt geben – fast wie eine kleine Familie. Durch ihre symmetrische Anordnung und den weichen Waldboden rundherum sind sie eines der schönsten Fotomotive des gesamten Groves.
Jeder dieser Bäume erzählt seine eigene Geschichte – von Feuer, Zeit und Überleben. Ein toller Ort!
Nach knapp fünf Stunden Staunen und Genießen waren wir zurück am Wohnmobil und hatten beide richtig Hunger. Also machte ich uns schnell etwas zu essen, und wir aßen eine Kleinigkeit – nichts Besonderes, nur Suppe und Joghurt.
Gegen 15:30 Uhr machten wir uns schließlich auf den Weg zum Campingplatz. Schon seit Tagen hatten wir immer wieder die Wetterkarte im Blick und die sah leider gar nicht gut aus. Für Dienstag, also unseren geplanten Fahrtag zurück nach L.A., war ein großes Regengebiet angekündigt, das sich quer über ganz Kalifornien zog. Teilweise war von bis zu 50 Litern Regen pro Quadratmeter die Rede. Und als wäre das nicht genug, sollte es im Sequoia-Nationalpark, wo wir eigentlich von Montag auf Dienstag übernachten wollten, sogar schneien.
Na super. Schnee klang zwar irgendwie romantisch – aber nicht unbedingt mit dem Leih-Wohnmobil und auch nicht an einem Fahrtag mit über 300 Kilometern. Also überlegten wir hin und her, wälzten Routen und Wetterprognosen, aber es half alles nichts: Das Tiefdruckgebiet zog einfach einmal komplett übers Land.
Ein kleiner Hoffnungsschimmer blieb jedoch – laut Vorhersage sollte es am Montagabend in Los Angeles, also an der Küste, noch trocken bleiben. Und so stornierte ich den Campingplatz am Sequoia-Nationalpark und buchte kurzerhand einen direkt am Meer – in der leisen Hoffnung, dass wir dort am Montag noch einen schönen Abend verbringen könnten. Ein bisschen Meeresrauschen zum Abschluss wäre ja kein schlechter Abschied von Kalifornien.
Am Dienstag, dem großen Regentag, wollten wir dann morgens gemütlich packen, das Womo putzen und gegen Mittag zu unserem bereits vorreservierten letzten Campingplatz fahren. Vielleicht würden wir uns dann – je nach Wetterlage und Laune – noch einmal mit einem Uber in die Stadt bringen lassen, vielleicht aber auch einfach im Camper bleiben und den letzten Abend ruhig ausklingen lassen. Das wollten wir ganz spontan entscheiden.
Manchmal läuft es eben anders als geplant, aber genau das macht solche Reisen ja auch aus. Und Sequoia, der steht jetzt ganz offiziell auf unserer Beim-nächsten-Mal-Liste.
Als wir am Campingplatz ankamen, steuerten wir zuerst die Dumpstation an. Während ich mich um die Reinigung der Toilette innen kümmerte, war Tom draußen mit dem Entleeren der Abwassertanks beschäftigt. Plötzlich hörte ich ihn rufen: „Würg! Ääääh!“
Ich schaute aus dem Fenster und sah, dass irgendetwas gründlich schiefgelaufen war. Offenbar war der Tank der Station verstopft oder überfüllt, jedenfalls war das kein besonders schöner Anblick. Ich gehe da jetzt lieber nicht weiter drauf ein… *augenroll*
Tom kann sowas überhaupt nicht gut ab, der arme Kerl musste direkt würgen. Was für eine Sauerei! Ich eilte schnell hinaus, um zu helfen, und brachte das Ganze irgendwie wieder in Ordnung. Nach ein paar kräftigen Spülungen war das Schlimmste überstanden.
Wir waren uns einig: Morgen würden wir dort ganz sicher nichts mehr entsorgen. Anschließend füllten wir noch rasch Frischwasser auf und fuhren zu unserem Platz Nr. 114 – offiziell „direkt am See“. Naja, sagen wir mal so: Der See war durchaus in Sichtweite… Gute 300 meiner Minischritte brauchte ich, um am Wasser zu stehen. Der Stausee war einfach leer…
Beim abendlichen Rumräumen im Wohnmobil – ein bisschen Ordnung schaffen, Vorräte checken, damit wir die letzten Tage gut planen konnten – fiel uns auf, dass wir offenbar etwas großzügig eingekauft hatten. Genauer gesagt: viel zu viele Getränke! Beim Durchzählen und Runterrechnen kamen wir auf das erschreckende Ergebnis, dass jeder von uns in den nächsten drei Tagen ganze acht Dosen pro Tag trinken müsste. Acht!! Schei…! Da hatte wohl jemand nicht aufgepasst!! Hase…!
Beim Essen dagegen sah es deutlich besser aus – da kamen wir einigermaßen hin. Wahrscheinlich würde am Ende nur noch ein Joghurt und eine Suppe übrig bleiben. Zum Glück!
Den wunderschönen Tag ließen wir dann gemütlich am Lagerfeuer ausklingen – inklusive ein paar Dosen Cola, Sternschnuppen und Wildgänsegeschrei.
Kilometer: 145
Wetter: Sonne-Wolken-Mix, 9°C – 25°C
Campingplatz: Millerton Lake State Recreation Area, Campground (38,25 $; 34 €)
Kein Strom, aber Wasser und Dumpstation (oder auch nicht… *augenroll*)