04.06.
In der letzten Nacht hatten wir etwas besser geschlafen, und erst gegen 8:30 Uhr krochen wir aus unseren Kojen. Ich gratulierte Petra kurz zum Geburtstag und schnürte dann direkt die Schuhe für meine morgendliche Runde – ein bisschen frische Luft zum Wachwerden muss einfach sein.
Als ich zurückkam, waren die Drei schon fleißig und versorgten unser Boot mit frischem Wasser. Kaum war diese Pflicht erledigt, wartete die Kür: Wir überraschten Petra mit einem kleinen Geburtstagskuchen und ihrem Geschenk! Die Freude war riesig – und bei frischem Kaffee und viel Lachen starteten wir ganz gemütlich in ihren Ehrentag.
Um Punkt 12:00 Uhr hieß es wieder einmal „Leinen los!“ und wir legten ganz entspannt ab. Gemächlich cruisten wir wieder südwärts durch den Kanal.
An der Kytra-Schleuse hieß es leider mal wieder: Warten! Eine ganze Stunde standen wir dort, weil zur Mittagszeit offenbar nichts vorangeht. Kleiner Tipp also an alle zukünftigen Hausboot-Kapitäne: Um die Mittagszeit lieber nicht dort aufkreuzen!
Noch in der Schleuse kam auch schon die nächste Regenfront – und diesmal hatte sie richtig Kraft im Gepäck. Starker Wind peitschte den Regen quer übers Wasser.
Zum Glück war die nächste Schleuse offen, und wir konnten ohne große Wartezeit den Höhenunterschied von etwa vier Metern überwinden.
Und dann kam er – der Höllenritt unseres Lebens! Sintflutartiger Regen prasselte auf uns herab, während uns Windböen mit bis zu 75 km/h frontal ins Gesicht peitschten. Es tat richtig weh, als würde einem jemand winzige Nadelstiche ins Gesicht jagen. Ich konnte kaum die Augen offenhalten, so heftig war es! Aber wir drei standen tapfer an Deck, Schulter an Schulter mit unserem Kapitän Tom. Gemeinsam trotzten wir dem Wetter und überlebten die wilde Überfahrt über Loch Oich. Wir waren gut durchnässt und fühlten uns ein bisschen wie im Film „Der Sturm“! Nicht angenehm, aber irgendwie auch unvergesslich und jetzt können wir auch drüber lachen! Wir Helden!! *ggg*
Am Ende von Loch Oich tauchte endlich der rettende Steg am Ufer auf – was für ein Anblick! Trotz Wind, Regen und klammer Finger klappte das Anlegemanöver wie am Schnürchen. Die Erleichterung war allen ins Gesicht geschrieben: Wir hatten es geschafft!
Den restlichen – zum Glück trockenen – Nachmittag nutzten wir alle auf unsere Weise: Die Männer standen entspannt mit ihren Angeln am Ufer, Petra war mit ihrem Handy tief in die Spielewelt abgetaucht, und ich? Ich schnürte meine Wanderschuhe und machte mich auf den Weg. Einfach loslaufen, die frische Luft einatmen und die Landschaft genießen – das ist genau mein Ding!
Beim Abendessen zubereiten ging plötzlich nichts mehr – das Gas war leer! Die Männer mussten erstmal die Gasflasche tauschen, sonst hätte es nur trockenes Brot gegeben. Zum Glück klappte das flott und das Essen war gerettet.
Später beobachteten wir noch ein paar offensichtlich schottische Zelter, die seelenruhig ein entspanntes Bad im für mich eiskalten Loch Oich nahmen. Krass! Ich hätte da im Leben keinen Zeh reingesteckt – geschweige denn ganz reingewollt. Respekt!
Wetter: 14 °C, bedeckt mit viel Wind und Regenschauern