27.05.
Nach meiner kleinen, aber feinen Morgenrunde saßen wir kurz nach 10:00 Uhr im Wagen und holperten über die berühmt-berüchtigte zehn Kilometer lange Buckelpiste nach Port Ellen.
Dort angekommen trennten sich unsere Wege: Die Männer marschierten zielstrebig Richtung „The Indie Whisky“ und verschwanden mit einem verdächtigen Grinsen in der Ramsay Hall. Petra und ich konnten uns ein Augenrollen nicht verkneifen, mahnten sie noch schnell zur Vernunft („bitte nicht wieder eskalieren!“) und hofften insgeheim, dass sie diesmal mit höchstens einer Flasche pro Nase zurückkommen würden! Wie naiv von uns…
Die Wartezeit vertrieben wir Mädels uns ganz entspannt mit einem kleinen Spaziergang am Strand. Danach machten wir noch einen Abstecher in den Mini-Spar im Ort. So ein herrlich schottischer Mini-Laden, kaum größer als ein Wohnzimmer, aber vollgestopft mit allem, was man so brauchen (oder auch nicht brauchen) könnte – auf gut 10 Quadratmetern! Ein echtes Tetris-Wunder der Nahversorgung.
Am Hafen wollten wir uns dann an der blauen Kaffeebude etwas zu trinken holen. Leider funktionierte der Kartenleser nicht und wir hatten kein Bargeld dabei… Aber typisch schottische Herzlichkeit: Die freundliche Dame hinterm Tresen zuckte nur mit den Schultern, zauberte uns zwei dampfende Kaffees und einen köstlichen Scone hervor und meinte lächelnd: „Ach, bringt das Geld einfach irgendwann vorbei!“ Wie lieb ist das bitte? Herz erwärmt, Kaffee genossen – und der Scone war himmlisch!
Bis 13:00 Uhr hockten wir Mädels dann auf einer Bank am Hafen, genossen die Seeluft und die Aussicht! Zwischendurch kam Boris kurz vorbei, bezahlte unsere Schulden, kaufte mir auch noch die süße Islay-Tasse und verschwand dann – mit funkelnden Augen – wieder zurück in die Ramsay Hall. Dort warteten schließlich noch einige Whisky-Schätze auf ihn… Oh je…
Als wir unsere glücklichen Männer endlich wiedertrafen, waren wir zwar leider alle pleite – aber dafür stolze Besitzer von drei neuen Whiskyflaschen. Boris hatte sogar gleich fünf eingetütet!
Gemeinsam schlenderten wir zur Port Ellen Destille, die heute ihren Open Day feierte. Zur Begrüßung gab’s einen Token, mit dem wir uns ein kühles Stout und eine frische Auster gönnen konnten. Toll, mag ich beides nicht…
Gemütlich chillten wir in der Sonne und ließen uns verschiedene leckere Cocktails schmecken. Plötzlich entdeckte ich um die Sonne herum einen Halo! Mega – so etwas hatten wir noch nie live gesehen! Alle waren total begeistert und schauten mit zusammengekniffenen Augen in den Himmel. Ein richtig cooles Naturschauspiel!
Dort trafen wir auch wieder auf Bruce und Kelly, die wir schon vor zwei Tagen kennengelernt hatten. So nette Leute – richtig schön, sie wiederzusehen!
Auch Fergie alias David von Ferguson Whisky trafen wir wieder – die Freude war riesig. Natürlich verewigte er sich direkt auch noch auf unseren Westen.
Obwohl es eigentlich ganz entspannt und chillig war, fehlte uns dort einfach das gewisse Etwas. Irgendwie wirkt die Destille wie eine Fabrik – total professionell, aber leider ohne richtiges Flair. Irgendwie seelenlos!
Gegen 15:00 Uhr übernahm Petra das Steuer und fuhr uns zur Laphroaig-Destille – sie war zu diesem Zeitpunkt die Einzige, die noch fit fürs Fahren war. *lach*
Bei Laphroaig wurden wir mit einem Free-Dram begrüßt und bekamen natürlich auch das typische Glas zum Umhängen, das einfach dazugehört. Ein kleines Geschenk, das uns jedes Mal wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubert.
Auf dem Gelände gab es einige Essensstände, hübsche Dekoartikel und natürlich auch wieder ein paar lustige Spiele, bei denen man was gewinnen konnte. So sollten wir für ein Pfund eine Flasche auf die richtige Position stellen – ein kleines Glücksspiel, das echt Laune machte. Dank der supernetten Mitarbeiterin, die uns einen Tipp gab, haben Tom und ich tatsächlich beide ein T-Shirt gewonnen! Yiiiipiiieeehh!
In einem großen Fass, gefüllt mit Papierschnipseln, konnte man für 5 £ nach Miniaturen tauchen – ein echtes Glücksspiel mit der Chance, richtig gute Abfüllungen zu erwischen. Mein Hase ließ sich von der Aufregung mitreißen und investierte gleich 40 Pfund! Am Ende schenkte ihm die freundliche Mitarbeiterin sogar noch sechs Miniaturen obendrauf.
Bei guter Musik hingen wir am Meer ab und genossen die Sonne. Schön war’s!
Bevor es wieder zum Cottage ging, kauften wir natürlich noch etwas im Shop. Aber mein Hase ließ tatsächlich die Festival-Abfüllung stehen! Er meinte ernsthaft, er hätte schon so viele tolle Flaschen gekauft, das würde jetzt wirklich reichen. Wer sind Sie und was haben Sie mit meinem Hasen gemacht???
Mit immer noch etwas ungläubigem Blick auf meinen Ehemann spazierten wir gemütlich zum Wagen. Boris und Petra warteten derweil entspannt auf einer Bank vor der Destille auf uns.
Gemeinsam fuhren wir noch zum „The Big Strand“. Fanden dort ein halbverwestes Schaf – nicht gerade der beste Fund, kippten versehentlich Whisky ins Meer, fotografierten hundertfach den schönen Himmel und genossen die frische Seeluft.
Zurück im Cottage grillte der Hase wieder für uns alle, während wir es uns gemeinsam vor dem knisternden Kamin gemütlich machten und den Tag entspannt ausklingen ließen.
Kilometer: 38
Wetter: 14 °C, Sonne-Wolken-Mix