Schottland 2025 Tag 13

25.05.

Nachdem ich ganz glücklich meine morgendliche Runde durch Bowmore gedreht hatte – mit Meeresluft in der Nase und dem Möwengeschrei im Ohr – ließen wir es im Häuschen erst einmal gemütlich angehen.

Während mein Spaziergang zum Glück noch im Trockenen stattfand, fegte wenig später ein ziemlich kräftiger Wind über die Insel und schob dunkle Wolken und Regenbänder vor sich her. Wir kuschelten uns aufs Sofa und schauten dem wilden Wetter draußen ganz entspannt von drinnen aus zu.

Erst gegen 13:30 Uhr machten wir uns ganz entspannt auf den Weg nach Bruichladdich. Am Seitenstreifen fanden wir – mit etwas Glück und gutem Timing – noch einen Parkplatz und mussten so nicht auf den Shuttlebus ausweichen, der zwischen dem Strand und der Destille pendelte.

Kaum hatten wir uns auf den Weg zum Open Day gemacht, fiel mein Blick in einen kleinen Vorgarten – und wen entdeckte ich da: Charly! Den hatten wir vor zwei Jahren auf dem Festival kennengelernt. Er stand dort mit ein paar Leuten von Ferguson Whisky, und winkte uns sofort freundlich rüber. Natürlich ließen wir uns nicht lange bitten.

Ferguson Whisky ist ein unabhängiger Abfüller und sein Besitzer David, der mitsamt Familie dort im kleinen Vorgarten einen „Promostand“ eingerichtet hatte, schenkte uns direkt einen Dram ein.

Unsere Westen wurden vervollständigt, Davids zwei Abfüllungen probiert (und für sehr gut befunden!), ein Selfie geschossen – und ja, am Ende durften auch zwei Flaschen mit uns weiterreisen. Selbstverständlich handsigniert vom Chef persönlich! *lach*

Wir waren noch nicht mal richtig bei Bruichladdich angekommen und hatten schon einen im Tee und zwei Flaschen im Gepäck … oh je!
Das konnte ja heiter werden! Aber genau so lieben wir das Festival: herzlich, spontan, ein bisschen verrückt – und mit ordentlich Whisky im Glas.

Nach einer guten Dreiviertelstunde lösten wir uns schließlich schweren Herzens von der lustigen Truppe – ein letzter Schluck, noch ein herzliches „Slàinte!“ und wir machten uns endlich auf den Weg rüber zum „Rock’ndaal“, dem Festival‑Tag der Bruichladdich‑Brennerei.

Dort war die absolute Hölle los! Menschenmengen ohne Ende! Ich habe wirklich das Gefühl, es wird jedes Jahr voller …

Als Erstes musste natürlich mal der knurrende Magen beruhigt werden. Der Foodcourt sah allerdings aus wie ein wuselndes Chaos! Die Schlangen der einzelnen Stände waren längst ineinander übergegangen und hatten sich zu einer einzigen riesigen Menschenmasse verwandelt. Wir standen erst einmal völlig überfordert da und versuchten herauszufinden, wo welche Schlange überhaupt endet. Hilfe! Orientierung gleich null!

Klugerweise beschlossen wir, uns aufzuteilen – Effizienz ist schließlich alles, wenn der Magen knurrt! Ich stellte mich in die lange Pizzaschlange, während Tom sich auf die Jagd nach Burgern machte. Mein Hase war natürlich wieder mal schneller (wie macht er das nur immer?), und so stand er plötzlich grinsend mit zwei duftenden Burgern vor mir.

Letztendlich standen wir unglaubliche 80 (!!!) Minuten in dieser endlosen Schlange, bis wir endlich unsere heiß ersehnte Pizza in den Händen hielten. 80 Minuten!! Für Pizza!
Ich sag’s euch: Nie wieder stelle ich mich so lange für irgendein Essen an – egal wie gut es aussieht oder duftet.

Den restlichen Nachmittag ließen wir ganz entspannt angehen: Mit guter Livemusik im Ohr, einem leckeren Gin Tonic in der Hand und einem oder zwei (vielleicht auch drei) fantastischen Drams vor der Bühne – was will man mehr? Zwischendurch zogen zwar immer wieder ein paar Schauer über das Gelände, aber die Stimmung blieb bestens.

Als Nathan Evans schließlich auf die Bühne kam und die ersten Töne anstimmte, gab es kein Halten mehr – die Menge tobte!

Tom versuchte hartnäckig, ein Autogramm von Nathan Evans auf seine frisch erstandene Whiskyflasche zu ergattern – doch leider ohne Erfolg.

Stattdessen ergab sich aber eine spontane Gelegenheit mit Cammy Barnes, der sich gerne auf Toms Weste verewigte. Man nimmt, was man kriegen kann und Toms Weste wurde langsam zum Festival-Kunstwerk!

Um 19:30 Uhr war dann Schluss mit lustig – die Security war zwar freundlich, machte aber unmissverständlich klar, dass jetzt Feierabend sei. Also wurden wir sanft, aber bestimmt vom Gelände geschoben.

Zum Glück hatte Boris kaum etwas getrunken und übernahm ganz entspannt den Fahrdienst zurück nach Bowmore. Doch bevor wir ins Auto stiegen, quatschten wir noch kurz mit Charly, der inzwischen sichtlich beschwingt war. Mit einem breiten Grinsen, lockerem Slang und dem ein oder anderen Schwank vom Tag verabschiedete er uns! *lach*

In Bowmore ging’s aber nicht direkt zurück in unser gemütliches Cottage – stattdessen steuerten wir das Islay Gaelic Centre an. Dort hatten wir nämlich Karten für die Veranstaltung „Honky Tonk“ ergattert. Wir waren gespannt, was uns erwartete!

Für stolze 55 £ (ca. 65 €) ohne „normale“ Getränke hatten wir uns ehrlich gesagt ein bisschen mehr erwartet: Das Buffet bestand aus Chili, Hähnchenflügeln, Burgern, Pommes und etwas Salat, war aber leider eher lieblos und geschmacklich kein Highlight.

Dazu gab’s immerhin fünf Free-Drams vom Sponsor Big Peat, was die Stimmung etwas hob – wobei man nach dem dritten Dram eh nicht mehr ganz so kritisch war. Die musikalische Untermalung kam von einem DJ, der… sagen wir mal: gewagt auflegte. Grottenschlecht trifft’s wohl am besten!

Dank Bruce und Kelly aus dem Lake District, die mit uns am Tisch saßen, wurde es dann doch noch ein richtig lustiger Abend. Die beiden waren super herzlich, und wir hatten viel zu lachen – wobei wir natürlich auch ohne die zwei Spaß gehabt hätten!

Unterm Strich bleibt aber: Für „Honky Tonk“ würden wir keine Karten mehr kaufen.

Mittlerweile wieder nüchtern (für mich gab’s Driver-Drams), fuhr ich die Drei gegen 22:30 Uhr zurück zu unserem Cottage. Den restlichen Abend ließen wir entspannt auf dem Sofa ausklingen.

Kilometer: 28
Wetter: 14 °C, Sonne-Wolken-Mix mit Schauern


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