12.09.
Leider hatte Tom immer noch ein Dauerabo auf der Toilette gebucht. Da er sich auch schlapp fühlte (kein Wunder), entschied ich mich schweren Herzens, alleine loszuziehen. Ein bisschen nervös war ich ja schon…! Alleine im Linksverkehr auf Mauritius unterwegs…
Naja, mutig setzte ich mich hinter das Steuer und fuhr einfach los. In Schottland war ich ja schließlich auch schon gefahren. Was sollte schon passieren?
Auf dem Weg zu meinem Ziel, dem Ebony Forest, legte ich zwei kurze Stopps ein. Einmal am Chamarel Viewpoint und am Chamarel Waterfall.
Dann düste ich aber rasch weiter, da es sich ab Mittag zuziehen sollte und ich den Aussichtspunkt Sublim Point auf jeden Fall bei Sonne erreichen wollte!
Um kurz nach 09:00 Uhr machte ich mich auf die 2,3 Kilometer lange Wanderung (460 MUR; 9 € Eintritt) durch einen Teil des Ebony Forest, ein einzigartiges Naturschutzgebiet, das den ursprünglichen Wald der Insel bewahrt und wiederherstellt.
Auf dem Hinweg entschied ich mich für den asphaltierten Weg, was rückblickend eine gute Wahl war. Unterwegs begegnete ich drei Mauritius-Riesenschildkröten, die dort in freier Wildbahn leben und Teil von Wiederherstellungs- und Schutzprogrammen sind. Diese Art, die einst durch Überjagung und den Verlust ihres Lebensraums fast ausstarb, wird aktiv geschützt und gezielt gezüchtet, um ihre Bestände zu erhöhen.
Nach genau einer Stunde erreichte ich nassgeschwitzt den Sublim Point und war für einen kurzen Moment sprachlos. Wow! Der Name ist Programm: Von hier bot sich mir ein atemberaubender Blick über die grüne Hügellandschaft, die sich bis zur Küste erstreckte. Die Lagunen und Riffkämme des Indischen Ozeans leuchteten in schillernden Blautönen. Was für ein Panorama!
Ich ließ mich auf einer Bank nieder, genoss in aller Ruhe meine mitgebrachte Cola und sog den Anblick in mich auf.
Als die Leute in der kleinen Bar hinter mir mit ihren Vorbereitungen fertig waren, bestellte ich einen Tamarindensaft. Tamarind ist die Frucht des Tamarindenbaums, eines tropischen Baumes, der hauptsächlich in Afrika, Indien und anderen warmen Regionen wächst. Die Tamarindenschote ist braun und enthält ein klebriges Fruchtfleisch, das einen säuerlichen bis süß-sauren Geschmack hat. Mir hat der Saft gut geschmeckt!
Nach dem Aufenthalt am Aussichtspunkt entschied ich mich gegen 11:00 Uhr, den „Ridge Trail“ zu erkunden. Dieser etwas anspruchsvollere Pfad führte mich durch noch dichteres Unterholz und eröffnete mir immer wieder überraschende Ausblicke auf die Landschaft. Scheinbar war an diesem Tag noch niemand dort hergelaufen, denn ständig hatte ich Spinnweben im Gesicht! Ächz…
Zurück im Visitor Center kaufte ich einen schönen Bilderrahmen als Andenken und machte mich dann auf die Weiterfahrt. Nachdem ich mir noch einmal kurz die Chamarel-Wasserfälle angeschaut hatte, düste ich zur „siebenfarbigen Erde“ (550 MUR; 10,70 €).
Sie besteht aus Lavagestein, das in sieben verschiedenen Farben schimmert. Die Farben verlaufen mit fließenden Übergängen und erinnerten mich ein wenig an die Painted Hills in Oregon.
Diese faszinierende Farbvielfalt entsteht durch die unterschiedlichen Mineralien im Boden und die Erosion des vulkanischen Gesteins. Am deutlichsten sind die Farben bei Trockenheit; nach einem Regenschauer könnt ihr euch den Besuch dort also sparen.
Letzter Halt war die Rum-Destillerien „La Rhumerie de Chamarel“.
Für 600 MUR (11,80 €) buchte ich eine Tour mit anschließendem Tasting. Das Gelände ist wunderschön angelegt, und die Tour war recht kurzweilig. Die Destillerie wurde 2008 gegründet und ist bekannt für ihre traditionelle Herstellungsmethode, die die Qualität des Rums in den Vordergrund stellt. Die Destillerie nutzt Zuckerrohr aus eigenem Anbau, das in den umliegenden Feldern kultiviert wird.
Wenn man so alleine unterwegs ist, kommt man doch eher mit fremden Menschen ins Gespräch. So war ich ziemlich rasch mit Sue aus England im regen Austausch. Ob es vielleicht am Rum lag?! Für Tom kaufte ich noch zwei Probiersets für später, wenn sich sein Verdauungstrakt beruhigt hatte.
Um 16:00 Uhr kam ich wieder im Hotel an und war froh und auch etwas stolz, die Tour alleine gemacht zu haben.
Zu zweit genossen wir den wunderschönen Sonnenuntergang und aßen das zuvor von mir gekaufte Brot sowie den Käse. Gerne hätten wir das Buffet im Restaurant getestet, aber Tom wollte noch vorsichtig sein, und ich hatte natürlich vollstes Verständnis dafür.
Wehmütig packte ich anschließend die Koffer. Bereits am nächsten Tag mussten wir das Paradies verlassen…
Wetter: 27°C, Sonne-Wolken-Mix