Mauritius & La Réunion Tag 5

08.09.

Um kurz nach 08:00 Uhr saßen wir wieder mit Jay und Henry am Frühstückstisch. An diesem Morgen wehte ein etwas frischerer Wind als an den letzten Tagen. Egal, die Sonne schien, und der liebe Jay hatte wieder extra für uns lokale Spezialitäten besorgt: Gulab Jamun und Samosa. Gulab Jamun sind leicht frittierte Bällchen (in unserem Fall eher Stangen), die in süßem Sirup eingeweicht werden, und Samosa sind herzhafte, ebenfalls frittierte, knusprige Teigtaschen mit vielfältigen Füllungen. Die kannten wir bereits von anderen Reisen und auch von zuhause.

Während Tom sich noch seinen Kaffee schmecken ließ, half ich Henry kurz bei einem Problem mit Instagram.

Um kurz nach 10:00 Uhr fuhren wir zum lokalen Markt nach Centre de Flacq. Der gefiel uns viel besser als der in Port Louis. Es war irgendwie mehr los, und es wurde auch gefühlt mehr angeboten. Überall wuselten die Leute umher – Touristen, die neugierig die bunte Auswahl bewunderten, und Einheimische, die geschäftig ihre Einkäufe erledigten.

Die Geräuschkulisse war krass: das muntere Geplapper der Menschen, das Rufen der Verkäufer, die ihre Waren anpriesen, und im Hintergrund drangen die Klänge kreolischer Musik aus einem nahegelegenen Lautsprecher. Es wurde gefeilscht, gelacht, getratscht und gekauft. Tolle Atmosphäre!

An einem Stand kauften wir dann auch verschiedene Marmeladen und ein Glas feuriger Chilipaste – natürlich erst nach einer ausgiebigen Kostprobe!

In der Food-Ecke ließen wir uns zwei Gläser Alouda schmecken und teilten uns ein Briani. Eigentlich waren wir noch pappsatt vom Frühstück, aber das traditionelle Reisgericht mit Gemüse und Fleisch mussten wir probieren. Und wir wurden nicht enttäuscht – es war einfach sehr lecker!

Der Sir Seewoosagur Ramgoolam Botanical Garden, auch bekannt als Pamplemousses Botanical Garden, wurde vor über 300 Jahren angelegt und ist der älteste botanische Garten der südlichen Erdhalbkugel. Benannt wurde er nach dem Politiker Sir Seewoosagur Ramgoolam, unter dessen Regierung Mauritius am 12. März 1968 nach über 150 Jahren britischer Herrschaft unabhängig wurde.

Wer möchte, kann am Eingang zum Garten einen offiziellen Touristenführer engagieren. Wir spazierten aber lieber in unserem Tempo und erkundeten alles auf eigene Faust.

Stundenlang schlenderten wir durch den schönen Garten, in dem so ziemlich alles wächst. Umgeben vom Duft der Blüten und begleitet vom Vogelgezwitscher bestaunten wir einige Bäume und Sträucher, die von berühmten Persönlichkeiten gepflanzt wurden.

Unser Highlight waren die Talipot-Palmen. Sie ist eine der größten und beeindruckendsten Palmenarten der Welt und zeichnet sich durch ihre enormen Ausmaße aus: Sie kann eine Höhe von bis zu 25 Metern erreichen. Ihre fächerförmigen Blätter gehören zu den größten im Pflanzenreich und können bis zu 5 Meter breit sein. Wow!

Eines der faszinierendsten Merkmale der Talipot-Palme ist ihre Blüte. Sie ist eine monokarpische Pflanze, was bedeutet, dass sie nur einmal in ihrem Leben blüht – und das in einem beeindruckenden Ausmaß. Die Blüte erfolgt meist erst nach 30 bis 80 Jahren. Dann bildet die Palme einen riesigen Blütenstand, der aus Hunderttausenden von kleinen Blüten besteht. Dieser Blütenstand kann bis zu 6 Meter hoch werden. Nach der Blüte entwickelt die Palme Früchte, die etwa ein Jahr zum Reifen brauchen, und stirbt anschließend ab. Das ist sehr beeindruckend und auch ein wenig traurig!

Wir hatten das Glück, sie noch in ihrem Endstadium sehen zu können.

Die Amazonas-Riesenseerosen im „Giant Lilies Pond“ war aber auch beeindruckend. Manche Blätter sollen so groß und stabil sein, dass man ein kleines Kind hineinsetzen kann. Verrückt!

Am Lotos-Teich mit den unzähligen Lotosblumen wollten wir den faszinierenden Abperl-Effekt der Pflanze mal ausprobieren. Die Blüten waren im Frühling leider nicht zu sehen, aber die grünen Blätter zeigten dennoch ihre beeindruckende Fähigkeit, Wassertropfen abzuweisen.

Weniger schön fanden wir das lieblose Gehege, in dem die Riesenschildkröten untergebracht waren. Da sollte dringend etwas umgestaltet werden!

Auf dem Rückweg hielten wir an einem Ganesh Chaturthi an. Das ist das farbenfrohe Fest, für das unsere Nachbarn schon seit Tagen probten. Zunächst hielten wir uns dezent im Hintergrund, da wir keine Ahnung hatten, ob wir erwünscht waren. Doch dann kam jemand auf uns zu, lächelte und drückte uns Gebäck und Getränke in die Hände. Scheinbar waren wir willkommen!

Ganesh Chaturthi ist ein bedeutendes hinduistisches Fest, das zu Ehren des elefantenköpfigen Gottes Ganesha gefeiert wird. Das Fest dauert mehrere Tage und beginnt mit dem Erstellen von kunstvoll gestalteten Ganesha-Statuen. Es umfasst auch verschiedene Rituale mit Gesang, Tanz, Lichtern und speziellen Speisen. Das Fest endet mit der Visarjan-Zeremonie, bei der die Statuen in fröhlichen Prozessionen ins Wasser gelassen werden, um Ganeshas Rückkehr in den Himmel zu symbolisieren.

Den Abend wollten wir in Ruhe am Meer ausklingen lassen. Etwas blöd guckten wir aus der Wäsche, als wir am ziemlich überfüllten Strand ankamen. Überall hatten sich Prozessionen versammelt, um die Ganesha-Statuen feierlich ins Wasser zu lassen.

Während wir langsam zwischen den Leuten zum Meer liefen, drückten uns die Menschen ständig irgendwelches Fingerfood in die Hand, bis wir schließlich an einem Wagen zum Essen eingeladen wurden. Das Reisgericht war mit Chili und einer geheimen Zutat garniert und wurde uns auf einem Papierblatt serviert. Dazu gab es einen Becher Sprite, und ehe wir uns versahen, hockten wir mit unserem köstlichen Abendessen im Sand und schauten aufs Meer! Wahnsinn! Es war ein schöner Moment, der die Gastfreundschaft der Menschen auf Mauritius perfekt widerspiegelte.

Zurück in unserer Unterkunft machten wir es uns wieder auf dem Balkon bequem. Zwischendurch packte ich schon mal etwas unsere Sachen zusammen. Hach, wir wollten nicht weg… Henry und Jay sind so nett, und wir fühlten uns bei den beiden so unglaublich wohl! Außerdem graute es uns etwas vor dem Süden und den ganzen Touristen (Nachtrag: totaler Quatsch!)! Aber das Hotel war gebucht, und so kuschelten wir uns gegen 23:30 Uhr ein letztes Mal ins gemütliche Bett und schliefen auch direkt ein.

Wetter: 24°C, Sonne-Wolken-Mix


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