17.09.
Tom war froh, dass er die letzte Nacht halbwegs überstanden hatte. Leider war die Matratze überhaupt nichts für seinen Rücken gewesen. Aber zum Glück war er darmtechnisch wieder fit, und wir ließen uns ein leckeres Frühstück schenken. Was wirklich ganz toll an dieser Unterkunft ist, dass sie fast ausschließlich lokale Produkte anbieten und man so in den Genuss kommt, viel zu probieren. Beim Rührei meinte Pascal, er hätte versucht uns die Insel nachzubauen. *ggg*
Zum Abschluss brachte er uns noch ein Stückchen der köstlichen Mascarin-Schokolade, dazu für Tom einen Espresso und für mich ein Gläschen Rum! Ja, richtig gelesen! Um 08:30 Uhr trank ich einen Rum-Kokos-Schnaps. Lecker, aber auch recht stark. Zumindest für mich. *lach*
Die Mascarin-Schokolade ist übrigens eine renommierte Schokoladenmarke von der Insel. Sie ist für ihre hochwertige Schokoladenproduktion bekannt und kombiniert handwerkliche Tradition mit lokalen Zutaten wie Vanille und exotischen Früchten. Bereits im Supermarkt hatten wir uns mit einigen Tafeln versorgt. *hüstel* Die müsst ihr auch unbedingt kosten, wenn ihr auf La Réunion seid.
Nach einer herzlichen Verabschiedung fuhren wir um 09:30 Uhr los zur „The Vanilla Plantation, Domaine du Grand Hazier“, einer Vanilleraie. Vor ein paar Tagen hatte ich für 11:00 Uhr dort eine Führung reserviert.
Ursprünglich kommt die Vanillepflanze, die übrigens eine Orchidee ist, aus Mexiko. Im 19. Jahrhundert wurden die Pflanzen auf die Inseln im Indischen Ozean gebracht, darunter La Réunion (damals Île Bourbon), Madagaskar und die Komoren. Auf diesen Inseln entwickelte sich die sogenannte Bourbon-Vanille, die heute als eine der besten Vanillesorten der Welt gilt.
Die kleinen Vanilleblüten blühen nur für einen Tag und müssen in dieser kurzen Zeitspanne per Hand bestäubt werden. Natürliche Bestäuber, wie eine bestimmte Bienenart, fehlen nämlich auf den Inseln. Außerdem produziert eine Blüte nur eine einzige Vanilleschote.
Die Vanilleschoten (botanisch korrekt: Kapselfrüchte) sind etwa 9 Monate nach der Bestäubung erntereif und werden geerntet, wenn sie noch grün sind.
Um zu verhindern, dass sich die Schoten nach der Ernte spalten und um die Enzyme zu aktivieren, die für die Entwicklung des Vanillegeschmacks notwendig sind, werden sie kurz blanchiert. Anschließend kommen sie in Decken gewickelt für einen Tag in große Holzkisten. Durch diese „Schwitzkur“ beginnt die Fermentation, und die Vanilleschote erhält ihre schöne braune Schokoladenfarbe und ihr typisches Aroma.
Für die Trocknung werden die Vanilleschoten erst für ca. 12 Tage in die Sonne gelegt und dann für weitere zwei bis drei Monate im Schatten weiter getrocknet. Dabei müssen sie regelmäßig per Hand gewendet, kontrolliert und sortiert werden.
Danach ist aber noch nicht Schluss! Zur abschließenden Reifung werden die getrockneten Schoten dann für mindestens 12 Monate in geschlossenen Boxen gelagert.
Unglaublich, welcher Aufwand betrieben werden muss, um die kleinen schwarzbraunen Schoten herzustellen. Die „Königin aller Gewürze“ ist nach Safran das wertvollste Gewürz, und wir verstehen jetzt nur zu gut, warum sie so teuer ist! Ein wirklich lehrreicher Besuch.
Letztes Jahr wurden dort in der Vanilleraie nur 300 kg verkaufsfertige Vanille produziert, und auf der ganzen Insel lediglich 4 Tonnen. Das ist nicht viel! Deshalb ist der Verkauf auch auf 20 Gramm pro Familie limitiert.
Die Tour war zwar auf Französisch, aber wir hatten eine Mappe mit einer deutschen Beschreibung bekommen. Zum Abschluss kauften wir im Shop natürlich noch ein paar Leckereien mit Vanille (Rum, Marmelade und Salz), Vanille-Extrakt und eine kleine Vanillepflanze.
Bald darauf erreichten wir den Abzweig zum Takamaka-Aussichtspunkt. Die Wolken hingen natürlich wieder in den Bergen, aber wir wollten es trotzdem versuchen. Zum Glück waren auf der Strecke nicht ganz so viele Kurven wie zum Maido hoch, und die Straße führte uns durch eine tolle Landschaft.
Am Ziel angekommen hatte es sich von 27°C auf 18°C abgekühlt. Wo war meine Jacke??
Bis zum Aussichtspunkt mussten wir noch etwa 300 Meter laufen und blickten dann auf eine unglaubliche Landschaft! Eigentlich fehlten nur noch die Dinosaurier! Wahnsinn!
Dann machten wir uns auf den Weg zu unserer neuen Unterkunft. Dazu mussten wir einmal quer über die Insel, über die Berge und durch die Wolken… Das war keine schöne Fahrt…!
Wir, besonders Tom, waren froh, endlich an der Lodge Palmae angekommen zu sein. Paule, unsere Gastgeberin, begrüßte uns freundlich und führte uns durch den traumhaften Palmengarten! Obwohl wir eigentlich mitten in der Stadt waren, hörten wir nichts! Unglaublich!
Mittendrin versteckten sich vier kleine Hütten, von denen wir die hinterste und damit schönste bezogen.
Nachdem wir das Auto ausgeladen hatten, chillten wir den ganzen Abend im eigenen Whirlpool. Ein Träumchen!
Wetter: 15°C – 27°C, Sonne-Wolken-Nebel-Mix
Unterkunft: Lodge Palmae (277 Euro die Nacht mit Frühstück)