14.09.
Die Nacht hatten wir beide schlecht geschlafen, und seit 05:30 Uhr lag ich wach im bequemen Bett.
Den Wecker eine Stunde später brauchten wir also nicht. Nur etwas mehr Zeit hätte ich gebrauchen können! Irgendwie war es etwas hektisch an dem Morgen. Wahrscheinlich lag es auch daran, dass ich die Sachen im Koffer noch einmal neu verteilen musste, da einer 26 kg und der andere nur 20 kg wog!
Nach der Umräumaktion gingen wir zur Rezeption, wo das Auschecken gefühlt ewig dauerte. Dann musste ich den Hotelvoucher denen auch noch per Mail schicken! Das hätten wir doch auch gestern schon erledigen können, oder?
Als dann alles erledigt war und wir aufs Taxi warteten, fiel Tom auf, dass er sein Armband vom LUX im Zimmer liegen gelassen hatte! Also eilte ich zurück zur Rezeption, holte die Schlüsselkarte und sprintete zum Zimmer. Die Karte ging nur leider nicht mehr! Glücklicherweise hatte ich aber die Terrassentür nicht abgeschlossen und konnte so doch noch das Armband holen.
Zurück beim Hasen wartete das Taxi bereits auf mich! Ich sag ja… etwas stressig an diesem Morgen!
Die kurze Fahrt zum Flughafen kostete 900 MUR (17 Euro), und keine 10 Minuten später waren wir angekommen. Im Gebäude war es total leer, und bei Air Mauritius standen sich die Angestellten die Beine in den Bauch.
Bei der Sicherheitskontrolle wurde an meiner Tasche natürlich wieder ein Sprengstofftest gemacht.
In ruhiger Atmosphäre warteten wir aufs Boarding. Als wir dann in den Flieger gingen, stellte ich mit Erschrecken fest, dass wir in der Mitte saßen! Verdammt, ich wollte doch einen Blick auf den Unterwasserfall werfen. Zum Glück war der Flieger nicht ausgebucht, und wir konnten uns noch einen Platz auf der rechten Seite sichern.
Leider war der Blick nicht gut und der Wasserfall nicht wirklich erkennbar. Schade!
Nach gerade mal 35 Minuten landeten wir auf der kleinen Insel La Réunion.
Die Passkontrolle dauerte leider genauso lange wie der Flug… *gähn* Die Abholung des Mietwagens ging dafür sehr zügig, und wir waren zufrieden mit unserem Renault Captur.
Nun sind wir also am politisch südlichsten Punkt Europas angekommen. Da La Réunion ein Übersee-Département und eine Region Frankreichs ist, gehört es politisch zur Europäischen Union. Geografisch gehört die Insel zu den Maskarenen und damit zum afrikanischen Kontinent.
Willkommen zurück in der EU – diese „festen“ Deckel hatten wir nun wirklich nicht vermisst! *augenroll*
Unsere Unterkunft für die ersten Tage lag zwar westlich vom Flughafen, aber da es gerade mal 12:30 Uhr war, düsten wir mit unserem silbernen Flitzer erst einmal Richtung Osten. An den Cascade Niagara legten wir einen kurzen Zwischenstopp ein. Je nach Jahreszeit und der damit einhergehenden Wassermenge stürzen sich dort mehrere Fälle die 25 Meter hohe Felswand hinab. Bei unserem Besuch war so gut wie gar kein Wasserfall zu sehen. Der Ort war dennoch schön, und wir nahmen es mit Humor.
Beim nächsten kurzen Zwischenstopp ärgerten wir uns aber schon etwas. Der Temple du Colosse ist ein hinduistischer Tempel, und er gilt als einer der bedeutendsten und farbenprächtigsten Tempel der Insel. Das Tor war offen, und wir betraten vorsichtig das Grundstück. Auf einem Schild wurden wir sogar auf Deutsch willkommen geheißen und auf die Tempelregeln aufmerksam gemacht. Also zogen wir die Schuhe aus, und Tom blieb am Eingang stehen, da er nur eine kurze Hose anhatte.
Keine zwei Minuten später kam ein älterer Herr auf seinem klapprigen Fahrrad um die Ecke gerauscht, schimpfte und meckerte uns auf Französisch an! Was er wollte? Keine Ahnung! Aber scheinbar waren wir nicht willkommen und zogen direkt wieder ab. Das nächste Mal sollten sie dort vielleicht das Tor verschließen! *grummel*
An der Destille Rivière du Mât angekommen, standen wir etwas ratlos vor dem verschlossenen Tor. Auf unser Schellen reagierte niemand, und keine Menschenseele war auf dem Gelände zu sehen.
Nach einigen Minuten des Wartens entschied ich mich, eine E-Mail zu schreiben. Ich tippte schnell eine Nachricht, in der ich um Einlass bat, und schickte sie ab. Kaum drei Minuten später öffnete sich plötzlich das Tor mit einem leisen Quietschen.
Im recht neuen, kleinen Besucherzentrum wartete bereits Verena auf uns, die glücklicherweise meine E-Mail gelesen hatte.
Nachdem wir uns blaue Sicherheitswesten übergeworfen hatten, spazierten wir los. Tom und ich waren nämlich die einzigen Gäste für die 14:30-Uhr-Führung.
Verena erzählte viele interessante und spannende Geschichten rund um die Destille und die Produktion. Die Destillerie wurde im Jahr 1886 gegründet und gehört zu den ältesten und bedeutendsten Produzenten von Rum in der Region.
Wir bekamen einen ganz tollen Einblick in die Produktion und durften später im Besucherzentrum auch an einer kleinen Verkostung teilnehmen.
Dort probierten wir einen Rhum Agricole, mit „h“ geschrieben (kein Rechtschreibfehler). Dieser kommt aus den französischen Überseegebieten Martinique, Guadeloupe, Französisch-Guayana und La Réunion und macht nur wenige Prozente der globalen Rumproduktion aus.
Der Rhum Agricole, wortwörtlich übersetzt der landwirtschaftliche R(h)um, wird direkt aus frischem Zuckerrohrsaft hergestellt, im Gegensatz zu seinem „großen“ Bruder, dem Rum. Dieser wird typischerweise aus Melasse hergestellt, einem Nebenprodukt der Zuckerproduktion.
Das Zuckerrohr für den Rhum Agricole wird geerntet (oft sogar von Hand), zerkleinert und gepresst. Der so gewonnene Saft wird mit Hefe zum Gären gebracht und liefert die Maische für die anschließende Destillation. Fast wie beim Whisky.
Besonders begeistert waren wir von dem aromatisierten Rhum Arrangé. Der mit Birne und Vanille hatte es uns besonders angetan – ein Geschmackserlebnis, das wir uns für 14 Euro nicht entgehen lassen konnten. Kurzerhand entschieden wir uns, ihn direkt zu kaufen.
Auf dem Weg zur Unterkunft hielten wir in einem nahegelegenen Supermarkt. Dort war die Hölle los! Es fühlte sich an wie an einem Tag vor Weihnachten: Menschen drängten sich, Einkaufswagen kollidierten und die Regale waren ein wahres Durcheinander. Irgendwie schafften wir es, uns in diesem Gewusel zurechtzufinden und kauften für unser Abendessen Käse, Baguette und für mich als Nachtisch noch ein paar köstliche Eclairs.
Dann fuhren wir über die teuerste Straße Frankreichs, das „Viaduc Nouvelle Route du Littoral“. Sie wurde erst vor kurzem in Teilen freigegeben und ersetzt die alte Küstenstraße, die durch häufige Erdrutsche und Überschwemmungen gefährdet war.
Als wir die Villa Manaaki erreichten, war es bereits stockdunkel. Superfreundlich wurden wir von Pascal und Catherine empfangen und direkt herumgeführt. Wow, die beiden hatten dort oben am Berg ein kleines wunderschönes Paradies geschaffen.
In Ruhe packten wir aus und aßen noch unsere zuvor gekauften Leckereien auf unserer Terrasse, ehe wir gegen 23:00 Uhr ins Bett gingen.
Wetter: 24°C, Sonne-Wolken-Mix und ein kräftiger Wind
Unterkunft: Villa Manaaki (195 Euro die Nacht mit Frühstück)