18.09.
Die letzte Nacht war eigentlich ganz okay. Dafür, dass wir komplett aus unserer Zeit waren, habe ich überraschend gut geschlafen. Nur einmal kurz um 01:00 Uhr war ich wach und gegen 04:30 Uhr dann endgültig. Aber das lag, glaube ich, eher an meiner verschnupften Nase. Immerhin: Das Ohr hat dank der Ibus keinen Mucks mehr gemacht.
Tom hatte zwar etwas unruhig geschlafen, aber im Großen und Ganzen war es bei ihm auch in Ordnung. Nach einer letzten, ausgiebigen heißen Dusche – die nächsten vier Wochen würde es im Camper wohl keine Wellnessanwendungen geben, Wasserknappheit lässt grüßen – machten wir uns fertig und gingen um 07:30 Uhr zum Frühstück runter.
Das Frühstück war typisch amerikanisch – oder vielleicht auch britisch, so genau weiß man das bei dieser Mischung nicht. Jedenfalls gab es Rührei, Würstchen, kleine Frikadellen, Porridge, Bagels, eine Pancake-Maschine, Müsli, Cinnamon Rolls, Toast und noch einiges mehr. Im Großen und Ganzen fand mein Hase etwas Passendes und wurde auch satt. Ich begnügte mich wie immer mit einem Kaffee, der richtig lecker war.
Um 08:45 Uhr gingen wir runter, checkten aus und warteten auf unseren Fahrer. Der war sogar überpünktlich und stand schon kurz vor 09:00 Uhr mit seinem richtig schicken, matt-schwarzen Auto vor der Tür. Wow! Der hätte mir zu Hause auch gefallen. Also der Wagen! Geile Karre! Da konnte selbst Tom nur anerkennend nicken.
Bereits um 09:40 Uhr kamen wir bei der Vermietstation RoadBear an und wurden direkt freundlich empfangen. Nachdem Tom seinen Namen sagte, grinste der supernette Mitarbeiter nur und meinte, er würde Jerry heißen. Na toll, da war das Dreamteam also komplett – Tom und Jerry gingen dann gemeinsam zu unserem bereitstehenden Camper.
Von außen war kein großer Unterschied zu dem Camper von vor zwei Jahren zu erkennen. Doch als wir hineingingen, hatte Tom sofort das Gefühl: irgendwie kleiner.
Nachdem Jerry uns alles gezeigt hatte und wir mit den Formalitäten fertig waren, war es 10:40 Uhr und wir hätten eigentlich vom Hof fahren können. Eigentlich. Denn so richtig happy war ich nicht. Das Wohnmobil war doch deutlich kleiner als das letzte.
Ich war mir sicher, dass nicht einmal der Inhalt unserer vier großen Koffer komplett Platz gefunden hätte – geschweige denn die ganzen Einkäufe, die wir an diesem Tag noch vorhatten. Nach kurzem Überlegen gingen wir also noch einmal zurück ins Office und fragten einfach, ob zufällig ein größerer Camper frei wäre. Und siehe da, wir hatten Glück! Man bot uns tatsächlich ein deutlich größeres Modell an. Jetzt war natürlich die spannende Frage: Was kostet das Upgrade?
„Och“, meinte Jerry ganz locker, „gar nichts – ihr könnt ihn so mitnehmen.“ Wir waren völlig von den Socken und bedanken uns mehrfach.
Da der Camper allerdings noch nicht gereinigt war, machten wir es uns draußen im Schatten bequem, tranken Kaffee und vertrieben uns die Zeit.
Unser erstes Wohnmobil wurde inzwischen wieder zurück in den Bestand gefahren. Später fragten wir einen anderen Mitarbeiter nach der Länge des ursprünglichen Campers, weil er uns so verdächtig klein vorkam. Seine Antwort: 22 Fuß (≈ 6,7 m). Gebucht hatte ich allerdings 23 bis 25 Fuß. Vielleicht war das großzügige „kostenlose“ Upgrade – jetzt 28,5 Fuß (≈ 8,7 m) – also doch nicht ganz so uneigennützig. *grins*
Geduldig warteten wir, bis unser neuer Camper von innen und außen gereinigt war. In der Zwischenzeit kippten wir so viel Kaffee in uns hinein, dass wir eigentlich eine Woche lang nicht mehr hätten schlafen dürfen. Als dann endlich die zweite Einweisung erledigt war, der Frischwassertank aufgefüllt wurde, die Ameisenstraße am Slide-Out mit Gift bekämpft war und wir schon voller Vorfreude losrollen wollten, stellte sich heraus: Die Rückfahrkamera funktionierte nicht.
Tom meldete das natürlich sofort, und der Mitarbeiter musste einen Mechaniker holen – er selbst hatte nämlich auch keinen blassen Schimmer, woran es lag. Der Mechaniker wiederum grinste sich ein wenig in den Bart und meinte schließlich: „Die Kamera läuft nicht über das Display, sondern über den Rückspiegel.“ *lach* Tja, das hätten wir wirklich alle sehen können!
Was ich noch erwähnen muss – was mir in den Wohnmobilen überhaupt nicht gefiel – war der 12-Volt-Kühlschrank. Im Vorfeld hatte ich im Internet schon gelesen, dass diese Geräte inzwischen standardmäßig verbaut werden: kein Gasbetrieb mehr, nur noch Strom. Warum man auf so eine Idee kommt, bleibt mir ein Rätsel. Laut den Berichten war die Kühlleistung nämlich alles andere als überzeugend. Die Leute berichteten von verdorbenen Lebensmitteln, und manche haben sogar Wasserflaschen eingefroren und tagsüber in den Kühlschrank gelegt, damit die Lebensmittel überhaupt halbwegs kühl blieben.
Gerade wenn man öfter mal autark stehen möchte und die Temperaturen hoch sind, ist so ein Kühlschrank das größte Problem. Am Landstrom war es wohl noch so halbwegs okay – wobei man ihn auch dort nicht komplett vollpacken durfte, sonst kam er schnell an seine Grenzen. Wir waren also gespannt, wie sich das Ding im Alltag schlagen würde. Ein bisschen Bauchweh hatte ich schon.
Als wir dann endlich vom Hof fuhren, war es bereits kurz vor 15:00 Uhr, und so war der halbe Tag schon wieder dahin. Aber egal – wir hatten ein schönes, großes Wohnmobil und tuckerten glücklich in Richtung Lowe’s Baumarkt.
Leider fanden wir dort keinen kleinen Gasgrill und düsten deshalb erst einmal weiter zum Walmart. Der Einkaufswagen dort wurde gut gefüllt, und im Home Depot nebenan erwarben wir schließlich den gewünschten Gasgrill. Mit 99 $ (84 €) zwar deutlich teurer, als wir eigentlich gehofft hatten, aber am Ende war die Rechnung ganz einfach: lieber ein Grill über Budget als gar keiner.
Unseren letzten Shopping-Stopp legten wir bei der Supermarktkette Albertsons ein. Die hatte sich mittlerweile – oder besser gesagt in den letzten Jahren – zu einer richtigen Apotheke gemausert. Meine Güte, waren die Preise dort gestiegen!
Wir beschränkten uns daher wirklich nur auf das Allernötigste. Und trotzdem zeigte der Kassenbon am Ende die stolze Summe von 400 $ (≈ 340 €). Unglaublich! Alles zusammen haben wir mit dem Ersteinkauf inklusive Grill 751,52 $ (≈ 640 €) ausgegeben. Ein paar Kleinigkeiten fehlten noch, die wollten wir dann aber am nächsten Tag besorgen.
Als wir unseren ersten Campingplatz erreichten, war es bereits kurz vor 19:00 Uhr, und die Sonne verabschiedete sich gerade spektakulär hinter den Bergen. Ein richtiges Postkartenmotiv!
Am Platz angekommen, aßen wir noch schnell eine Kleinigkeit draußen, bevor ich mich dem Chaos im Innern widmete – oder besser gesagt: bevor ich ein neues Chaos verursachte. Die Koffer wurden ausgepackt, das halbe Wohnmobil noch einmal gründlich gereinigt, alles fein säuberlich in Schränken und Fächern verstaut, die Lebensmittel eingeräumt und… ein paar Ameisen erfolgreich bekämpft. Zumindest hoffentlich. Wir stellten jedenfalls Fallen auf und hofften, dass die kleinen Viecher nun endgültig das Weite suchten.
Im Camper war es unerträglich heiß und immer noch drückend schwül. Also blieb uns nach all der Arbeit nichts anderes übrig, als noch einmal unter die Dusche zu springen, bevor wir endlich in unser frisch bezogenes Bett hüpften. Völlig erledigt, aber glücklich, ließen wir uns in die Kissen fallen – bereit für die erste Nacht im neuen rollenden Zuhause.
Kilometer: 45
Wetter: Sonne-Wolken-Mix, schwüle 28 °C
Campingplatz: Malibu Creek State Park (45 $ + 8,25 $ Gebühr; 49 €)
Kein Strom, aber Wasser und Dumpstation