14.05.
Heieiei… Als die Borddurchsage um 08:00 Uhr durch die Lautsprecher drang, öffnete ich gequält meine leicht geschwollenen Augen.
Was für eine schlechte Nacht! Die Lüftung hatte den Charme eines startenden Düsenjets, und meine Matratze schien in Zusammenarbeit mit einem Ziegelwerk entwickelt worden zu sein. Mir tat der ganze Rücken weh… Da tat die heiße Dusche richtig gut.
Und Tom hatte sich in der Nacht irgendwie das Knie verdreht. Na ja, wir sind halt keine 20 mehr. *lach*
Nachdem mein Hase sich einen Kaffee geholt hatte, aß er in der Kabine noch die gestern übrig gebliebene Packung Sushi. Währenddessen zog langsam die Hafeneinfahrt am Fenster vorbei. Bei Tom war von Hektik keine Spur – ja, mit dem Alter wird man(n) tatsächlich ruhiger.
Entspannt gingen wir zum Auto, das sich praktischerweise auf dem gleichen Deck befand wie unsere Kabine. Um kurz vor 11:00 Uhr deutscher Zeit (10:00 Uhr britischer Zeit) verließen wir die Fähre, und keine drei Minuten später hatten wir auch schon das Zollhäuschen passiert.
Der nette Beamte freute sich, uns seine drei Wörter Deutsch zu präsentieren. „Guten Tag“ und „Tschüss“ kamen akzentfrei über seine Lippen.
Nordengland empfing uns mit einer geschlossenen Wolkendecke. Klar – England! *lach*
Der Wetterbericht versprach aber spätestens ab der Grenze und auch für die nächsten Tage Sonnenschein.
Bereits an der kleinen Insel Holy Island hatten sich die Wolken größtenteils verzogen, und die Sonne lachte vom Himmel.
Die Insel ist eigentlich nur bei Flut eine solche – bei Ebbe kann man sie auch mit dem Auto über eine asphaltierte Straße erreichen.
Gemütlich spazierten wir über die kleine Insel, stöberten durch die niedlichen Geschäfte und aßen natürlich auch ein sehr leckeres Local Crab Sandwich.
Rechtzeitig vor der nächsten Flut verließen wir um kurz nach 14:00 Uhr Holy Island und machten uns auf den Weg nach Pitlochry.
Mittlerweile war kaum noch eine Wolke am Himmel, und überglücklich hielten wir kurz an der Grenze zu Schottland. Endlich waren wir wieder da!
Hinter Edinburgh statteten wir dem kleinen North Queensferry Lighthouse einen Besuch ab. Es steht direkt neben der roten Eisenbahnbrücke – der berühmten Forth Bridge.
Das North Queensferry Lighthouse wurde 1817 vom berühmten Ingenieur Robert Stevenson erbaut – dem Großvater des Schriftstellers Robert Louis Stevenson. Der kleine Leuchtturm diente lange Zeit als wichtiger Orientierungspunkt für Schiffe auf dem Firth of Forth und war einer der ersten mit rotierender Linse.
Heute ist er stillgelegt, aber liebevoll restauriert – und als wir dort waren, fand gerade eine kleine Hochzeit direkt daneben statt. Was für ein besonderer Ort für so einen Moment!
Dann entdeckte ich auf meiner Karte „Tim Hortons“ – meine kanadische Lieblingskaffeekette! Yiiiipiiieeehh!
Dort gab es so viele köstliche Leckereien – ein wahres Paradies. Natürlich entschied ich mich für den Maple-Caramel-Donut. Das waren die besten 424 Kalorien seit Langem. Einfach köstlich, das Ding!
Ich musste mich echt beherrschen, nicht auch noch die beiden Exemplare zu essen, die dort einsam in der Auslage lagen. Aber dann wäre ich wahrscheinlich ins Zuckerkoma gefallen!
Gegen 18:30 Uhr erreichten wir Pitlochry und damit auch unser Hotel.
Vorab hatte ich ein kleines Doppelzimmer reserviert, da es deutlich günstiger war als die Standardzimmer. Leicht skeptisch öffneten wir die Tür … und waren total erstaunt. Na, wenn das ein kleines Zimmer war – wie riesig müssen dann erst die normalen sein?!
Ohne groß weiter darüber nachzudenken, spazierten wir direkt wieder los. Im Örtchen waren kaum noch Touristen unterwegs, und wir suchten uns im McKays ein nettes Plätzchen in der Abendsonne.
Haggis und Irn-Bru schmeckten mir ausgezeichnet – nur leider war Tom von seiner Lamm-Moussaka enttäuscht. Mmmh… sowas isst man wohl besser in anderen Ländern. Als weltbeste Ehefrau gab ich ihm natürlich etwas von meinem Essen ab. *lach*
Dafür spazierte er mit mir auf dem Rückweg auch die deutlich längere Strecke zurück zum Hotel.
Nach einer heißen Dusche fielen uns gegen 23:00 Uhr die Augen zu… Gute Nacht!
Kilometer: 337
Wetter: 18 °C, bis mittags bedeckt, dann Sonne
Unterkunft: The Acarsaid – Pitlochry (95 £; 111 €)